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MAGA-Kulturkampf
Florida übermalt Gedenk-Zebrastreifen für Opfer des "Pulse"-Attentats
In Orlando erinnerte ein Regenbogen an die 49 Opfer des Anschlags auf den queeren Club. Der Bundesstaat ließ ihn nun entfernen – Aktivist*innen haben ihn inzwischen temporär wiederhergestellt.

Der Zebrastreifen vor dem "Pulse" vor und nach dem nächtlichen Einsatz des Florida Department of Transportation (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)
- 22. August 2025, 06:02h 3 Min.
In Orlando im US-Bundesstaat Florida ist ein Regenbogen-Zebrastreifen zum Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Nachtclub "Pulse" übermalt worden. Berichten zufolge entfernten am frühen Donnerstagmorgen Mitarbeitende des Florida Department of Transportation die Farben des Übergangs, ohne Vorankündigung.
"Wir sind erschüttert darüber, dass der Bundesstaat über Nacht den 'Pulse'-Gedenk-Zebrastreifen (…) übermalt hat", teilte Bürgermeister Buddy Dyer auf der Plattform X mit. Orlando werde die 49 Menschen, die 2016 bei dem Angriff auf den queeren Club getötet wurden, jedoch weiterhin ehren, betonte der Demokrat. Der Angreifer reklamierte damals eine Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
Dyer, der die Regenbogenbemalung im Oktober 2017 veranlasste (queer.de berichtete), schrieb von einer "grausamen politischen Aktion". Die Maßnahme sei "vorschnell" erfolgt – ohne jede Datengrundlage oder öffentliche Diskussion. Ein Überlebender des Attentats erklärte, es sei ein Zeichen der Solidarität "ausgelöscht" worden. Der Bundesstaat habe damit das Andenken an die Toten entweiht, schrieb Brandon Wolf bei X. Am Donnerstag versammelten sich hunderte Menschen vor dem "Pulse". Einige von ihnen malten den Zebrastreifen wieder in Regenbogenfarben aus.
/ jeremy_rodrigueOrlando recolors the Pulse Memorial Sidewalk Rainbow after DeSantis paved over it. We are Orlando Strong and no one can ever erase the LGBTQIA+ Community pic.twitter.com/NLS7pOz1xQ
Jeremy Rodriguez (@jeremy_rodrigue) August 21, 2025
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Während die Stadt Orlando demokratisch regiert ist, wird der Bundesstaat Florida von dem republikanischen Gouverneur Ron DeSantis geführt. Dieser schrieb ebenfalls bei X, man werde es "nicht zulassen, dass die Straßen unseres Bundesstaats für politische Zwecke missbraucht werden".
Regenbogen-Zebrastreifen entstand in Abstimmung mit Bundesstaat
In vielen US-Städten sind in den vergangenen Jahren bunte Straßenbemalungen entstanden – oft, um an Opfer von Gewalt zu erinnern oder als sichtbares Zeichen der Unterstützung für Minderheiten wie mit dem Regenbogen der queeren Community.
Das US-Verkehrsministerium unter dem neuen Präsidenten Donald Trump hatte die Bundesstaaten jüngst im Rahmen einer neuen Initiative angewiesen, stärker auf einheitliche und klar erkennbare Straßenmarkierungen zu achten. Ziel der Kampagne sei es demnach, Ablenkungen für Autofahrer zu verringern und Unfälle zu vermeiden.
Kritiker verweisen allerdings auf eine Studie der Bloomberg-Stiftung, die gegenteilige Ergebnisse nahelegt: Demnach können künstlerisch gestaltete Zebrastreifen die Sicherheit sogar erhöhen, weil Autofahrer eher abbremsen und häufiger Vorfahrt gewähren. Bürgermeister Dyer betonte mit Blick auf den Zebrastreifen in Orlando, die Stadt habe diesen in Abstimmung mit dem Bundesstaat angebracht und nationale Standards eingehalten. Die Regenbogen-Bemalung habe die Sicherheit für Fußgänger verbessert.
Republikaner wollen Kulturkampf statt Solidarität
Trumps Verkehrsminister Sean Duffy hatte zu der Initiative klar betont, es gehe um die Entfernung von politischen Botschaften von Straßenmarkierungen und -schildern: "Straßen dienen der Sicherheit, nicht politischen Botschaften oder Kunstwerken." Letztlich wirkt das Regenbogenverbot wie ein Teil des queerfeindlichen republikanischen Kulturkampfes.
Ein Kulturkampf, den Gouverneur Ron DeSantis gerne aufgriff. Er unterzeichnete ein Gesetz, in dem es laut dem regionalen Verkehrsminister Jared Perdue darum gehe, "unsere Transporteinrichtungen frei und sauber von politischen Ideologien" zu halten. Seitdem hatte der Bundesstaat Druck auf Städte ausgeübt, Regenbogen-Zebrastreifen zu entfernen. Im Juli folgte dem etwa West Palm Beach und verlegte den Regenbogen von Straßenkreuzungen in einen Park.
Während sich einige Städte weiter weigerten, Regenbogenzebrastreifen zu entfernen, forderte das DeSantis-Verkehrsministerium Key West und Delray Beach vor wenigen Tagen in einem Brief auf, dies bis Anfang September zu erledigen – obwohl bei letzterer Stadt der Rat einen gegenteiligen Beschluss gefasst hatte. In einem Artikel Anfang der Woche hatte das queere US-Magazin "Advocate" geschrieben, dass noch keine Schreiben an Miami Beach, Fort Lauderdale und Orlando verfasst wurden, obwohl man dort nocht nichts entfernt habe, und befürchtet, der "Pulse"-Regenbogen könnte als nächstes dran sein. (cw/dpa)














