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Interview
Was macht eigentlich ein "Mister Gay Europe"?
Er sieht nicht nur gut aus, sondern will seine neue Reichweite für Veränderung nutzen: Im Interview spricht "Mister Gay Europe 2025" Michael Pereira über queere Sichtbarkeit im Gesundheitswesen, sein Projekt "Safe to Grow" und freizügige Fotos auf Instagram.

Michael Pereira wurde Anfang August in Amsterdam als erster Schweizer zum "Mister Gay Europe" gekürt (Bild: Rowin Dreef)
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7. September 2025, 08:22h 5 Min.
Frisch gekrönt zum "Mister Gay Europe 2025", angehender Kinderarzt am Kinderspital Zürich und Initiator des Projekts "Safe to Grow": Michael Pereira (31) steht für eine neue Generation, die gesellschaftliches Engagement, medizinische Expertise und persönliche Sichtbarkeit miteinander verbindet. Mit seinem Projekt setzt er sich für mehr Sicherheit und Anerkennung queerer Kinder und Jugendlicher im Gesundheitswesen ein – und zeigt, wie man Haltung mit Herz und Reichweite vereint.
Im Gespräch spricht Michael Pereira über die Bedeutung seines Titels, die Herausforderungen im medizinischen Alltag, seine Vision für ein inklusiveres Gesundheitssystem – und warum Freizügigkeit kein Widerspruch zur Professionalität ist, sondern ein Statement für Selbstakzeptanz und Vielfalt.
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Titel "Mister Gay Europe 2025"! Was bedeutet dir diese Auszeichnung persönlich?
Vielen Dank! Für mich bedeutet der Titel nicht einfach, eine Krone oder einen Wettbewerb zu gewinnen. Vielmehr sehe ich den Titel als ein Werkzeug, um Themen sichtbar zu machen, die mir wirklich am Herzen liegen. Ich sehe es als Chance, mit meiner Stimme und meinem Projekt "Safe to Grow" queere Kinder und Jugendliche zu stärken – und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen, verstanden und akzeptiert sind.
Was glaubst du, hat letztlich den Ausschlag gegeben, dass du dich gegen die anderen Bewerbenden durchsetzen konntest – worin unterscheidest du dich?
Schwierig zu sagen, da ich die Konkurrenz sehr stark fand. Ich glaube, schlussendlich war es die Kombination aus Authentizität und starkem Willen. Ich habe nicht einfach ein Projekt aufgestellt, sondern bringe berufliche und persönliche Erfahrung und die Nähe zur Realität junger Menschen mit. Für mich war es wichtig, kein "Showprojekt" zu präsentieren, sondern einen echten, nachhaltigen Ansatz für Veränderung zu schaffen – und ich denke, diese Glaubwürdigkeit hat überzeugt.

Michael Pereira will queere Kinder und Jugendliche stärken (Bild: Rowin Dreef)
Du bist nicht nur angehender Kinderarzt, sondern auch Gründer des Projekts "Safe to Grow". Was steckt hinter dieser Initiative?
"Safe to Grow" hat das Ziel, das Gesundheitswesen zu einem sichereren und inklusiveren Ort für queere Kinder und Jugendliche zu machen. Viele erleben Unsicherheit oder Diskriminierung – oft nicht absichtlich, sondern weil Fachpersonen zu wenig sensibilisiert sind. Mit Schulungen, Workshops und Aufklärungsarbeit möchte ich Fachwissen, Methodenkompetenz und Haltungsarbeit in die Medizin bringen. "Safe to Grow" soll auch als primäre Prävention wirken, um zukünftig die mentale Gesundheit von queeren Kindern und Jugendlichen zu stärken.
Wo siehst du konkrete Missstände im Gesundheitssystem, insbesondere im Umgang mit queeren Kindern und Jugendlichen?
Ein großes Problem ist die Unsicherheit. Viele Ärzt*innen, Pflegende, Therapeut*innen etc. wollen respektvoll umgehen, wissen aber nicht genug über die Lebensrealität von queeren Jugendlichen. Das führt zu unbeabsichtigten Verletzungen – sei es durch falsche Sprache oder Formulierungen, unpassende Formulare oder Strukturen, die keine Vielfalt abbilden. Auch die Angst vor Stigmatisierung hält viele Betroffene davon ab, offen zu sprechen. Bewusstsein allein zu schaffen, reicht nicht aus, wir brauchen echte Bildung.
Wie ließen sich diese Missstände deiner Meinung nach beheben – und an welcher Stelle setzt dein Projekt genau an?
Es braucht konkrete und praxisnahe Schulungen für Fachpersonen, eine Anpassung von Strukturen in Spitälern und Praxen sowie Raum für Austausch. "Safe to Grow" setzt genau da an: Wir starten mit Fortbildungen, die Wissen, Reflexion und Handlungskompetenz verbinden. Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche spüren: "Hier bin ich sicher, hier werde ich ernst genommen."
Konntest du mit "Safe to Grow" bereits konkrete Erfolge erzielen? Wenn ja, welche Erfahrungen oder Rückmeldungen haben dich besonders berührt?
Wir stehen noch am Anfang, aber die Resonanz ist überwältigend. Viele Fachpersonen haben mir geschrieben, dass sie genau auf so ein Angebot gewartet haben. Besonders berührt hat mich die Nachricht eines Jugendlichen, der meinte: "Danke, dass du für uns sprichst. Ich habe mich im Spital noch nie willkommen gefühlt." Solche Rückmeldungen zeigen mir, wie dringend das Projekt gebraucht wird.
Auf Instagram zeigst du dich mitunter sehr freizügig. Gerade bei Persönlichkeiten wie Katja Krasavice oder Shirin David sieht man, dass solche Offenheit nicht immer ernst genommen wird. Hast du manchmal Sorge, dass dir deine Freizügigkeit beruflich – etwa als Kinderarzt oder Projektgründer – im Weg stehen könnte?
Nein – weil ich nichts poste, womit ich mich nicht wohlfühle oder nicht identifizieren kann. Ich habe lange gebraucht, um mich selbst so anzunehmen, wie ich bin. Meine Bilder sind für mich kein Widerspruch zu Professionalität, sondern ein Statement: Man darf selbstbewusst und sexy sein – und gleichzeitig fokussiert, diszipliniert und kompetent. Dass wir diese Eigenschaften oft gegeneinander ausspielen, ist ein gesellschaftliches Problem. Ich will zeigen: Man kann beides sein – sichtbar, frei und trotzdem mit Haltung und Inhalt.
Instagram / rowindreef | Michael Pereira auf Instagram
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Hast du das Gefühl, dass unsere Gesellschaft in manchen Bereichen noch immer zu prüde ist? Und ist es dir ein Anliegen, daran etwas zu verändern?
Ja, absolut. Viele Themen rund um Sexualität, Körper und Vielfalt werden immer noch tabuisiert. Das führt zu Vorurteilen und Unsicherheit. Mir ist wichtig, dass wir offener und ehrlicher werden – nicht provokativ, sondern respektvoll. Sichtbarkeit schafft Normalität und Normalität schafft Akzeptanz.
Wie stellst du dir deine Zukunft vor: Siehst du dich langfristig in der Gesundheitsbranche oder zieht es dich eher in Richtung Content Creation und öffentliche Sichtbarkeit?
Ich sehe mich klar in der Medizin. Kinderärztlich tätig zu sein, ist meine Berufung. Aber ich habe gelernt, dass öffentliche Sichtbarkeit ein mächtiges Werkzeug ist, um Veränderung anzustoßen. Deshalb möchte ich beides verbinden: fachliche Arbeit im Spital und eine öffentliche Rolle, um Themen auf die Agenda zu setzen.
Mit dem Titel "Mister Gay Europe" übernimmst du auch eine gewisse Verantwortung. Welche Botschaft möchtest du der queeren Community zum Abschluss mit auf den Weg geben?
Egal wie schwierig es manchmal ist: Ihr seid wertvoll, ihr seid wichtig und ihr habt das Recht, sicher und frei zu leben. Lasst euch von niemandem kleinmachen. Unsere Stimmen sind stark und wenn wir sie gemeinsam erheben, können wir Strukturen verändern.














