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Modemacher wurde 91 Jahre alt
Giorgio Armani ist tot
Der vielleicht berühmteste queere Modemacher der Welt weilt nicht mehr unter uns.

Giorgio Armani in einer Aufnahme aus dem Jahr 2006 (Bild: IMAGO / IPA Photo)
- 4. September 2025, 15:45h 3 Min.
Der italienische Modedesigner Giorgio Armani ist tot. Er ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Das gab sein Unternehmen am Donnerstagnachmittag bekannt. Armani sei in seinem Anwesen in Mailand im Kreise seiner Familie gestorben.
Armani hatte im Juni seine Teilnahme an Laufsteg-Shows abgesagt, was zu Besorgnis unter seinen Fans geführt hatte (queer.de berichtete). Er hatte sich in einer Klinik behandeln lassen, aber keinen Grund für den Aufenthalt genannt. Im Juli hatte er sich mit einer Zeitungsanzeige zurückgemeldet und ankündigt, man werde ihn im September wieder öffentlich sehen (queer.de berichtete).
Giorgio Armani war am 11. Juli 1934 im oberitalienischen Piacenza auf die Welt gekommen. Nach einem Medizinstudium, das er abbrach, begann er seine Karriere in den Sechzigerjahren zunächst als Schaufensterdekorateur und Designer bei Nino Cerruti. 1975 gründete er gemeinsam mit Sergio Galeotti das Label Giorgio Armani S.p.A., das schnell internationale Erfolge feierte und bis heute für schlichte Eleganz, klare Linien und luxuriöse Stoffe steht. Armani prägte maßgeblich den "Power Look" der Achtzigerjahre und erweiterte seine Marke in Bereiche wie Parfum, Möbel, Hotels und Gastronomie.
Das Privatvermögen des Modemachers wurde laut einem Bericht von "Statista" in diesem Jahr auf zehn Milliarden Euro geschätzt – er war damit der drittreichste Italiener. Sein Armani-Konzern ist rund um den Globus aktiv – insgesamt arbeiten dort mehr als 9.000 Beschäftigte in mehr als 2.000 Geschäften mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro.
Armani musste in Achtzigern Aids-Tod seines Freundes verkraften
Armani lebte lange Zeit mit seinem Geschäftspartner Sergio Galeotti zusammen, der 1985 an Aids starb. Obwohl Armani sich nie aktiv als Teil der queeren Community positionierte, sprach er in Interviews offen über seine Liebe zu Galeotti und deutete an, dass seine sexuelle Orientierung eher Männer betrifft. Er hielt sein Privatleben jedoch stets diskret und vermied Etiketten. Damit ist er ein Beispiel für queere Sichtbarkeit in einer Zeit, in der Homosexualität in der italienischen Gesellschaft noch stark tabuisiert war.
Letztes Jahr gab Armani in einem Zeitungsinterview erstmals öffentlichen Einblick in sein Liebesleben (queer.de berichtete). Dabei erzählte er etwa, dass er als Jugendlicher in einem Ferienlager festgestellt habe, dass er auf Männer stehe: "In einer Gruppe von Jungs gab es einen Aufseher, einen jungen Mann, den ich gleich mochte. Ich wusste damals nicht genau warum und habe das nicht weiterverfolgt. Aber von da an hat mein Leben eine andere Wendung genommen." Zum Aids-Tod seines langjährigen Freundes in den Achtzigern erklärte er: "Ein Teil von mir ist mit ihm gestorben. Ich musste alle meine Kraft zusammennehmen, um mit dem Schmerz und der Qual umgehen zu können."
Nach dem Tod von Galeotti ging Armani eine Beziehung mit Leo Dell'Orco ein, der die Männermode-Abteilung im Unternehmen leitet. Die beiden seien zwar nicht verheiratet, so der Designer im selben Interview, aber er trage "einen wunderbaren Ring mit einem Diamanten".
Girgio Armani wird am Wochenende in Mailand aufgebahrt
In Mailand soll Giorgio Armani am Samstag und Sonntag aufgebahrt werden, Trauernde können den Raum in der Via Bergognone 59 nahe dem Armani-Hauptsitz zwischen 9 und 18 Uhr besuchen und der Modelegende die letzte Ehre erweisen. Die Beerdigung und Trauerfeier finden laut der Firma Armani auf "ausdrücklichen Wunsch" des Verstorbenen in einem privaten Setting statt. (cw)















