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Kritik an Linken
Iris Berben will nicht, dass Schwule nur von Schwulen gespielt werden
Die Schauspielerin Iris Berben bezeichnet sich selbst als politisch links. Dennoch sieht sie bei der politischen Linken viel Problematisches – es geht auch um Forderungen in ihrem eigenen Job.
- 28. August 2025, 16:15h 3 Min.
Schauspiel-Ikone Iris Berben hat gegenüber der "Zeit" (Bezahlartikel) die politische Linke kritisiert, weil sie sich zu wenig um wichtige Themen kümmere und sich stattdessen beispielsweise zu viel Sorgen um kulturelle Aneignung mache: "Jetzt diskutieren wir ständig andere Sachen, zum Beispiel kulturelle Aneignung, also Schwule sollen nur noch von Schwulen gespielt werden, Juden nur noch von Juden … Das empfinde ich als völlig kontraproduktiv für meinen Beruf", erklärte die 75-Jährige. "Schauspieler sollen doch in fremde Lebenswelten eintauchen, sich in andere Figuren hineinversetzen. Ich habe das immer als eine Form der Wertschätzung gesehen."
Um das Thema, dass queere Menschen nur von queeren Personen dargestellt werden sollen, hatte es in der Vergangenheit viele Debatten gegeben, meist nicht nur im linken Spektrum, sondern pauschal von queeren Schauspieler*innen. Hintergrund ist etwa, dass queere Menschen oft seltener Hauptrollen erhielten oder ihnen von der Filmindustrie nahegelegt werde, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu verschweigen. Der schwule Schauspieler Daniel Franzese kritisierte etwa 2022, dass Hetero Brendan Fraser eine schwule Hauptrolle erhielt (queer.de berichtete). Zudem, so die Argumentation, gebe es mehr Authentizität, wenn queere Darsteller*innen ihre eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung, Coming-out oder queerer Kultur einbringen könnten. Bei einem Hetero-Schauspieler, der Schwule spielen, bestehe auch die Gefahr, dass die Darstellung klischeehaft, übertrieben oder auf "Effekt" gespielt wirke.
Berben kritisiert bei Linken zu wenig Fokus auf "ureigene Themen", "Genuss-Feindlichkeit" und Antisemitismus
Berbens Kritik in der "Zeit" geäußerte Kritik geht allerdings weit über diese Frage hinaus. Sie sieht etwa bei der politischen Linken eine Mitverantwortung für den Zuwachs der Rechten. "Sie hat wichtige ureigene Themen vernachlässigt wie Wohnungsnot, Ausbildung, Arbeitsplätze, Infrastruktur, Gesundheit und sich stattdessen in Feldern verkämpft, wo ihr die meisten Leute nicht mehr folgen wollten. Viele Menschen sind wütend auf diese Linke", sagte die Schauspielerin, ohne dabei bestimmte Parteien zu nennen.
Obwohl sie sich weiterhin als politisch links bezeichne, hadere auch sie mit "Bevormundung" und "Genuss-Feindlichkeit" in linken Milieus. "Was immer einem Freude macht – ein besonders gutes Essen, eine schöne Reise, ein vielleicht unangebrachter Flirt, von Humor und Lachen gar nicht erst zu reden -, schon erhebt sich ein riesiger moralischer Zeigefinger: No, no, Madame, so nicht", sagte Berben.
Die für ihr gesellschaftspolitisches Engagement bekannte Schauspielerin äußerte sich auch scharf zu Antisemitismus im linken Spektrum: "Die Haltung der linken Szene gegenüber Israel und den Juden war schon immer ein böser Stachel in meinem linksliberalen Herzen." Schon früher hätten sich in dieser Szene eine Menge Antisemit*innen getummelt. "Und jetzt sind sie wieder aus ihren Löchern gekrochen und vermehren sich, leider und absurderweise auf der linken Seite des politischen Spektrums." (dpa/cw)
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