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Queerfilmfestival

Twink liebt trans Mann – und nimmt ihn mit in die Gay-Sauna

Johan verliebt sich in den trans Mann William – und wird in seiner Mischung aus Solidarität und Impulsivität unbeholfen und verletzend. Das Liebesdrama "Sauna" erkundet queeres Begehren und schwule Ausgrenzung.


Szene aus "Sauna": Der Film gehört von Mathias Broe zum Programm des diesjährigen Queerfilmfestivals

Hauptstadt-Schwule sind die Schlimmsten. Vor allem, wenn es wie in Dänemark nur eine richtig große Stadt gibt. Die Überheblichkeit kennt dann kaum Grenzen. Die Kopenhagener können sich also genüsslich lustig machen über Aarhus und Odense – selbst wenn sie selbst von dort kommen. Da gibt es nur eine schwule Bar, und da gehen nur Heten hin. Haha!

Johan macht genau das. Der junge Blonde lacht über sein altes Provinzleben und genießt die vorzügliche schwule Szene der Hauptstadt. Er arbeitet sogar in einer Schwulensauna. Im "Adonis" putzt er morgens weg, was er nachts dort als Gast hinterlassen hat. Praktisch. Und hot, wenn die Kamera (Nicolai Lok) ihn schemenhaft einfängt, wie er durch den Darkroom tigert.

Erste dänische trans Person in einer Hauptrolle

Doch auch Johan muss merken, dass die Metropole einsam machen kann: Als er sein Sexdate fragt, ob er nicht bei ihm übernachten wolle, schaut der nur komisch. Nach dem Abspritzen geht's nach Hause, ist doch klar.

Doch dann lernt Johan den trans Mann William kennen. Sie entwickeln eine echte Verbindung zueinander. William wird gespielt von Schauspieler*in und Aktivist*in Nina Rask (nichtbinär, trans-maskulin, alle Pronomen). Das macht Rask zur ersten trans Person in einer Hauptrolle eines dänischen Films.


Johan (Magnus Juhl Andersen) und William (Nina Rask) in "Sauna"

Wie inklusiv sind unsere Räume?

Johan verwirrt es anfangs, einen trans Mann zu daten, das habe er davor noch nicht gemacht. Er reagiert dann aber erstaunlich cool und unterstützend. Keine komischen Fragen, kein Misgendern, sondern echte Solidarität. Die beiden gehen sogar gemeinsam ins "Adonis". Nur Johans Chef ist davon überhaupt nicht begeistert. William wird rausgeschmissen.

Queere Menschen haben es häufig schwer in der Mehrheitsgesellschaft. Doch auch untereinander machen sie es sich nicht immer leicht. Wie inklusiv sind unsere Räume – Schwulensaunen, Gay-Partys, FLINTA-Clubs – und wo wird absichtlich oder unbewusst ausgegrenzt? Wer darf wo dazugehören, wer für wen das Wort ergreifen?

Johan gleicht Justin aus "Queer as Folk", zumindest äußerlich

Und vor allem: Wie lässt sich diesen strukturellen Schwierigkeiten zum Trotz auf individueller Ebene eine Beziehung führen? Das sind die Fragen, denen "Sauna" nachspürt. Das macht das Debüt von Mathias Broe zu einem sehr zeitgenössischen Film – und erinnert an "Layla".

Die Figuren wirken dabei allerhöchstens auf den ersten Blick wie archetypische Klischees ihrer selbst. Magnus Juhl Andersen als Johan ähnelt Justin aus "Queer as Folk" auf fast erschreckende Weise, auch weil der blonde Mittelscheitel ein Vierteljahrhundert nach der US-Serie wieder im Trend ist. Doch "Sauna" zeichnet Johan differenzierter.

Testosterongel als Teil des Sex


Der Film "Sauna" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Mads Ananda Lodahl, der Anfang September 2025 im Albino Verlag erschienen ist

Er ist zwar ein normschöner Hingucker, zeigt aber viel Verständnis und Einfühlungsvermögen. Es gibt intime Momente mit William, die zu den zärtlichsten queeren Liebesszenen seit Langem gehören – etwa wenn er ihm das Testosterongel auf die Innenseite der Oberschenkel aufträgt.

Doch Johan kann auch anders. Er ist impulsiv, will alles richtig machen – und macht dabei einiges falsch. Er will William helfen, wo der gar keine Hilfe braucht. Das ist dann oft nur unbeholfen, manchmal aber auch richtig verletzend. "Sauna" nimmt dabei konsequent Johans Perspektive ein. William kommt da vielleicht ein bisschen zu kurz, doch seine Bedürfnisse und Konflikte werden ernst genommen.

Der Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Mads Ananda Lodahl (Amazon-Affiliate-Link ) basiert, geht dabei weit über eine klassische Liebesgeschichte hinaus. Er stellt eine sehr aktuelle – und nötige – Auseinandersetzung mit der queeren Community dar. Die ist, auch wenn LGBTIQ* schnell über die Lippen geht, alles andere als einheitlich.

Sexy, intim – und communitykritisch

Johan und William leben in völlig verschiedenen Welten, die kaum Berührungspunkte besitzen. Das geht auch über den Freund*­innen-Kreis und Diskriminierungs-Erfahrungen hinaus. Johan ist bei seinem Vater nicht geoutet, Williams Eltern haben cooler reagiert. Und Geldsorgen kennt er dank vermögender Familie nicht, Johan dagegen schon.

"Sauna" ist dabei aber kein didaktischer Thesenfilm. Hin und wieder könnte der Rhythmus zwar fokussierter sein, nicht jede Partyszene bringt die Handlung voran. Doch Regisseur Mathias Broe beweist, dass ein Film eine sexy und intime Atmosphäre mit einem communitykritischen Blick und vielgestaltigen Figuren verbinden kann. Ein Termin für den deutschen Kinostart steht noch nicht fest. Zu sehen ist "Sauna" aktuell beim Queerfilmfestival.

Infos zum Film

Sauna. Drama. Dänemark 2025. Regie: Mathias Broe. Cast: Magnus Juhl Andersen, Nina Rask, Dilan Amin, Klaus Tange, Peter Oliver Hansen. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: dänisch-schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih Salzgeber. Im September 2025 beim Queerfilmfestival

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