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Reisetipp

Ein queeres Wochenende in Hamburg

Hamburg hat viel mehr zu bieten als die legendäre Reeperbahn. Die Hansestadt vereint Raum für sexuelle Freiheit, Hochkultur, queere Geschichte und gelebte Vielfalt. Das sind die Orte, die man gesehen haben muss.


Prideflags findet man in Hamburg nicht nur bei queeren Bars wie der "Daddys Bar", sondern überall im Stadtbild. Denn Hamburg ist queer as fuck – und steht dazu (Bild: Fabian Girschick)

Wenn queere Menschen an Hamburg denken, kommt ihnen oft zuerst die Reeperbahn in den Sinn – mit ihren schrillen Dragqueens rund um die legendäre Olivia Jones und einem Nachtleben, das für viele unvergesslich bleibt. Die Feiermeile bietet nicht nur ausgelassene Partys, sondern auch Raum für sexuelle Freiheit. Neben den berühmt-berüchtigten Bars sorgen etwa Gay-Kinos für ein Angebot, das Hamburg in Sachen One-Hour-Stands locker mit Städten wie Berlin oder Köln konkurrieren lässt.

Doch Hamburg ist mehr als flackernde Neonträume, taumelnder Rausch und verkaterte Morgenstunden. Die Stadt hat auch eine tiefgreifende queere Erinnerungskultur zu bieten – besonders im Stadtteil St. Pauli. Welche Rolle der Kiez im Kontext queerer Geschichte spielt, zeigt sich unter anderem an den zahlreichen Stolpersteinen. Sie erinnern an queere Menschen, die hier lebten und inzwischen verstorben sind – oft unter tragischen Umständen. Ihre Geschichten erzählen von Verfolgung, Erniedrigung und qualvollen Toden.

St. Pauli erinnert an die tragischen Schicksale queerer Menschen


Stolpersteine wie diese zollen queeren Menschen der Vergangenheit Respekt und erinnern an ihre oft tragischen Lebensgeschichten (Bild: Fabian Girschick)

So offen und bunt Hamburg heute wirkt, war es in der Vergangenheit keineswegs. Auf einer queeren Kieztour durch St. Pauli, organisiert vom St. Pauli Office, berichten Guides beispielsweise von Orten, an denen sich Männer einst zum schwulen Sex trafen – beobachtet durch einseitig verglaste Spiegel und anschließend registriert auf "Rosa Listen". Oder von öffentlichen Urinalen, die die Polizei genutzt hat, um durch gezielte Blickkontakte vermeintlich homo­sexuelle Männer zu identifizieren.

Das St. Pauli Office mahnt jedoch, dass Hamburgs queere Erinnerungskultur trotz vieler Fortschritte noch Lücken aufweist. So finden sich auf Stolpersteinen bis heute Deadnames von trans Personen. Auch ein Gedenkstein für verstorbene Sexarbeiter*­innen spricht ausschließlich von Frauen, statt inklusiv von Flinta-Personen. Hier besteht teils noch dringender Anpassungsbedarf. Dennoch bleiben die Stolpersteine und andere Erinnerungsorte wichtige Zeichen gegen das Vergessen.

Kulturvielfalt mit überraschenden Kombinationen

Allgemein fühlt man sich als queere Person in Hamburg ziemlich wohl: In vielen Shops und Kultureinrichtungen tragen Mitarbeitende Regenbogen-Embleme auf ihren Shirts, Pride-Flaggen schmücken die Fassaden, und an Innenwänden finden sich Texte, die für Toleranz und Vielfalt sensibilisieren. Besonders auffällig ist das in der renommierten Kunsthalle Hamburg, wo sogar Führungen mit Dragqueens angeboten werden – ein spannender Kontrast zwischen klassischen Werken von Caspar David Friedrich oder Salvador Dalí und den extravaganten Performances der Drag-Kunst.


Ein spannender Kontrast: Klassische Kunst trifft in der Kunsthalle auf die schrille Welt der Dragqueens 8Bild: Fabian Girschick)

Doch nicht nur die Kunsthalle bietet queere Impulse: Auch das immersive Ausstellungszentrum Port des Lumières sowie das internationale Theaterhaus Kampnagel zeigen progressive Formate.

Wer nach all den Eindrücken eine Pause braucht, kann sich bei einer Kanutour über die Alster entspannen – inklusive Quickstop beim Wasser-Drive-In-Café. Kulinarisch lohnt sich ein Besuch im Restaurant Peacetanbul, das mit erstklassiger Küche und entspannter Atmosphäre überzeugt.

25hours Hotel HafenCity: Popkultur trifft Panorama-Sauna


Der Blick aus dem Sauna- und Ruhebereich des 25hours Hotels ist besonders bei Sonnenuntergang schlicht überwältigend (Bild: Fabian Girschick)

Ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung Hamburgs ist übrigens das 25hours Hotel HafenCity. Gegenüber dem neuen "Westfield"-Center gelegen, verbindet es modernes Design mit popkulturellen Elementen – von Beatles-Erinnerungsstücken bis zu Tapeten mit Promi-Gesichtern. Die hauseigenen Restaurants und Bars sind auch für externe Gäste zugänglich und bieten Genuss pur – inklusive Frozen-Cocktails, die sich perfekt für einen entspannten Abend eignen. Besucher*­innen sollten sich hier also in jedem Fall die Restaurants heimat und NENI sowie die Boilerman Bar auf ihrer Google-Maps-Karte abspeichern.

Das Highlight des Hotels ist der Sauna- und Ruhebereich mit spektakulärem Blick über Hamburg. Bis Mitternacht geöffnet, wird er nicht nur zur Oase der Entspannung, sondern auch zum Ort spontaner Begegnungen: Immer wieder vernetzen sich hier (queere) Menschen zufällig und verbringen vielleicht auch Zeit über den Saunaaufguss hinaus.

Und hier schließt sich nun der Kreis: Ob man auf der Suche nach sexuellen Abenteuern, kulturellen Erlebnissen oder historischer Tiefe ist – Hamburg enttäuscht nicht.

-w-