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Heimkino

Ringen zwischen Schuld, Lust und Rebellion

Das sinnlich-düstere Drama "Tentatio – Erste Sünde" über drei Schwestern, deren sexuelles Erwachen inmitten religiöser Strenge fatale Folgen hat, ist jetzt auf Blu-ray erhältlich.


"Tentatio – Erste Sünde" ist ein düster-sinnliches Coming-of-Age-Drama, das sich mit Nachdruck gegen religiöse Unterdrückung und die Verleugnung menschlicher Bedürfnisse positioniert (Bild: Busch Media Group)
  • 23. August 2025, 08:04h 3 Min.

In seinem Langfilmdebüt "Tentatio – Erste Sünde" wirft Regisseur Andrea Baroni einen eindringlichen Blick auf die Zerreißprobe zwischen religiöser Dogmatik und körperlichem Erwachen. Im Zentrum stehen die drei Schwestern Sara, Ester und Miriam, die abgeschottet auf einer abgelegenen Farm leben. Unter der strengen Aufsicht ihres Vaters und einer fanatisch-gläubigen Großmutter wachsen sie in einem Umfeld auf, das wenig Raum für Individualität oder Sinnlichkeit lässt. Doch mit der beginnenden Pubertät werden Begehren und Neugier stärker – insbesondere als ein junger Mann in das Haus aufgenommen wird.

Psychologische Spannung, sinnliche Versuchung und religiöser Horror


"Tentatio – Erste Sünde" ist als DVD, Blu-ray und digital erschienen

Was folgt, ist ein düster-sinnliches Coming-of-Age-Drama, das sich mit Nachdruck gegen religiöse Unterdrückung und die Verleugnung menschlicher Bedürfnisse positioniert. Baroni erzählt dabei nicht in lauten Bildern, sondern entfaltet eine spannungsgeladene Atmosphäre, in der psychischer Druck, erotische Versuchung und familiäre Machtverhältnisse unaufhaltsam aufeinanderprallen. Die drei Schwestern, gespielt von Grace Ambrose, Francesca Carrain und Valentina Filippeschi, verkörpern ihre Figuren mit einer Intensität, die das innere Ringen zwischen Schuld, Lust und Rebellion auf beunruhigende Weise greifbar macht.

Ambrose, die bereits in populären italienischen Kinoproduktionen wie "Compromessi Sposi" und "Il primo Natale" zu sehen war, überzeugt in der Rolle der ältesten Schwester Sara mit leiser Autorität. Carrain, die mit "La chimera" zuletzt auf internationalen Festivals auffiel, bringt als Ester eine subtile Tiefe in die Darstellung jugendlicher Unsicherheit. Filippeschi, mit dem Anna-Magnani-Preis als "junge Entdeckung" ausgezeichnet, beeindruckt als Miriam, deren verletzliche Neugier sich zunehmend in Widerstand verwandelt.

Ergänzt wird das Ensemble durch Paola Sambo und Luigi di Fiore als Großmutter und Vater – zwei Figuren, die Baroni nicht nur als disziplinierende Instanzen inszeniert, sondern als Symbole eines repressiven Glaubenssystems, das sich gegen alles Körperliche stellt. Die karge Schönheit der Naturkulisse, eingefangen in betörend komponierten Bildern, verstärkt das Gefühl der Isolation ebenso wie die sinnlich aufgeladene Kameraarbeit, die Körper und Blick in den Mittelpunkt rückt.

"Tentatio – Erste Sünde" (Amazon-Affiliate-Link ) wurde beim Filmfestival von Turin 2023 mit dem Interfedi-Award ausgezeichnet – ein Preis, der Werke ehrt, die sich mit religiöser Toleranz, individueller Freiheit und Autonomie auseinandersetzen. Dabei bleibt das Drama stets mehrdeutig und offen – zwischen psychologischer Spannung, sinnlicher Versuchung und religiösem Horror. In seiner fiebrig-hypnotischen Atmosphäre erinnert der Film nicht zufällig an Werke des Folk-Horror-Genres und reiht sich erzählerisch wie ästhetisch neben Filme wie "Der Liebhaber", "Lolita", "Bilitis" oder "Zärtliche Cousinen" ein – nicht als Imitation, sondern als eigenständiger, moderner Kommentar auf das, was geschieht, wenn Glaube zur Waffe gegen das eigene Begehren wird. (dd/pm)

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