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Zwischenfazit

Rechte Mobilisierungen gegen CSDs: "Eine andere Qualität – und keine Entwarnung"

Queerfeindliche Mobilisierungen gegen CSDs haben sich 2025 laut einer neuen Studie des Autor*innenkollektivs Feministische Intervention zum "vermutlich wichtigsten Knotenpunkt des extrem rechten Kulturkampfes" entwickelt.


"Kleine CSDs schützen": Pappschild auf dem CSD im oberbayerischen Ebersberg am 19. Juli 2025 (Bild: Robert Andreasch)
  • 22. August 2025, 09:32h 4 Min.

Das Autor*innenkollektiv Feministische Intervention (AK Fe.In) hatte bereits für das Jahr 2024 eine detaillierte Studie über Angriffe auf CSDs veröffentlicht: Maximal 60 Prozent der Pride-Veranstaltungen waren im letzten Jahr störungsfrei verlaufen (queer.de berichtete). Für die aktuell laufende Pride-Season 2025 ist vom AK Fe.In jetzt ein sehr ausführliches "Zwischenfazit" erschienen. Auch dieses ist ernüchternd.

Die Pride-Saison in Deutschland bislang

Die Autor*innen vom AK Fe.In fassen ihre aktuelle Auswertung so zusammen: "Vieles ist anders dieses Jahr, einiges ist gleich geblieben". Was extrem rechte Mobilisierungen, Störversuche und Angriffe angeht, werde eine "andere Qualität" als im letzten Jahr deutlich. Für eine Entwarnung gebe es keinen Grund. Im Gegenteil: Queerfeindliche Mobilisierungen gegen CSDs hätten sich 2025 zum "vermutlich wichtigsten Knotenpunkt des extrem rechten Kulturkampfes" entwickelt. Verschiedene Strömungen – von christlichen Fundamentalist*innen über extrem rechte Jugendliche bis hin zu "lange erfolglosen Nazi-Altkadern" – fänden ein gemeinsames Feindbild in queeren Menschen.

Extrem rechte Mobilisierungen

Die extrem rechten Akteur*innen hätten in dieser Saison im Vergleich zu 2024 ihre Medienpräsenz sogar weiter ausgebaut und die Mobilisierungen gegen CSDs noch einmal verstärkt. Angesichts dessen, so die Autor*innen vom AK Fe.In, mögen die Mobilisierungserfolge der extrem rechten Akteur*innen eher gering erscheinen. Meistens sei es bei Grüppchen von weniger als 50 Personen geblieben. Die größte extrem rechte Aktion gegen einen CSD sei auch in diesem Jahr bislang die Mobilisierung nach Bautzen gewesen. Mit gut 450 Angereisten fanden sich hier am 10. August 2025 allerdings nicht annähernd so viele Rechte wie im Jahr 2024 zusammen (queer.de berichtete).

Das Autor*innenkollektiv warnt jedoch: "Die massenhaften dezentralen Mobilisierungen in alle kleinen Orte sind offensichtlich gefloppt, aber die Nazis haben dabei Strukturen und Erfahrungen geschaffen, die sich vermutlich in einigen größeren konzertierten Aktionen im nächsten Jahr entladen" könnten. In der Zwischenbilanz vom AK Fe.In wird zudem deutlich, dass es nicht nur die neonazistischen Akteur*innen sind, die gegen CSDs mobil machen. So hätten sich beispielsweise in München oder Pforzheim auch christlich-fundamentalistische Grüppchen zusammengetan, um gegen CSDs zu protestieren.


"Christkönigtum" gegen den CSD München am 28. Juni 2025

Normalisierung der Bedrohungslage

Bedrohungsszenarien gegen CSDs und queere Veranstaltungen seien mittlerweile eine Art neue Normalität geworden: "CSDs erscheinen nicht mehr selbstverständlich. Der vermeintlich dazugehörende, als 'Gegendemonstration' bezeichnete Naziaufmarsch wird hingenommen, die neonazistische Gewaltandrohung als so erwartbar wahrgenommen, dass Medien von 'störungsfreien' Veranstaltungen berichten, wenn die CSDs selbst ohne direkte Angriffe aus den Nazidemos heraus durchgeführt werden können."

In der Pride-Saison 2025 sei kaum ein CSD noch ohne Störungen im Vor- oder Nachfeld verlaufen. In Esslingen habe es zum Beispiel den Versuch gegeben, den CSD mit einer Softairwaffe zu beschießen (queer.de berichtete). Das AK Fe.In führt weitere Belege auf: "In Rostock bedrohten und beleidigten zwei Personen die Teilnehmenden an einer Gedenkveranstaltung für die queeren Opfer des Nationalsozialismus, die vor dem CSD stattfand. In Wernigerode hängten Unbekannte ein selbst gesprühtes Transparent 'Kein CSD im Harz' an einer Brücke auf, sprühten und stickerten entlang der Demoroute queerfeindliche Propaganda, alles in der Nacht vor dem CSD. Im ostfriesischen Leer wurde in der Innenstadt ein CSD-Werbeplakat zerschnitten".

Die Rolle der AfD

In diesem Jahr habe die AfD in mehreren Städten, so schreibt das AK Fe.In, offenbar "ermutigt vom allgemein queerfeindlichen Klima" Infostände gegen CSDs angemeldet, zum Beispiel in Würzburg unter dem Motto "Stolz statt Pride". In Ronnenberg (Niedersachsen) habe ein AfD-Antrag dazu geführt, dass der CSD vom geplanten Ort auf einem Schulgelände auf den Marktplatz umziehen musste. Das AK Fe.In zitiert zudem beispielhaft den antisemitischen Aufruf "Nein zum CSD in Nordhausen!" des AfD-Bundestagsabgeordneten Christoph Drößler: "Die Regenbogenflagge steht damit für Fremdbestimmung und unserem Volk eigentlich fremde Werte. Diese von globalistischen Kapitalkräften finanzierte Dekadenzpropaganda untergräbt unsere nationale Substanz und ist hintergründig ein werteimperialistisches Instrument der Besatzer."

Solidarität und Selbstschutz gegen den Hass

Trotz alledem, so betont das Autor*innenkollektiv, befänden sich CSDs in diesem Jahr nicht in der Defensive, sondern in der Offensive. Es gebe eine große Solidaritätswelle, aus den Großstädten ins Umland, über Generationsgrenzen und über politische Differenzen hinweg. Im "Zwischenfazit" heißt es am Ende: "Es gibt in dieser Saison wieder ein bis zwei Dutzend CSDs mehr als im Vorjahr, auch in den ländlichen Regionen wollen Queers auf die Straße, feiern, kämpfen, sichtbar und laut sein, jetzt erst recht." (ra/ls)

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