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Kinostart
"Honey Don't!" ist ein queeres Experiment
Nach "Drive-Away Dolls" folgt nun der zweite Teil von Ethan Coens queerer B-Movie-Trilogie. Man verlässt das Kino verwirrt, aber auch mit dem leisen Gefühl, dass hier etwas versucht wurde, das so noch nicht auf der Leinwand war.

Lesbische Liebe in in Bakersfield: Aubrey Plaza als Polizistin MG Falcone und Margaret Qualley als Privatdetektivin Honey O'Donahue in "Honey Don't!" (Bild: Focus Features)
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9. September 2025, 08:22h 3 Min.
"She only has two desires, and one of them is justice"- so schreit uns das Poster von "Honey Don't!" an. Schon da wird klar: Hier soll lesbisches Verlangen nicht nur beiläufig angedeutet, sondern als Verkaufsargument in die Welt geschrien werden. Und tatsächlich: Margaret Qualley als Privatdetektivin Honey O'Donahue trägt den Film mit einer queeren Präsenz, die Lust und Gerechtigkeit auf eine Weise zusammenzieht, wie es das Genre Noir bisher nicht kannte.
Denn "Honey Don't!" ist – nach "Drive-Away Dolls" der zweite Beitrag von Ethan Coens queerer B-Movie-Trilogie – ein Versuch, den altmodischen Topos des einsamen, trinkenden, sexhungrigen Detektivs umzuschreiben: diesmal als Frau, diesmal queer. Und Qualley hat das alles drauf: den Kleidungsstil, den Witz, die erotisch aufgeladene Körpersprache, die Fähigkeit, jede Begegnung in ein Funkenmeer aus Flirt, Machtspiel und ironischer Distanz zu verwandeln. Das ist aufregend, fast befreiend.
Magnetische Verkörperung einer lesbischen Detektivin

Poster zum Film: "Honey don't!" startet am 11. September 2025 bundesweit im Kino
Doch während Honey in Bakersfield mit stoischer Coolness ihren Wagen durch die Straßen steuert, wirkt der Film selbst, als würde er ebenso suchend durch die Nacht kurven – auf der Jagd nach einem Plot, der nie so recht gefunden wird. Figuren tauchen auf und verschwinden wie Geister, Handlungsstränge zerfallen, noch bevor sie zu glühen beginnen: eine Vespa-fahrende Auftragskillerin, die im Nichts verpufft; ein heißer Priester (Chris Evans!), der so fehlplatziert wirkt, dass man fast vergisst, warum er überhaupt im Film ist.
Am stärksten bleibt der Vorspann in Erinnerung: hektische Kamera, eingefrorene Momente, Namen, die plötzlich auf Autos, Mauern, Billboards erscheinen. Eine atemlose Energie, ein Versprechen auf ein Kino voller Brüche und Übermut. Doch es bleibt ein Versprechen – der Rest stolpert hinterher.
Strukturell zerfasert, emotional oft gleichgültig – und doch getragen von Qualleys magnetischer Verkörperung einer lesbischen Detektivin, die sowohl die toughen Sprüche als auch die zarte Verwundbarkeit beherrscht. Sie schaut jede Figur an, als würde sie in ihr die ganze Traurigkeit der Welt sehen – ein Blick, der den Film immer wieder für Sekunden zum Glühen bringt.
Halb genial, halb matschig
Doch so stark diese Momente sind, so deutlich bleibt der Film in einer patriarchalen Produktionslogik gefangen. Am sichtbarsten wird das in den viel zu langen Sexszenen mit Aubrey Plaza als MG Falcone, einer Polizistin: Was als queere Lust inszeniert sein könnte, kippt in ein seltsam kompetitives, mechanisches Schauspiel, das eher auseinanderzieht als verbindet.
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Am Ende reiht der Film so viele Plotlöcher und überdrehte Wendungen aneinander, dass es mir gleichgültig wurde, was überhaupt noch erklärt wird. Und dann ist da noch diese Makkaroni-Metapher. Die Hirne der Autor*innen Ethan Coen und Tricia Cooke sind Makkaroni – klebrig, dehnbar, manchmal einfach zerkocht. Wer den Film gesehen hat, weiß, warum dieser Satz nicht einfach ein flapsiger Seitenhieb ist, sondern fast als Selbstbeschreibung im Drehbuch steht. Ein Bild, das die Widersprüchlichkeit von "Honey Don't!" auf den Punkt bringt: halb genial, halb matschig.
"Honey Don't!" ist kein rundes Werk. Aber er ist ein queeres Experiment, das zeigt, wie schwer es ist, alte Genreformen umzuschreiben, wenn hinter der Kamera nicht dieselbe Lust herrscht wie vor ihr. Man verlässt das Kino verwirrt, manchmal genervt, aber auch mit dem leisen Gefühl, dass hier etwas versucht wurde, das so noch nicht auf der Leinwand war.
Honey don't! Neo-Noir-Komödie. USA 2025. Regie: Ethan Coen. Cast: Margaret Qualley, Aubrey Plaza, Charlie Day, Chris Evans.Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: Universal Pictures. Kinostart: 11. September 2025
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