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Heimkino

Wenn Elektrizität sexuell erregend ist

Der Erotik-Thriller "Electrophilia" der argentinischen Regisseurin Lucía Puenzo über die Tierärztin Ada ist ein psychologisch dichtes Drama, das Trauma, Lust und Selbstfindung miteinander verknüpft.


Tierärztin Ada erkennt nach einem Blitzschlag, dass Strom für sie eine Quelle ungeahnter sexueller Erregung sein kann (Bild: Busch Media Group)
  • 4. September 2025, 08:53h 2 Min.

Während eines Sturms wird die Tierärztin Ada auf einer Weide vom Blitz getroffen. Wochen später erwacht sie aus dem Koma und stellt fest, dass ihr Körper seither auf jede Form von Elektrizität überempfindlich reagiert. Schon kleinste Stromimpulse lösen bei ihr intensive körperliche Reaktionen aus. Halt findet sie in einer Selbsthilfegruppe, die von dem Arzt Juan geleitet wird. Dort erkennt sie nach und nach, dass Strom für sie nicht nur eine Gefahr darstellt, sondern auch eine Quelle ungeahnter sexueller Erregung sein kann. Dieses Spannungsfeld zwischen Bedrohung und Verlangen zieht sich fortan wie ein roter Faden durch ihr Leben.

Schmaler Grat zwischen Lust und Lebensgefahr


"Electrophilia" ist als DVD, Blu-ray und digital erschienen

"Electrophilia" der argentinischen Regisseurin Lucía Puenzo erzählt die Geschichte von Ada als psychologisch dichtes Drama, das Trauma, Lust und Selbstfindung miteinander verknüpft. Puenzo, die mit Filmen wie "XXY" internationale Aufmerksamkeit erhielt, hat sich längst als eine der wichtigsten Stimmen des lateinamerikanischen Kinos etabliert. Ihre Arbeiten sind geprägt von einem besonderen Gespür für Grenzsituationen, körperliche Erfahrung und die Frage, wie sich Identität jenseits klarer gesellschaftlicher Kategorien formt. Auch in "Electrophilia" bleibt sie dieser Linie treu: Ada wird nicht als Kuriosität oder Opfer dargestellt, sondern als eine komplexe, widersprüchliche Figur, die mit ihren neuen Möglichkeiten ebenso kämpft wie mit den Ängsten, die daraus entstehen.

Bemerkenswert ist die einfühlsame Balance, mit der Puenzo das heikle Thema verhandelt. Die Inszenierung verweigert sich eindeutigen Zuschreibungen und nähert sich Adas Erfahrungen mit Zurückhaltung, ohne deren Radikalität abzuschwächen. Elektrizität wird hier nicht nur als Bedrohung des Körpers inszeniert, sondern auch als Metapher für ein Begehren, das sich den gängigen Mustern entzieht. Damit eröffnet der Film eine Perspektive auf Sexualität, die nicht normativ festgelegt ist, sondern in ihrer Ambivalenz ernst genommen wird.

"Electrophilia" (Amazon-Affiliate-Link ) fügt sich so in eine queere Filmtradition ein, die Körper und Begehren als Orte des Widerstands denkt. Der Film erzählt von der Schwierigkeit, nach einem traumatischen Erlebnis in den Alltag zurückzukehren, zugleich aber auch von der Möglichkeit, neue Wege des Begehrens zu akzeptieren und zu leben. Gerade in dieser Offenheit liegt seine Stärke: Er verzichtet auf einfache Antworten und lädt dazu ein, über die Vielfalt menschlicher Erfahrungen nachzudenken. (dd/pm)

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