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Teil 4
Unerhörtes und Unbekanntes über Karl Heinrich Ulrichs: Was andere über ihn schrieben
Vor 200 Jahren – am 28. August 1825 – wurde der weltweit erste Schwulenaktivist Karl Heinrich Ulrichs geboren. In der vierten und letzten Folge unserer Serie geht es darum, was andere Autoren über ihn schrieben.
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31. August 2025, 04:43h 31 Min.
In dieser Folge gehe ich auf rund 30 Autoren ein, die sich in unterschiedlicher Form über Ulrichs äußerten. Diese Zusammenstellung halte ich für repräsentativ, auch wenn sie sich vor allem an dem orientiert, was digital verfügbar ist. Die meisten Reaktionen zu Lebzeiten waren ablehnend, mitunter beleidigend und verletzend. Erst posthum wurden seine Schriften wertgeschätzt. Sofern Ulrichs diese Veröffentlichungen kannte und in seinen Schriften kommentierte, gehe ich darauf ein.
Die positiven und negativen Reaktionen auf Ulrichs habe ich in zwei Bereiche gegliedert: diejenigen von Medizinern und die von Nicht-Medizinern. Das zeigt zum einen quantitativ auf, wie stark Ulrichs die Medizin beeinflussen konnte. Zum anderen zeigt dies indirekt auf, wie wenige Juristen sich über Ulrichs äußerten. Der Jurist Ulrichs hat es nicht geschafft, in seine Fachkreise hineinzuwirken. Innerhalb dieser beiden Bereiche habe ich die Beiträge, die einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren erfassen, chronologisch sortiert.
Die Reaktionen von Medizinern
Mit seinen Ideen und Vorstellungen konnte Ulrichs in die medizinische Fachwelt hineinwirken. Damit meine ich jedoch nicht, dass er von Medizinern mit seinen Forschungen willkommen geheißen oder ernst genommen wurde. Für viele Ärzte lieferte er nur eine interessante Fallbeschreibung. Es gab viele Therapeuten, die ihn gerne auf der Couch, und viele Pathologen, die ihn gerne auf ihrem Seziertisch gehabt hätten. Einige der im Folgenden genannten Mediziner (Friedrich Jolly, Albert Moll, Lewin, Benjamin Tarnowsky) wiesen auf Ulrichs' Homosexualität hin, allerdings nicht, um seine Betroffenenkompetenz zu betonen oder um Empathie für seine Situation zu verdeutlichen, sondern sie waren der Ansicht, er solle nur "pro domo" (= in eigener Sache, zum eigenen Nutzen) sprechen und nicht etwa wie ein Mediziner auftreten. So verwiesen sie ihn unterschiedlich deutlich auf seinen Platz und delegitimierten seine Forschungen. Mediziner traten und treten oft mit dem Anspruch wissenschaftlicher Neutralität auf. Es gab aber einige Mediziner, die in anonymen Schriften, statt Beobachtungen mitzuteilen bzw. Argumente auszutauschen, religiös argumentierten bzw. hetzerische Behauptungen veröffentlichten. Für mich sind dies illegitime Veröffentlichungen.
Ulrichs hat manchmal auf Mediziner verwiesen, die ebenfalls eine Entkriminalisierung der Homosexualität forderten. Gleichzeitig betonte er: "Meine wissenschaftlichen Gegner sind meist Irrenärzte. So z. B. Westphal, v. Krafft-Ebing, Stark" (XII: 96). Das wirkt zunächst inkonsequent. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Ulrichs in einer Zeit lebte, in der man sich quasi zwischen Kriminalisierung und Pathologisierung zu entscheiden hatte (wobei es zu Ulrichs' epochalen Leistungen gehört, nicht nur eine Entkriminalisierung, sondern auch eine Entpathologisierung erreichen zu wollen). Seine ambivalente Haltung zu Medizinern ist daher kein Widerspruch, sondern nachvollziehbar und strategisch sinnvoll.
"Dr. F." (1864) und Dr. D. Lissauer (1865)
In der reformpsychiatrisch orientierten Zeitschrift "Der Irrenfreund. Eine psychiatrische Monatsschrift" (1864, Heft 9, S. 141-144; 1865, Heft 4, S. 63-64) erschienen unter dem Titel "Anthropologische Studien über mannmännliche Geschlechtsliebe" zwei Rezensionen von einem "Dr. F." (1864) und einem Dr. D. Lissauer (1865) über Ulrichs' zweite Schrift "Inclusa", die noch unter seinem Pseudonym "Numa Numantius" erschienen war.
Unter der Überschrift "'Ist diese Krankheit heilbar?' Zwei Irrenärzte kommentieren Karl Heinrich Ulrichs" hat Günter Dworek diese beiden Rezensionen in der schwulen Geschichtszeitschrift "Capri" (1990, Heft 2, S. 42-46, als Online-PDF S. 342-346) sehr gut kommentiert und anschließend wiederabgedruckt. Weil Ulrichs diese Besprechungen nicht erwähnt, geht Dworek davon aus, dass sie ihm nicht bekannt waren. Es ist ersichtlich, dass beide Ärzte in Ulrichs nur einen Kranken und potenziellen Patienten sahen. Durch diese "arrogant selektive Rezeptionsmethode" (Dworek) werden Ulrichs' Berichte zwar mit Interesse wahrgenommen, aber eben nur als Fallbeschreibungen. Für "Dr. F." sind Ulrichs' Argumente für die Naturhaftigkeit der mannmännlichen Liebe nur "ungehörige Betrachtungen, Citate, Anecdoten, Herzensergießungen" (S. 141). Die Überschrift des Dworek-Aufsatzes "Ist diese Krankheit heilbar?" ist ebenfalls ein Zitat von "Dr. F." (S. 144).
"N. N." (1869)
Unter der Überschrift "Memnon" wurde Ulrichs' gleichnamige siebte Schrift in der "Wiener Medicinischen Presse" (3. Januar 1869, Spalte 19-22) in ungewöhnlich scharfen Worten und illegitimer Form verrissen. Mit Bezug auf Ulrichs ist die Rede von "geistig-sittlicher Verirrung", die "an Unzurechnungsfähigkeit streift". Es ist zwar richtig, dass Ulrichs in dieser Schrift dezent auf Analverkehr verwies (VI: 38). Er hat den Darm aber nicht – wie es der Rezensent angibt – als einen "Tempel der Natur" bezeichnet. Die Rezension endet mit einem vielsagenden "Pfui!". Es wundert mich nicht, dass Menschen so denken, aber schon, dass eine medizinische Fachzeitschrift diesen anonymen Beitrag für eine Veröffentlichung zuließ.
Über diese Besprechung war Ulrichs (VIII: 33-35) zu Recht empört. Er war klug genug, die Rezension nicht selbst zu kommentieren, sondern den Philosophen J. Hornung zu zitieren, der ihm in einem Brief vom 23. Februar 1869 mitgeteilt hatte: In der "Wiener Medicinischen Presse" habe er "eine wirkliche Kritik Ihres 'Memnon' erwartet, fand aber ein unwürdiges Machwerk, das mit einer Kritik nichts als den Namen gemein hat".
Carl Westphal (1869)
Auf den Aufsatz des Psychiaters und Neurologen Carl Westphal (1833-1890) "Die conträre Sexualempfindung" (in: "Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten", Jg. 1869, S. 73-108, hier S. 92-94) als eine der medizinischen Grundlagen für Ulrichs' Theorie bin ich bereits in der ersten Folge eingegangen. Hier findet sich auch eine Äußerung über Ulrichs. Westphal kannte zu diesem Zeitpunkt nur Ulrichs' zweite Schrift, die für ihn zu den Aufzeichnungen von Männern gehörte, die sich als Frauen fühlen und deren Neigung sich auf das männliche Geschlecht richtet. Diese Selbstschilderungen stimmten nach Westphals Auffassung mit denen von Patienten überein. Als Beleg dafür zitiert er Ulrichs (s. II: S. 12-23). Ulrichs ist auch für Westphal nicht mehr als ein interessanter Fall und potenzieller Patient. Ulrichs erwähnt nur am Rande, dass Westphal auf seine Schrift einging (XII: 92).
Friedrich Loeffler (1872/1878)
Der Königliche Kreis-Physicus (Kreisarzt) Dr. Friedrich Berthold Loeffler wird in seinem Buch "Das preussische Physikatsexamen" (4. Auflage 1878, S. 219-222, hier S. 220-222) recht ausfallend: Die "Päderastie ist von jeher als das schändlichste, widernatürlichste Laster angesehen worden". Loeffler nimmt an, dass Ulrichs "nicht im Vollbesitz seiner Vernunft" und von einer "fixen Idee besessen" sei. Ulrichs gehe sogar so weit, die Straffreiheit und "die kirchliche Trauung zweier Männer zu fordern".
Erst zwei Jahrzehnte später gab es eine Schwulenbewegung, die auf solche Beiträge adäquat reagierte. Im "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" wird Loefflers Text zunächst nur kurz als "(h)eftige Polemik gegen Ulrichs" bezeichnet (1901, S. 492). Vier Jahre später werden Loefflers Äußerungen ins Positive gedreht: "Angesichts dieser Sätze erkennt man erst, welche gewaltige Wandlung in den Anschauungen über die Homosexualität bei den Ärzten sich seither vollzogen hat und welcher Fortschritt in der Aufklärung (…) seit jenen noch nicht fernen Zeiten zu verzeichnen ist" (1905, S. 817). Ich habe oben die vierte Auflage verlinkt, weil auch das Jahrbuch sich auf diese Auflage bezog. In der zweiten Auflage (1865, S. 198-199) geht Loeffler noch nicht auf Ulrichs ein. In der dritten Auflage (1872, S. 224-228) ist die Passage über Ulrichs mit der entsprechenden Stelle in der vierten Auflage identisch.
Richard von Krafft-Ebing (1877/1886)
Auf die Verbindung zwischen Ulrichs und dem Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing (1840-1902) bin ich bereits in der ersten Folge eingegangen. Richard von Krafft-Ebing hatte sich in seinem Beitrag "Über gewisse Anomalien des Geschlechtstriebs …" (in: "Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten", 1877, S. 291-312, hier S. 305-306) auch über Ulrichs geäußert: "Mitte der 60er Jahre trat ein gewisser Assessor Ulrichs, mit diesem perversen Trieb behaftet, auf und behauptete, das geschlechtliche Seelenleben sei nicht an das körperliche Geschlecht gebunden, es gebe männliche Individuen, die sich als Weib dem Manne gegenüber fühlen (…). Er nennt sie Urninge und verlangt nichts Geringeres als die Anerkennung der urnischen Geschlechtsliebe als einer angeborenen und damit berechtigten, sowie die Gestattung der Ehe zwischen Urningen! Der Verfasser verschiedener dahin abzielender Brochuren bleibt nur den Beweis dafür schuldig, dass (es) eine angeborene Erscheinung" und keine pathologische sei.
Krafft-Ebings bekanntestes Werk ist die "Psychopathia sexualis" (1. Auflage 1886, hier 13. Auflage 1907, S. 253), die durch zahlreiche, ständig erweiterte Neuauflagen zum Standardwerk der Sexualpathologie des 19. Jahrhunderts wurde. Die oben genannte Textpassage über Ulrichs ist nahezu wortgleich in jeder Ausgabe dieses Werkes enthalten.
Dr. Stark (1877)
In seinem publizierten Vortrag "Ueber conträre Sexualempfindung" (in: "Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie", 1877, S. 209-216) kommt der Mediziner Dr. Stark zu Beginn auf den "an der fraglichen Erscheinung leidenden Juristen" Ulrichs zu sprechen, der auch "die rechtlich gültige und kirchliche (…) Ehe zwischen Personen männlichen Geschlechts" fordere. Ulrichs, so Stark, "wehrt sich sehr energisch dagegen, dass die conträre Sexualempfindung als krankhafter Zustand aufgefasst wird" (S. 212-213). Für den Ulrichs-Biographen Hubert Kennedy ("Karl Heinrich Ulrichs. Leben und Werk", 2. Auflage 2001, S. 296-298) sind Dr. Starks Äußerungen ein Beispiel dafür, wie Ulrichs frühe Schriften zwar von Psychiatern und Gerichtsmedizinern erwähnt, aber "meist als unwissenschaftlich beiseite geschoben wurden".
Wolfgang Bernhardi (1882)
Wolfgang Bernhardi, der sich selbst als Arzt mit eigener Praxis und als Redakteur einer Zeitschrift vorstellt, betont in seiner Schrift "Der Uranismus. Lösung eines mehrtausendjährigen Rätsels" (1882, S. 3, 12-20), dass sich Ulrichs mehrfach lobend auf ihn bezogen habe. Das ist nicht richtig, wie auch andere seiner Behauptungen. Nach Bernhardis Ansicht verdienten Ulrichs' Schriften eine größere Beachtung, weil sich Ulrichs "selbst offen für einen Päderasten erklärt. (…) auf einen wissenschaftlichen Werth haben seine Ausführungen kaum Anspruch. Das er pro domo spricht, ist freilich kein Vorwurf, (aber) er verfällt in Extreme", weil er schließlich auch die "kirchliche Trauung" von Homosexuellen verlange.
Trotz Bernhardis Forderung nach Straffreiheit ging die später gegründete Homosexuellenbewegung deutlich auf Distanz zu ihm, u. a. wegen seiner Bezeichnung von Homosexuellen als "Mißgeburt" (s. Magnus Hirschfeld: "Die Homosexualität des Mannes und des Weibes", 1914, S. 350, s. a. S. 126, und "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen", 1906, S. 126).
Benjamin Tarnowsky (1886)
Der in St. Petersburg arbeitende Syphilis-Experte Benjamin Tarnowsky (1838-1907) gehörte mit seiner Monographie "Die krankhaften Erscheinungen des Geschlechtssinns" (1886, S. 14) zu den frühen Sexualwissenschaftlern. Tarnowsky schreibt, Ulrichs habe "eine ganze Reihe von Abhandlungen verfasst (…), die zwar sehr interessant sind als ausführliche Beichte eines psychopathischen Subjects, doch zugleich verworren und in die Länge gezogen, wie die meisten solcher Werke". Damit meint er offenbar Literatur von Homosexuellen, die er damit zu diskreditieren versucht.
Dr. Lewin (1891)
Lewin, ein nicht näher bekannter Gefängnisarzt aus Berlin-Moabit, veröffentlichte seinen Aufsatz "Ueber perverse und conträre Sexual-Empfindungen" im "Neurologischen Centralblatt" (1891, S. 546-552, hier 547). Lewin verwies darauf, dass Ulrichs "die Geschlechtsnatur des mannliebenden Urnings als eine 'berechtigte Eigenthümlichkeit'" verteidigte. "Herr Ulrichs ist, wie er selbst sich rühmt, Päderast und man könnte ihn pro domo" sprechen lassen. Er – Lewin – widerspreche Ulrichs jedoch, weil er dessen Überzeugung nicht teile, dass die Ursache von Homosexualität eindeutig bestimmbar sei.
Albert Moll (1891)
Der Arzt, Psychiater und Sexualwissenschaftler Albert Moll (1862-1939) gehörte mit seinen Kontrahenten Iwan Bloch und Magnus Hirschfeld zu den Begründern der modernen Sexualwissenschaft. Sein Buch "Die konträre Sexualempfindung" (Erstausgabe 1891, hier 2. Auflage 1893, S. 47-48, gleichlautend 3. Auflage 1899, S. 85-86) erschien zwar noch zu Lebzeiten Ulrichs', aber schon zu einer Zeit, als Ulrichs nicht mehr schwulenpolitisch aktiv war. Moll findet Ulrichs' Schriften "bemerkenswert", aber in seinen "Schlussfolgerungen ging er zweifellos viel zu weit", weil er sogar die "Ehe zwischen Männern" verlange. Moll behauptet, dass Ulrichs mehr erreicht hätte, wenn er seine Ansichten nicht so "leidenschaftlich" vorgetragen hätte. Weil Ulrichs selbst homosexuell sei, "hat er sich häufig zu einem Ton in seinen Arbeiten hinreissen lassen, der ihre wissenschaftliche Anerkennung bei andern verhindern musste". Wenn Moll in seinem Buch "Untersuchungen über die Libido sexualis" (1897, S. 311) die bisherigen Veröffentlichungen über Homosexualität zusammenfasst und betont: "Vor allem ist hier Ulrichs zu nennen", scheint zwischen den Zeilen trotzdem auch ein klein wenig Respekt vor diesem Pionier durchzuschimmern.
Karl Capellmann (1895)
Der Sanitätsrat Dr. Karl Capellmann (1842-1898) ist der Verfasser von "Pastoral-Medicin" (10. Auflage 1895, S. 90-91), das sich an strenggläubige katholische Ärzte richtet und versucht, die medizinische Praxis in Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche zu bringen. Seine Abneigung gegen Ulrichs kann er nicht verbergen: Capellmann schreibt, Ulrichs habe als Erster die Forderung erhoben, "dieses Laster als völlig erlaubt und berechtigt auch im Leben und in der Gesetzgebung anzuerkennen". Dann zitiert er Ulrichs mit seiner Angabe, dass es in Deutschland wohl 25.000 Urninge gebe. Wenn das wahr sei, so Capellmann weiter, "ist es entsetzlich, denn wieviele Opfer ihrer viehischen Lust werden diese Vampyre zu Grund richten". Für ihn sind Homosexuelle "nervenkranke Menschen" und die Forderung nach Legalisierung bezeichnet er als "Humanitätsdusel".
Albert von Schrenck-Notzing (1898)
Der Mediziner und Pionier der Psychotherapie Albert von Schrenck-Notzing (1862-1929) ist in seinem Beitrag "Literaturzusammenstellung über die Psychologie und Psychopathologie der vita sexualis" (in: "Zeitschrift für Hypnotismus, Psychotherapie sowie andere psychophysiologische und psychopathologische Forschungen", 1898, S. 126-128) voll des Lobes für Ulrichs. Er habe das "Verdienst, die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf das Problem der mann-männlichen Liebe gelenkt und damit auch die wissenschaftliche Discussion darüber angeregt zu haben. (…) Mit einem für damalige Verhältnisse unerhörtem Muth unternahm dieser selbst conträr sexual empfindende Autor (…) die Rechtfertigung und Ehrenerklärung der Homosexualität". Weil Beschlagnahmungen seiner Schriften von Gerichten aufgehoben worden seien, "erreichte er die Zulässigkeit der wissenschaftlichen Discussion dieser Frage".
Es ist ein Lob, das umso bemerkenswerter ist, als dass Schrenck-Notzing in anderen Veröffentlichungen Homosexualität pathologisierte und empfahl, sie durch "Suggestionstherapie" (Hypnose) zu "heilen". (S. Albert von Schrenck-Notzing: "Die Suggestions-Therapie bei krankhaften Erscheinungen des Geschlechtssinnes mit besonderer Berücksichtigung der conträren Sexualempfindung", 1892).
Iwan Bloch (1902/1919)
Der Mediziner und Sexualforscher Iwan Bloch (1872-1922) schrieb in seinem Buch "Beiträge zur Aetiologie der Psychopathia sexualis" (1902, S. 198): "Ulrichs' Schriften, die von obszönen Details wimmeln, sind in den Händen aller Urninge." Ohne Blochs Namen zu nennen, entgegnete Magnus Hirschfeld ("Die Homosexualität des Mannes und des Weibes", 1914, S. 338): "Es ist auch eine völlig irrige Annahme, daß sich die Schriften von Ulrichs 'in den Händen aller Urninge' befinden. Wie wohl wäre Ulrichs gewesen, wenn auch nur der hundertste Teil dieser Behauptung entspräche, dem armen Ulrichs, der sich noch wenige Jahre vor seinem Tode bitter darüber beklagte, daß die Schriften, die er auf eigene Kosten drucken ließ, ihn 'an den Bettelstab' gebracht hätten." Später scheint Bloch eine positivere Meinung über Ulrichs angenommen zu haben. In seinem Hauptwerk "Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur" (1919, S. 533-534) geht er auf die "zahlreiche interessante Angaben enthaltenen Schriften des ersten deutschen Forschers über Homosexualität" ein, die "dem Nachweis der angeborenen Natur der Homosexualität gewidmet" seien.

Die drei Mediziner Carl Westphal, Richard von Krafft-Ebing und Iwan Bloch
Georg Merzbach (1902/1909)
Der Arzt und Autor Georg Merzbach (1868-1941) engagierte sich vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin in der frühen Homosexuellenbewegung rund um das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK). Es war daher erwartbar, dass er sich positiv über Ulrichs äußerte. In seinem Aufsatz "Homosexualität und Beruf" (in: "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen", 1902, S. 187-192, hier S. 187) schrieb er: "40 Jahre sind vergangen, seitdem Karl Ulrichs, der Märtyrer der Homosexualität, sich laut und offen vor aller Welt in seiner Eigenart bekannte, als er, verhöhnt und verkannt, gemieden und geächtet von der großen Welt, (seinen) Leidensgenossen (…) den Weg zu einer Verbesserung ihres (…) Daseins zeigte."
Sieben Jahre später betonte er in seinem Buch "Die krankhaften Erscheinungen des Geschlechtssinnes" (1909, S. 385-386), dass mit Ulrichs "eine neue Ära in der Betrachtung und in der Erkenntnis der Konträrsexualität" begonnen habe. Ulrichs' "aufklärende Arbeiten waren für die breitere Öffentlichkeit bestimmt". Dies ist sachlich richtig und kann aus der Sicht eines Mediziners vielleicht auch eine dezente Kritik daran sein, dass Ulrichs die Homosexualität "unwissenschaftlich" und recht populär behandelte.
Friedrich Jolly (1903)
Der Mediziner und Psychiater Friedrich Jolly (1844-1904) war ab 1890 Nachfolger von Carl Friedrich Otto Westphal als Direktor der psychiatrischen Klinik der Berliner Charité. In seinem Aufsatz "Perverser Sexualtrieb und Sittlichkeitsverbrechen" (in: "Klinisches Jahrbuch", 1903, S. 199-216) betont er, dass sich für die Theorie des Angeborenseins der Homosexualität auch der Nichtmediziner Ulrichs ausgesprochen habe, "der die mit dieser eigentümlichen Perversität behafteten Individuen als Urninge bezeichnet und der annahm, dass es sich hier nicht um eine pathologische Erscheinung, sondern um eine physiologische Varietät" handele (S. 212). Die zu dieser Zeit diskutierten Theorien über die Ursache von Homosexualität – auch die von Ulrichs – sieht er jedoch als falsch an (S. 214).
Die Reaktionen von Nicht-Medizinern
Die meisten der positiven Veröffentlichungen über Ulrichs erschienen erst posthum im Kontext der ersten Homosexuellenbewegung, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts gründete und vor allem von zwei Protagonisten angeführt wurde: Da gab es zum einen Adolf Brand (1874-1945), dessen Zeitschrift "Der Eigene" – spätestens mit dem 3. Jahrgang von 1898 – als erste Homosexuellenzeitschrift der Welt bezeichnet werden kann. Zum anderen gab es Magnus Hirschfeld (1868-1935), der 1897 das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) und damit die erste Interessenvertretung Homosexueller mitbegründete und ab 1899 das "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" herausgab. Zwischen Brand und Hirschfeld gab es Unterschiede. Während Adolf Brand einer frauenfeindlichen Männlichkeits-Ideologie folgte, setzte sich das WhK für alle "sexuellen Zwischenstufen" einschließlich Lesben ein. Ulrichs stand mit seiner Theorie von einer weiblichen Seele in einem männlichen Körper (und umgekehrt) Hirschfelds Ideen wesentlich näher als denen von Brand, was auch an den jeweils unterschiedlichen Reaktionen auf Ulrichs erkennbar ist.
Karl Maria Kertbeny (1864/1868)
Karl Maria Kertbeny (1824-1882) war ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller und früher Homosexuellenaktivist. In seinem Buch "Erinnerungen an Charles Sealsfield" (1864, S. 74) suchte Kertbeny nach den Ursachen der "Maskierung" des Schriftstellers Charles Sealsfield (eigentlich: Carl Anton Postl; 1793-1864) und schrieb, dass diese ins Gebiet von "Sitte und Sittlichkeit und Numa Numa(n)tius'scher Thesen" gehöre. Mit dieser unklaren Formulierung "wollte Kertbeny offenbar zum Ausdruck bringen, das Sealsfield homosexuell sei" (Kennedy, S. 248-249). Diese Erwähnung führte offenbar dazu, dass sich Ulrichs und Kertbeny 1864 oder 1865 kennenlernten. Für Ulrichs (IV: VIII-IX) war der Satz in Kertbenys Buch die erste Erwähnung seiner Schriften in einer gedruckten Publikation. Er und Kertbeny schrieben sich mehr als 20 Briefe, von denen jedoch keiner mehr erhalten ist.
In dem Beitrag "Ein Brief von Kertbeny in Hannover an Ulrichs in Würzburg" (in: "Capri", 1987, Heft 1, S. 25-35, als PDF S. 45-55) stellt Manfred Herzer einen Briefentwurf von 1868 vor (einschließlich Reproduktion und Transkription). Inhaltlich geht es um die Frage, ob es zielführend sei, den Kampf gegen strafrechtliche Bestimmungen mit dem Argument des Angeborenseins der Homosexualität zu führen, was Kertbeny wohl für richtig, aber für "taktisch-politisch unzweckmäßig" hielt. Manfred Herzer bezeichnet den Entwurf als gehaltvoll und – wegen des Fehlens weiterer Briefe – als "das vielleicht einzige heute überhaupt noch vorhandene ausführlichere Dokument der Beziehung zwischen den beiden Schriftstellern".
Kertbeny betonte mehrfach, wie u.a. in diesem Briefentwurf, dass er an der Frage der Homosexualität kein persönliches Interesse habe (= nicht selber schwul sei). Zweifel daran äußerte schon Manfred Herzer (Einleitung in Karl Maria Kertbeny: "Schriften zur Homosexualitätsforschung", 2000, S. 25-27), später auch Dino Heicker in einem Aufsatz in "Forum Homosexualität und Literatur" (Nr. 49, 2007, vor allem S. 85). Die ungarische Historikerin Judit Takács publizierte zu Kertbenys Tagebüchern ihren Aufsatz "The Double Life of Kertbeny" (In: "Past and Present of Radical Sexual Politics". 2004. S. 26-40, insb. S. 31 ff.), womit es als bewiesen gelten kann, dass Kertbeny Männer zumindest begehrte. Auch auf Kertbenys Bekanntschaft mit Ulrichs geht Takács ein.
Alois Geigel (1867/1869)
Ulrichs' schärfster öffentlicher Gegner war der Arzt Alois Geigel (1829-1887), der seit 1870 Professor für Poliklinik und Hygiene in Würzburg war. Schon in seinem Buch "Geschichte, Pathologie und Therapie der Syphilis" (1867, S. 53-54) geht er mit drei Sätzen auf Ulrichs' Schriften ein, die "uns belehren sollen", dass Homosexualität angeboren und nicht strafwürdig sei, als wenn – so Geigel – "nicht die Erfahrung zeigte, dass die Päderastie (…) stets nur aus dem Uebermass jeglicher Excesse" entsprungen sei.
Mit "Das Paradoxon der Venus Urania" (1869) gab er anonym eine Broschüre heraus, die sich vor allem gegen Ulrichs richtete. (Mit dem Untertitel: "Geschrieben für Ärzte, Juristen, Geistliche und Erzieher, dann für Freunde der Anthropologie und Psychologie" stellt sie keine medizinische Schrift dar). Geigels Text ist fast durchgehend unsachlich und unflätig: Ulrichs hätte "im Jahre 2000 geboren werden sollen, wo man vielleicht so vorgeschritten sein wird, um urnische (= homosexuelle) Ehen einzusegnen" (S. 14). Die Schrift endet mit einem Aufruf an Ulrichs: "Verschwinden Sie! Kaufen Sie sich gefälligst mit Ihren 25000 Urningen am Nordpol an, aber verschonen Sie gütigst unsere deutsche Erde mit Ihrer Gegenwart" (S. 34). Bereits die Werbeanzeigen für Geigels Schrift ("Kölnische Zeitung", 6. Februar 1869) versprachen eine "zermalmende Kritik". Diese Formulierung griff Ulrichs auf (VIII: 29-30), er reagierte aber insgesamt erstaunlich gelassen: "Geigel glaubt mich zu widerlegen" (VIII: 91). An Geigels früherer Veröffentlichung von 1867 kritisiert er dessen "Schmähungen" der antiken Literatur (X: 50), ohne dabei zu erwähnen, dass auch er selbst Opfer von Geigels Schmähungen geworden war.

Werbung in der "Kölnischen Zeitung", die eine "zermalmende Kritik" verspricht
Klaus Müller ("Aber in meinem Herzen sprach eine Stimme so laut", 1991, S. 131-132) verweist auf Geigels polemischen Ton und darauf, dass dieser sich gar nicht mit Ulrichs' Theorien auseinandersetzte, sondern diese nur als "frevelhafteste Tollkühnheit", "grenzenlose Schamlosigkeit" und "lächerlichen Wahnwitz" bezeichnete (S. 10). Für Kennedy (S. 211-213) sind einige Bemerkungen Geigels "durchaus zutreffend", aber im "ganzen gesehen, ist Geigels Angriff auf Ulrichs (…) unflätig". Er sei voll von Beschimpfungen, von Klischees und übertriebenen Ausdrücken".
"Allgemeine Zeitung" (1868)
Von der Redaktion der in Augsburg erscheinenden, damals überregional bedeutenden "Allgemeinen Zeitung" (23. August 1868, S. 3584, unter "Augsburg") wurden Ulrichs' Schriften als "hirnverbrannte Schmutzliteratur" bezeichnet, für die man sich nicht interessiere und die man auch nicht mehr zugeschickt bekommen wolle. Die Redaktion war sich sicher, dass die Gesetzgebung christlicher Staaten gegen diese "Emancipationszumuthung" fest bleiben werde. Ulrichs pflegte im Rahmen seiner Emanzipationstätigkeit seine Schriften u. a. an Zeitungsredaktionen zu verschicken und hatte auch der "Allgemeinen Zeitung" einige seiner Schriften zukommen lassen.
"Die Sinnenlust und ihre Opfer" (1869)
In dem Buch "Die Sinnenlust und ihre Opfer. Geschichte der Prostitution aller Zeiten und Völker" (1869) geht der anonyme Autor in dem Kapitel über "Die männliche Prostitution" (S. 235-237, hier S. 236) auch auf Ulrichs ein, der von ihm als der "eifrigste Verfechter dieses Lasters" (der Homosexualität) bezeichnet wird. Nach Ansicht des Autors verteidige Ulrichs die Männerliebe mit "einer Wärme und einem Eifer (…), der einer besseren Sache würdig wäre". Weil Ulrichs in einer seiner Schriften (IX: 153) um die Vermittlung von Adressen in Hamburg bzw. Köln gebeten hatte, um zwei Männer in dortige "Urningskreise" einzuführen, wird er in diesem Buch als Kuppler für Prostitution bezeichnet. Ulrichs bekam die drei relevanten Seiten dieses Buches zugeschickt und ging in seiner nächsten Schrift ruhig und sachlich auf diesen Vorwurf ein (X: 26-27).
Ein Jahr später erschien ebenfalls anonym das Buch "Norddeutsches Babel" (1870), das laut Untertitel die Berliner Prostitution fokussiert und in dem Kapitel "Die männliche Prostitution" (S. 77-79, hier 78) den gleichen Text über Ulrichs bietet.
Friedrich Engels in einem Brief an Karl Marx (1869)
Friedrich Engels (1820-1895) war zusammen mit Karl Marx (1818-1883) der einflussreichste Theoretiker des Sozialismus und des Kommunismus. In einem Brief vom 22. Juni 1869 an seinen Freund Karl Marx ging Friedrich Engels auf Ulrichs und eine seiner Schriften ein. Engels: "Das ist ja ein ganz kurioser 'Urning', den Du mir da geschickt hast. Das sind ja äußerst widernatürliche Enthüllungen. Die Päderasten fangen an sich zu zählen und finden, daß sie eine Macht im Staate bilden. Nur die Organisation fehlte, aber hiernach scheint sie bereits im geheimen zu bestehen." Engels' Formulierungen sind homophob und überheblich. In meinem Artikel "Krieg den Fotzen, Friede den Arschlöchern" bin ich hier auf queer.de bereits ausführlich auf diesen Brief eingegangen.
Die Zeitung "Die Presse" (1870)
Auf einen Autor in der Wiener Zeitung "Die Presse" (14. Juli 1870, S. 9-10) mit den Initialen G. W. machte Ulrichs "den Eindruck eines in einer fixen Idee Befangenen", der mit seinem Einfluss auf andere wie ein wunderlicher Heiliger wirke. G. W. äußert die (ironische) Befürchtung, dass demnächst sogar "Lehrstühle für die wissenschaftliche Behandlung" der Homosexualität gefordert werden könnten.
Roderich Hellmann (1878)
In seinem Buch "Über Geschlechtsfreiheit" (1878, S. 91, 167-168) verteidigt der Autor Roderich Hellmann ausdrücklich auch die Geschlechtsfreiheit der Homosexuellen. Dabei verweist er mehrfach wertneutral auf die ersten Schriften Ulrichs', die unter seinem Pseudonym Numa Numantius erschienen waren.
Ulrichs (XII: 94) geht nicht auf die Nennung seines Namens ein, verteidigt aber den Inhalt des Buches, als sich der Autor im Januar 1879 in einer Gerichtsverhandlung dafür verteidigen musste. (Über das Urteil liegen keine Angaben vor.) Kennedy (S. 306-307) hebt hervor, dass sich Hellmann auf S. 179 auch über Sperma äußert: Es sei "keineswegs unangenehmen Geschmackes" und rieche wie frisch geschnittene Schneidebohnen bzw. wie die "Blüthe der zarten Kastanie".
Dr. med. van Erkelens (1895)
Von Dr. med. van Erkelens, über den keine weiteren Angaben bekannt sind, stammt die 23-seitige Emanzipationsschrift "Strafgesetz und widernatürliche Unzucht" (1895, S. 20). Erkelens betont: "(…) wie Niemand in Deutschland mehr daran denken wird, einen Ketzer oder eine Hexe zu verbrennen, so wird auch den Männern unsterbliches Verdienst gebühren, die ohne Furcht und oft mit Dransetzung ihres eigenen Ichs, wie jener Assessor Ulrichs, dafür gearbeitet haben, dass auch den Urningen ihr natürliches Recht wird, in ihren vier Wänden so zu leben, wie es die Natur ihnen gebietet".
"Ludwig Frey" (1896)
Die Identität des pseudonymen Kulturhistorikers Ludwig Frey ist bis heute ungeklärt. In seinem Buch "Der Eros und die Kunst. Ethische Studien" (1896, S. 311-317; s. a. S. 314 und 353) schrieb er über Ulrichs: Er habe den "unerhört schwierigen Kampf gegen die öffentliche Meinung auf(genommen); er nahm ihn auf aus reiner Überzeugungstreue". In kurzen Abständen habe er seine Verteidigungsschriften herausgebracht, auch wenn "diese opfermutigen Versuche" keine unmittelbare Wirkung gehabt hätten und von juristischer Seite unbeachtet geblieben seien. Die (Hetz-)Schrift "Das Paradoxon der Venus Urania" sei "typisch für die Haltung" gegenüber Ulrichs in der "Gelehrtenwelt".
Otto Henne am Rhyn (1897)
Der Schweizer Historiker und Archivar Otto Henne am Rhyn (1828-1914) veränderte mit den Jahren seine zunächst recht positive Einstellung zu Ulrichs. In zwei Briefen vom 17. und 23. Februar 1870 war er zunächst Feuer und Flamme für seine Ideen und bot Ulrichs sogar an, etwas für die Sache zu tun: "Mit solcher Begeisterung, wie Sie, kann man nicht einer schlechten Sache das Wort reden" (XI: 14, 33). Zwei Jahre später hört sich das, was er in seiner "Kulturgeschichte der neuesten Zeit" (1872, 3. Band seiner "Kulturgeschichte", S. 149-154) über Ulrichs schrieb, reservierter an: Ulrichs mache sich zum Anwalt der Menschen, die "mehr nach ihren Ausschreitungen als nach ihrem eigentlichen Wesen" bekannt seien. Allein die Vorstellung gegenseitiger Masturbation sei für ihn und "für die normalen Menschen eklich genug, aber doch lange nicht so abstoßend (…), wie das andere" (Analverkehr). Henne am Rhyn erkennt an, dass viele Urninge Opfer der Strafverfolgung und der sozialen Ächtung geworden seien, aber: "Vollkommen träumerisch und unausführbar erscheint dagegen Ulrichs' abenteuerlicher Vorschlag zur Gestattung urnischer Ehen (!)."
Weitere 25 Jahre später – Ulrichs war mittlerweile verstorben – wechselte der Tonfall in seiner "Kulturgeschichte der jüngsten Zeit" (1897, 7. Band seiner "Kulturgeschichte", S. 200-202) erneut. Mit Bezug auf Ulrichs' Schriften schrieb er von "pikanten Enthüllungen, verbunden mit einer originellen Theorie der sexuellen Empfindungen. (…) Die Ulrichs'sche Theorie hatte wol außerhalb dieses Kreises pervers liebender Menschen wenig oder keinen Anklang gefunden und durfte um 1880 bis 1886 als vergessen betrachtet werden." Dann verwies er auf Krafft-Ebing, von dem er wohl auch den pathologischen Blick auf Homosexuelle übernommen hatte. Zumindest seiner Einstellung zur Forderung nach Straffreiheit blieb Henne am Rhyn aber in all den Jahren treu.

Karl Maria Kertbeny und Otto Henne am Rhyn
Max Kaufmann (1899)
Der Privatgelehrte Max Kaufmann, der um 1900 mit mehreren Publikationen zum Thema Homosexualität in Erscheinung trat, wies in seinem Artikel "Heine und Platen – eine Revision ihrer literarischen Prozeßakten" (in: "Zürcher Diskußionen", 1899, Nr. 16/17, S. 3, s. a. S. 9) darauf hin, dass Ulrichs' Schriften "großes Aufsehen erregten und zum großen Teil konfisziert wurden". Seine zwölf Urnings-Schriften "sind heute noch weitaus das Beste, rein-menschlich Liebenswürdigste und wißenschaftlich Tüchtigste, was über den Gegenstand je geschrieben wurde". Thema des Artikels war die "Platen-Affäre" von 1827, also die öffentliche Auseinandersetzung zwischen zwei Dichtern. August Graf von Platen hatte Heinrich Heine wegen seines Judentums angegriffen, Heine wiederum Platen wegen seiner Homosexualität.
"Der Eigene" (1899/1903)
Wie schon in der zweiten Folge erwähnt, fand der Homosexuellen-Aktivist Adolf Brand Ulrichs' Novelle "Manor" offenbar sehr gut und druckte sie u. a. in seiner Homosexuellenzeitschrift "Der Eigene" (1903, S. 272-280) erneut ab. In dieser Zeitschrift scheint es – von einer bibliographischen Erwähnung seiner Schriften einmal abgesehen (1898, S. 103) – nur einen relevanten Beitrag über Ulrichs gegeben zu haben, und zwar eine weitgehend positive Rezension seiner ersten sechs Schriften (1899, S. 26-27): Es seien "höchst lehrreiche und verdienstvolle" Schriften, "reich an interessantem Material". Der Autor dieser Rezension war der Künstler, Dichter und Übersetzer Elisàr von Kupffer (1872-1942), der heute vor allem deshalb bekannt ist, weil er unter dem Titel "Lieblingminne und Freundesliebe in der Weltliteratur" (1900, Reprint 1995) die erste homosexuelle Anthologie der Welt veröffentlichte. In "Der Eigene" gab es weder eine breite Rezeption noch eine Begeisterung für Ulrichs, was vermutlich an Ulrichs' Männlichkeitsbild lag – ganz im Gegenteil zur Rezeption bei Magnus Hirschfeld und im WhK.
Magnus Hirschfeld (1914)
Magnus Hirschfeld ließ Ulrichs' zwölf Schriften über die mannmännliche Liebe (aus sexuellen und politischen Gründen stark zensiert) in zweiter Auflage nachdrucken. In seinem Hauptwerk "Die Homosexualität des Mannes und des Weibes" (1914, vor allem S. 954-967) geht Hirschfeld auf rund 100 Seiten auf Ulrichs ein. Es geht um seine Beobachtungen an anderen Urningen, seine Forschungen und Hypothesen, aber auch darum, welche Beobachtungen Ulrichs an sich selbst gemacht hatte. Magnus Hirschfeld nimmt Ulrichs auch als Forscher ernst und stellt ihn mit Medizinern auf eine Stufe. Überzeugend finde ich Hirschfeld auch dann, wenn er Ulrichs' Meinung nicht zustimmt oder betont, dass dessen Hypothesen einer Nachprüfung nicht standhielten (S. 156, 273, 277). Auf 14 Seiten stellt er ausführlich sein Leben und Werk vor: Mit "wahrhafter Bewunderung" erkennt er "seinen ungewöhnlichen Fleiß" an, mit dem Ulrichs "nicht allein vom juristischen, sondern auch vom naturwissenschaftlich-medizinischen, theologischen und philosophischen Standpunkte seinen Gegenstand erfaßte".
Das "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" (1899-1906)
Im "Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen" wird mehr als 130-mal auf Ulrichs Bezug genommen (s. "Prolegomena zu Magnus Hirschfelds Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen", hg. von Jens Dobler, 2004, S. 351). Er wird oft zitiert, erwähnt und dabei sein Name meistens als bekannt vorausgesetzt. Vor allem durch die vier im Jahrbuch abgedruckten Briefe von Ulrichs an seine Verwandten (1899, S. 36-70) lässt sich über ihn auch viel Neues erfahren. Als Magnus Hirschfeld am 15. August 1905 eine Rede hielt, um den Jahresbericht des WhK für 1904-1905 vorzustellen, ging er am Rande auch auf Ulrichs ein (1905, S. 999-1000). Auf einige Beiträge über Ulrichs, wie den Eintrag in "Meyers Konversationslexikon" oder die Aufsätze von Friedrich Loeffler und Georg Merzbach, wurde ich erst durch das Jahrbuch aufmerksam.
Einige Jahrbuch-Beiträge zeigen auf, wie das, was Ulrichs im Alleingang an Arbeit angefangen hatte, nun von der ersten Homosexuellenbewegung aufgegriffen und fortgeführt wurde, wozu vor allem die Petitionen zur Legalisierung gehörten. Es gibt auch weitere Beispiele: Ulrichs hatte ein Porträt der lesbischen Fechterin Mademoiselle Maupin (Julie d'Aubigny; ca. 1670-1707) angekündigt (X: 79). Im Jahrbuch steht: "(…) diese Absicht hat er leider nicht ausgeführt; es ist hier der Versuch gemacht worden, das Versäumte nachzuholen (1903, S. 703). Ulrichs wollte auch eine Liste "historischer Urninge" mit 80 Namen erstellen (VII: 130-131). Die Idee solcher Listen mit dem Ziel, Homosexuellen positive Identifikationsmöglichkeiten zu bieten, wurde aufgegriffen – und dabei auf den Entschluss verwiesen, "seine [Ulrichs'] Arbeit aufzunehmen, sein Erbe anzutreten" (1902, S. 289-290). Ulrichs hatte die Absicht, die Geschichte der Homosexuellenverfolgung ausführlich darzustellen (XII: 87). Im Jahrbuch heißt es: "Leider hat er diese Absicht (…) nicht ausführen können. Dies soll nun 27 Jahre später an dieser Stelle geschehen" (1906, S. 367). Dies sind eindrucksvolle Beispiele für das Langzeitgedächtnis der Homosexuellenbewegung.
"Meyers Konversations-Lexikon" (1905/1908)
"Meyers Konversations-Lexikon" (ab 1840) war lange Zeit ein bedeutendes enzyklopädisches Nachschlagewerk und die 6. Auflage von 1902-1920 in 20 Bänden gilt als Höhepunkt der Verlagsgeschichte. In dieser Auflage wurde zweimal auf Ulrichs eingegangen. Unter dem Stichwort "Homosexualität" (9. Band, 1905, S. 526) heißt es: Ulrichs "schildert die eigentümlichen Empfindungen und Schicksale dieser 'Enterbten des Liebesglücks' in einer Broschüre und brachte für die Homosexualen den Namen Urninge auf (s. Urningsliebe)." Unter dem Stichwort "Urningsliebe" (19. Band, 1908, S. 965) steht u. a.: "Solche Männer nannte Ulrichs (in den 1860er Jahren) Urninge und ihre Liebe Uranismus."

Einige Bände von "Meyers Konversations-Lexikon" in der bedeutenden 6. Auflage (1902-1920)
Die Beiträge sind neutral und zum Teil recht wohlwollend formuliert. Im erstgenannten Eintrag wird auch das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) erwähnt, was das WhK wiederum kommentierte: Dieser Lexikon-Artikel sei das unmittelbare Ergebnis "unserer Tätigkeit" und zugleich als "Zeichen des allmählich sich vollziehenden Wandels der öffentlichen Meinung anzusehen" ("Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen", 1906, S. 920-921).
Resümee zum 200. Geburtstag
Am 15. Dezember 1988 stellte die Bundestagsfraktion der Grünen einen Antrag, der die Menschen- und Bürgerrechte der britischen "Urninge" und "Urninden" betraf. Die Wahl dieser Formulierungen hing damit zusammen, dass die Grünen im Bundestag zu dieser Zeit die Begriffe "Schwule" und "Lesben" nicht verwenden durften und die ihnen vorgeschlagenen Begriffe "Homosexuelle" und "Lesbierinnen" nicht verwenden wollten (näheres in der Bundestagsdrucksache 11/3741). Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich in diesem Zusammenhang erstmals von Karl Heinrich Ulrichs und der von ihm geschaffenen Terminologie erfahren.
Ich halte nicht viel von seiner recht komplizierten Terminologie, weiß es aber zu schätzen, dass man neue Begriffe schafft, wenn es keine gibt oder nur welche, die diskriminierend sind. Nachdem Ulrichs in den 1860er Jahren den Begriff "Urning" geprägt hatte, wurde dieser nicht nur von denen verwendet, die seinen Thesen zustimmten, sondern auch von denen, die zunächst gar kein anderes Wort dafür hatten. In sehr engen Grenzen ist Ulrichs' Wortneuschöpfung "Urning" bis heute präsent, wenn auch nur in den Titeln von Büchern, die Homosexualität im 19. Jahrhundert behandeln, wie "Urning. Queer Identity in the German Nineteenth Century" (2024) von Douglas Pretsell und "Der Urning. Selbstbewusst schwul vor 1900" (2024) von Philipp Hofstetter und René Hornung.

Der Buchtitel ist eine Referenz auf Karl Heinrich Ulrichs: "Urning. Queer Identity in the German Nineteenth Century" (2024, Ausschnitt)
Karl Heinrich Ulrichs ist persönlich erfahrbar
Seine Bedeutung hat Ulrichs für mich auch deshalb, weil er im Gegensatz zu vielen anderen Aktivisten auch persönlich erfahrbar ist. Man kann ihn sehr gut mit Magnus Hirschfeld vergleichen, gerade weil beide so unterschiedlich sind. Karl Heinrich Ulrichs war offen schwul, kompromisslos und hat zu seinen Lebzeiten nichts erreicht. Magnus Hirschfeld war nicht offen schwul, agierte wie ein Politiker, drückte sich immer diplomatisch aus und wirkte in die Gesellschaft hinein. Hirschfeld war politisch geschickter, Ulrichs war authentischer. Bei Ulrichs wissen wir u. a. durch die frühen Briefe an seine Verwandten recht gut, wie er sich zu dem Menschen entwickelt hat, der er wurde, dem Mann, der alles aufs Spiel setzte, um das zu erreichen, was ihm wichtig war. Das private Leben Magnus Hirschfelds musste dagegen aufwändig rekonstruiert werden. Erst durch jahrelange Forschung über Hirschfelds Privatleben ist nun ziemlich viel auch über ihn bekannt und über Hirschfelds Lebensgefährten ist mittlerweile mehr bekannt als über die von Ulrichs. Ulrichs ist ein gutes Beispiel dafür, wie fruchtbar es sein kann, wenn das Erkenntnisinteresse durch die eigene Homosexualität geweckt wird. Wenn sich Ulrichs nur ein bisschen für Homosexualität interessiert hätte, würde es diesen Artikel gar nicht geben.
Ulrichs hat politisch zu Lebzeiten nichts erreicht
Seit 1998 gibt es in München einen Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz. Das "Forum Homosexualität und Geschichte" (heute "Forum queeres Archiv München") veröffentlichte die Broschüre "München 29. August 1867" und bezog sich mit diesem Datum auf Ulrichs' Rede auf dem Juristentag in München. Auf dem Backcover wurde die amtliche Namenserläuterung zum Straßenschild abgedruckt: "Mit seinem öffentlichen Eintreten für die reichseinheitliche Straffreiheit gleichgeschlechtlicher Beziehungen beim Deutschen Juristentag 1867 in München trug er wesentlich zur rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung bei."
Es gibt keine Quelle, die belegt, dass Ulrichs rechtlich irgendetwas erreichen konnte. Hubert Kennedy (S. 140) betont zu Recht, dass Ulrichs trotz seiner vielen Begnadigungsschreiben und anderen Interventionen "offenbar niemals gerichtliche oder Verwaltungsentscheidungen direkt beeinflussen" konnte. Das Homosexuellenstrafrecht wurde während der Jahre, in denen Ulrichs aktiv war, sogar noch ausgeweitet. Ich kenne keinen Juristen, der aufgrund von Ulrichs' Argumentation sich dem Wunsch nach Straffreiheit angeschlossen hätte. Auch nach Ulrichs' Engagement blieb Homosexualität in Deutschland mehr als 100 Jahre lang strafbar. Ulrichs hat seine letzten Lebensjahre im italienischen Exil verbracht, weil er es vor lauter Homophobie in Deutschland nicht mehr aushielt. Es gab keine direkte Kontinuität zwischen Ulrichs und der späteren ersten Homosexuellenbewegung, denn als Magnus Hirschfeld 1896 anfing sich zu engagieren (mit seiner ersten Schrift "Sappho und Sokrates"), wusste er überhaupt nichts von Ulrichs. (Erst posthum hatte Ulrichs einen großen Einfluss auf die erste Homosexuellenbewegung).
Das gleiche Bild ergibt sich in anderen Lebensbereichen. Für Mediziner war Ulrichs nur ein interessantes pathologisches Fallbeispiel. Gemessen an den vorliegenden Quellen hat Ulrichs Zeit seines Lebens nie in die Breite der Gesellschaft gewirkt, sondern die Gesellschaft wurde zum Beispiel von Ulrichs' Forderung einer Ehe für alle allenfalls getriggert. Vielleicht konnte Ulrichs einzelnen Schwulen Mut geben und Hoffnung machen – aber das war dann zunächst auch schon alles.
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Ulrichs ist ein Held und ein leuchtendes Vorbild
Es ist illegitim, Ulrichs danach zu beurteilen, was er tatsächlich erreicht hat. Es sind ganz andere Dinge, die es an ihm zu bewundern gibt. Er war die erste Person des öffentlichen Lebens, die offen homosexuell auftrat. Darum heißt Volkmar Siguschs Buch über ihn auch "Karl Heinrich Ulrichs. Der erste Schwule der Weltgeschichte" (2000). Kennedy (S. 379) schreibt: "Er war der erste, der öffentlich und ohne sich zu entschuldigen, erklärte, ein Urning zu sein. (…) es ist gerade die kompromißlose Redlichkeit, die wir an Ulrichs bewundern."
Ulrichs war ein Visionär und hat vieles, was eine Bewegung ausmacht, vorweggenommen. Dazu gehören das Projekt einer Zeitschrift für Homosexuelle und die Forderung nach einer Ehe für alle. Was noch alles dazu gehört, hat Volkmar Sigusch auf dem Backcover seines Buches gut zusammengefasst, wie Eingaben an die Gesetzgeber, die Vernetzung Gleichgesinnter, das Einrichten eines Archivs, das Erstellen von Listen berühmter Homosexueller der Vergangenheit (schwule Ahnengalerie), die Konzeption eines Urningsbundes und das Einrichten einer Unterstützungskasse für in Not geratene Gleichgesinnte. Mit diesen Ideen und seinem Engagement ist er auch für heutige Homosexuelle ein leuchtendes Vorbild.
Durch seine Schriftenreihe ist erkennbar, wie moralisch integer Ulrichs war und dass es ihm erkennbar immer nur um die Sache ging. In seinen Texten ist er, im Gegensatz zu seinen Gegnern, nie ausfallend geworden, sondern immer sachlich geblieben. Auch ich finde Ulrichs nicht nur faszinierend, sondern habe unglaublich viel Respekt vor ihm.
Ulrichs verkörpert eine Utopie / Der Urning erinnert an die Zukunft
Leider erst posthum hat Ulrichs den Respekt bekommen, den er sich redlich verdient hat. Ein äußeres Zeichen dafür sind Gedenktafeln sowie Straßen und Plätze, die nach ihm benannt wurden – in Aurich, Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Hannover, Hildesheim, L'Aquila (Italien), München und Stuttgart.
Zu Ulrichs' 200. Geburtstag erschien vor einigen Monaten bei Männerschwarm das Buch "Invictus – Unbesiegt. Karl Heinrich Ulrichs zum 200. Geburtstag" (2025), das auf queer.de bereits besprochen wurde. Besonders beeindruckt hat mich der Beitrag von Kevin Junk "Ich möchte ein Urning sein" (S. 115-125).

Sekundärliteratur der letzten Jahrzehnte einschließlich "Invictus – Unbesiegt" (2025, Mitte)
Junk: "Ich will den Urning updaten. Den Urning für mich zu beanspruchen, heißt ihn in das 21. Jahrhundert einzuladen. Mit meinen Erfahrungen, mit allem was ich gelernt habe, mit der Sprache, den Konzepten und dem Selbstbewusstsein, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht verfügbar waren. Den Urning in die Gegenwart einladen, heißt für mich auch, einen Begriff wiederzuentdecken, der sich der kollektiven Erinnerung entzieht. Wir hören nur noch sein Echo. Aber ich will das Echo verstärken. (…) Deswegen will ich ein Urning sein. In Andenken an alle, die gestorben sind, die verhaftet wurden, die hinweggerafft wurden, die sich das Leben genommen haben und denen das Leben genommen wurde, die nie leben durften, die sich nie frei gefühlt haben. (…) Der Urning ist eine der Geschichte entlehnte Utopie. Der Urning ist eine Erinnerung an die Zukunft."
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» Unerhörtes und Unbekanntes von Karl Heinrich Ulrichs; Teil 1: Die Grundlagen seiner Forschungen
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