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Heimkino
Diverser denn je: "Final Destination 6"
Jetzt als DVD, Blu-ray und VoD: "Final Destination: Bloodlines" bleibt dem Geist seiner Vorgänger verpflichtet, erschließt jedoch inmitten von Blut und Metallsplittern auch neue Repräsentationsräume.

"Bloodlines" liefert die erwarteten Setpieces, in denen der Zuschauer den tödlichen Ablauf erkennt, lange bevor es die Figuren tun (Bild: Warner Bros. Entertainment)
- 27. August 2025, 10:31h 3 Min.
Mit "Final Destination: Bloodlines" kehrt eine der langlebigsten Horror-Franchises zurück auf die Leinwand – und schlägt dabei subtil neue Töne an. Seit dem ersten Teil von 2000, der das Genre mit der simplen, aber effektiven Prämisse aufrüttelte – dem Tod kann man nicht entkommen -, hat sich "Final Destination" als makabere Meditation über Zufall, Kontrolle und die Illusion von Sicherheit etabliert. Dass der sechste Teil nach über einem Jahrzehnt Pause erscheint, wirkt wie ein Rückgriff – und gleichzeitig wie ein vorsichtiger Schritt nach vorn.
Die Reihe war nie dafür bekannt, Figuren sonderlich tief auszuloten. Sie funktionierte über ihr Konzept: Menschen entkommen knapp einer Katastrophe, nur um danach in einer perfiden Kette von Zufällen – oder besser: logischer Unvermeidbarkeit – zu sterben. Der Tod, unsichtbar, aber allgegenwärtig, wurde dabei selbst zur Figur. In "Bloodlines" bleibt das Grundprinzip unangetastet, doch erstmals zeigt die Reihe ein gewisses Gespür für Diversität, das sich nicht nur in der Besetzung, sondern auch in der Themenwahl niederschlägt.
Queeren Identitäten angenehm selbstverständlich verwoben

"Final Destination: Bloodlines" ist als DVD, Blu-ray, 4K UHD und digital erschienen
"Bloodlines" verortet sich nicht nur historisch innerhalb der Timeline der bisherigen Filme, sondern macht seinen Titel programmatisch zum Thema: Blutlinien, Herkunft, familiäre Identität. Die Auseinandersetzung mit queeren Identitäten ist dabei zwar nicht vordergründig, aber angenehm selbstverständlich verwoben. Eine nichtbinäre Figur gehört ebenso zur Kerngruppe wie eine lesbische Protagonistin, deren Geschichte nicht auf Coming-out oder Trauma reduziert wird. Es geht um Tod, aber auch um Zugehörigkeit – zur biologischen Familie, zur gewählten, zur queeren Community.
Der Horror bleibt körperlich und visuell drastisch – "Final Destination" hat nie subtil gespielt. Auch "Bloodlines" liefert die erwarteten Setpieces, in denen der Zuschauer den tödlichen Ablauf erkennt, lange bevor es die Figuren tun. Dabei gelingt es dem Film, nostalgische Anklänge an frühere Tode der Reihe (Stichwort: Sonnenbank, Flugzeug, Achterbahn) zu inszenieren, ohne sich in bloßer Wiederholung zu verlieren.
Was früher rein als Slasher-Mechanik wirkte, bekommt hier gelegentlich eine neue Lesart. Der Versuch, dem unausweichlichen Tod zu entkommen, lässt sich – nicht überdeutlich, aber interpretierbar – auch als queere Metapher lesen: für das Leben gegen Erwartungen, gegen die "vorgezeichnete" Bahn. Dass Figuren in "Bloodlines" nicht nur dem Schicksal, sondern auch tradierten Rollenbildern entkommen wollen, verleiht dem Film – ganz ohne moralischen Zeigefinger – eine zusätzliche Tiefe, die in der Reihe bisher kaum angelegt war.
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Natürlich bleibt "Final Destination: Bloodlines" (Amazon-Affiliate-Link ) dem Geist seiner Vorgänger verpflichtet. Wer mit der Reihe nie etwas anfangen konnte, wird auch hier nicht bekehrt. Doch wer sich auf das Spiel mit Spannung, Vorhersehung und körperlicher Fallhöhe einlässt, bekommt einen Film, der inmitten von Blut und Metallsplittern vorsichtig neue Repräsentationsräume erschließt. Vielleicht nicht revolutionär – aber für ein Franchise, das 2000 begann, überraschend im Jetzt angekommen. (dd/pm)
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