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Skandalurteil in Marokko
Zweieinhalb Jahre Haft für "Allah ist lesbisch"-Shirt
Skandalurteil in Marokko, einem laut Bundesinnenminister "sicheren" Land: Eine Frauen- und LGBTI-Aktivistin wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil sie sich in einem Hemd mit der Aufschrift "Allah ist lesbisch" zeigte.

Ibtissam Lachgar sitzt wegen dieses T-Shirts seit einem Monat in Untersuchungshaft – und soll jetzt noch über zwei Jahre hinter Gittern bleiben (Bild: X, pixabay)
- 4. September 2025, 13:46h 3 Min.
Ein marokkanisches Gericht hat die 50-jährige marokkanische Feministin und LGBTI-Aktivistin Ibtissam Lachgar am Mittwochabend zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren und einer Geldstrafe von 50.000 Dirham (rund 4.700 Euro) verurteilt. Lachgar habe gegen ein Gesetz verstoßen, das die Beleidigung des Islams verbiete, erklärte der Richter.
Die Aktivistin, die eine der bekanntesten Atheistinnen des Landes ist, hatte Ende Juli ein Foto in sozialen Netzwerken veröffentlicht, auf dem sie ein T-Shirt mit der Aufschrift "Allah ist lesbisch" trug. Der Islam sei "wie jede religiöse Ideologie" faschistisch und frauenfeindlich, schrieb Lachgar dazu. Der Beitrag löste heftige Reaktionen in sozialen Netzwerken aus. Sie erhielt viele Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Letzten Monat wurde sie dann verhaftet (queer.de berichtete).
Lachgar will in Berufung gehen
Ihre Anwältin Naïma El Guellaf kündigte gegen der Nachrichtenagentur AP an, in Berufung gehen zu wollen. "Gott gibt es nicht nur für Muslime, sondern auch für Christen und Juden. Ich sehe keine Beleidigung gegen den Islam in ihrer Aufschrift", sagte El Guellaf vor Gericht. "Ich selbst bin Muslimin und ich fühle mich nicht beleidigt." Die Aufschrift falle vielmehr unter die in der marokkanischen Verfassung garantiere Redefreiheit. Lachgar erklärte vor Gericht, sie habe nicht die Absicht gehabt, den Islam zu beleidigen. Vielmehr sei die Aufschrift auf ihrem T-Shirt eine politische Botschaft gewesen, um gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen zu protestieren.
Das marokkanische Gesetz sieht eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zwei Jahren für die "Beleidigung des Islam" vor – plus eine Geldstrafe. Die Haftstrafe kann auf bis zu fünf Jahre erhöht werden, sollte diese "Beleidigung" öffentlich stattfinden.
Lachgar, die mit ihrem Freund in Rabat lebt, setzt sich bereits seit Jahren etwa für die Legalisierung von Abtreibung, die Gleichbehandlung von trans Menschen und die Entkriminalisierung von nichtehelichem und gleichgeschlechtlichen Sex ein. Sie gründete 2009 das Mouvement alternatif pour les libertés individuelles (MALI), ein Aktionsbündnis für mehr Grundrechte in Marokko.
Bundesregierung will Marokko trotz Verfolgung Prädikat "sicher" verleihen
In Marokko stehen auf Homosexualität derzeit bis zu drei Jahre Haft. Trotzdem setzt sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) derzeit dafür ein, dem Maghreb-Staat das Prädikat "sicherer Herkunftsstaat" zu verleihen, um im Rahmen der von der Regierung ausgerufenen Asylwende Geflüchtete leichter abschieben zu können (queer.de berichtete). Allerdings entschied der Europäische Gerichtshof letzten Monat, dass ein Land gegenwärtig in der EU nicht als "sicherer Herkunftsstaat" bezeichnet werden dürfe, wenn dort Homosexuelle strafrechtlich verfolgt werden (queer.de berichtete). (cw)















