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Sport
Boxverband bestätigt "Geschlechtertests"
Vor der WM in Liverpool im September hat World Boxing klargestellt, dass alle erwachsenen Teilnehmerinnen ihr "Geburtsgeschlecht" bestimmen lassen müssen.

Imane Khelif bei den Olympischen Spielen 2024 (Bild: IMAGO / ZUMA Press)
- 21. August 2025, 06:18h 3 Min.
Der Box-Verband World Boxing hat knapp zwei Wochen vor seiner ersten WM die Einführung von "Geschlechtertests" bestätigt. Alle Boxerinnen, die in der Frauen-Kategorie vom 4. bis 14. September in Liverpool starten wollen, müssen demnach den obligatorischen Test absolvieren.
"Die Richtlinie soll die Sicherheit aller Teilnehmenden gewährleisten und gleiche Wettbewerbsbedingungen für Männer und Frauen schaffen", begründete World Boxing in einer Pressemitteilung. Alle Athlet*innen über 18 Jahre müssten sich zur Bestimmung ihres "Geburtsgeschlechts" einmalig einem PCR-Test oder einem funktionellen, medizinisch gleichwertigen genetischen Screening-Test unterziehen, heißt es in dem Schreiben.
Die neue Richtlinie tritt ab sofort in Kraft. Die Tests werden zunächst vom nationalen Verband durchgeführt. Für Männer und Frauen gelte: Das "Geburtsgeschlecht" muss der Antrittskategorie entsprechenden. Bei unklaren Ergebnissen, die etwa auf Intergeschlechtlichkeit deuten ließen, lande die Frage bei einem medizinischen Expert*innenrat des Verbands. Es gebe die Möglichkeit zur Berufung und ein Unterstützungsangebot.
Olympia-Debatte als Auslöser
Bei den Sommerspielen 2024 in Paris hatte es eine teils queerfeindlich geschürte Debatte um die Teilnahme von Imane Khelif aus Algerien und Lin Yu-ting aus Taiwan gegeben (queer.de berichtete). Beide Boxerinnen waren nach nicht näher erklärten "Geschlechtertests" vom Verband Iba, der vom Internationalen Olympischen Komitee nicht mehr anerkannt wird, von der WM 2023 ausgeschlossen worden. Beide hätten laut Iba die erforderlichen Teilnahme-Kriterien nicht erfüllt und "im Vergleich zu anderen weiblichen Teilnehmern Wettbewerbsvorteile" gehabt.
Das IOC nannte das eine "willkürliche Entscheidung ohne ordnungsgemäßes Verfahren" und ließ Khelif und Lin in Paris teilnehmen. Das im Pass angegebene Geschlecht sei maßgeblich für die Zulassung zu den Wettbewerben, lautete eine Begründung. Beide holten Gold. Nachdam das IOC die Box-Wettbewerbe in Paris und drei Jahre zuvor in Tokio eigenständig verantwortete, soll zu 2028 in Los Angeles World Boxing die Organisation übernehmen. Der Verband wurde im Februar vom IOC-Exekutivrat als Partner anerkannt.
Die neue Test-Richtlinie von World Boxing soll klare Regelungen aufstellen. Sie sei von einer Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern der medizinischen Abteilung und des Anti-Doping-Komitees innerhalb von World Boxing ausgearbeitet worden, teilte die Organisation mit. Auch seien Experten zu Rate gezogen und "rechtliche, gesellschaftliche und sportliche Entwicklungen im Zusammenhang mit der Frage der Geschlechtseignung" erörtert worden.
Khelif widerspricht Ex-Manager
Ob Khelif sich dem Test unterziehen oder womöglich gegen die Entscheidung klagen wird, ist ebenso offen wie ihre bislang nicht angekündigte Teilnahme in Liverpool – Anmeldeschluss ist am 25. August. World Boxing hatte die Plfichttestung im Mai angekündigt und Khelif vom Eindhoven Box Cup vorläufig ausgeschlossen (queer.de berichtete). Später entschuldigte sich der Verband, die Sportlerin ausdrücklich benannt zu haben.
Nachdem französische Medien Khelifs früheren Manager mit den Worten zitierten, die Boxerin befinde sich im Ruhestand und werde nie wieder antreten, hat die 26-Jährige dies am Mittwoch dementiert. Sie bleibe ihrer Sportkarriere treu und trainiere regelmäßig in Algerien und Katar, "um mich auf bevorstehende Wettkämpfe vorzubereiten", schrieb sie bei Facebook. Der Ex-Manager habe "mit seinen falschen und böswilligen Aussagen mein Vertrauen missbraucht und mein Land verraten". (dpa/cw)













