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Englischer Star-Dichter
Neue Hinweise gefunden: Stand William Shakespeare auf Männer?
Schon seit längerem diskutiert die Fachwelt über die sexuelle Orientierung von William Shakespeare, dem wohl größten englischsprachige Dichter und Dramatiker. Jetzt glauben Forscherinnen, einen neuen Hinweis entdeckt zu haben.

Würde Shakespeare heutzutage ein paar Gedichte zu den CSD-Programmheften beitragen? (Bild: Books18 / flickr)
- 10. September 2025, 15:21h 2 Min.
William Shakespeare (1564-1616) mag zwar heterosexuelle Kult-Liebesgeschichten wie "Romeo und Julia" geschrieben haben, immer wieder finden Forschende aber Anhaltspunkte darauf, dass er auch auf Männer gestanden haben könnte. Einen solchen Hinweis haben jetzt die Kunsthistorikerinnen Elizabeth Goldring und Emma Rutherford laut "Guardian" entdeckt.
Die beiden Wissenschaftlerinnen stellten ein bisher unbekanntes Miniaturporträt vor, das vermutlich Henry Wriothesley (1573-1624), den dritten Earl (Graf) von Southampton, zeigt – einen engen Freund, Bewunderer und Förderer Shakespeares. Dieser junge Adlige gilt seit Langem als Kandidat für den sogenannten "Fair Youth" ("schöner Jüngling") in Shakespeares Sonetten, also die Figur, an die viele der leidenschaftlichsten Gedichte gerichtet sind. Rutherford erklärte: "In den Sonetten hören wir ohne Zweifel einen Mann, der in sexuellen und leidenschaftlichen Worten einen anderen Mann anspricht."
Es handelt sich bei dem Porträt wohl um ein Werk von Nicholas Hilliard aus dem späten 16. Jahrhundert. Das Bild zeigt einen auffallend androgyn wirkenden jungen Mann mit langen Locken, Schmuck und betont femininen Zügen, was für die damalige Zeit ungewöhnlich gewesen sei. Auf der Rückseite ist ein rotes Herz übermalt durch ein schwarzes Pik (oder einen Speer). Rutherford deutete das als Symbol für ein "gebrochenes Herz". Das Speer-Motiv könnte außerdem auf Shakespeares Familienwappen verweisen.
/ DalrympleWill | Das für die Zeit untypische Bild zeigt einen sehr androgyn aussehenden jungen MannPortrait of Shakespeare's possible lover found in collection https://t.co/biW5xePkm7
William Dalrymple (@DalrympleWill) September 9, 2025
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Die Historikerinnen nehmen an, dass das Porträt ein Geschenk des jungen Grafen an Shakespeare gewesen sei. Der Dichter habe dieses jedoch zurückgegeben – möglicherweise, als er eine Frau geheiratet hat.
Es gibt immer wieder Spekulationen über Shakespears sexuelle Orientierung
Bereits wiederholt haben Forschende gemutmaßt, dass Shakespeare kein lupenreiner Heterosexueller gewesen war. Der angesehene Shakespearewissenschaftler Sir Stanley Wells erklärte etwa 2020, dass der Dichter wegen der Sprache einiger Sonette, "die mit Sicherheit an Männer gerichtet sind", "ohne Zweifel" bisexuell gewesen sei (queer.de berichtete). Schwul sei er aber wohl nicht gewesen: "Seit den Achtzigerjahren ist es in Mode gekommen zu denken, dass Shakespeare schwul war. Aber er war verheiratet und hatte Kinder", so der Forscher damals.
Forschende sind sich aber darüber nicht einig. Manche sehen etwa die homoerotische Anspielungen in der damaligen Tradition überschwänglicher, aber platonischer Freundschaftsdichtung.
Die möglicherweise queere Identität Shakespeares hat bereits Folgen in queerfeindlichen Regionen der Welt: So untersagte ein Schulbezirk in Florida das Lesen von kompletten Werken Shakespeares an Schulen (queer.de berichtete). Grund ist das "Don't say gay"-Gesetz, das verbietet, an Schulen über Queersein zu sprechen. (cw)














