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Trump macht Linke für Attentat verantwortlich

USA: Queer­feindlicher Aktivist Charlie Kirk erschossen

Er war die große Hoffnung der Rechten in den USA: Bei einem Attentat in Utah ist der Aktivist und Trump-Unterstützer Charlie Kirk getötet worden.


Menschen trauern im Hauptquartier von Turning Point USA um den erschossenen Charlie Kirk (Bild: IMAGO / Imagn Images)
  • 11. September 2025, 10:16h 5 Min.

In den USA ist der einflussreiche rechte Aktivist und Podcaster Charlie Kirk durch Schüsse getötet worden. Der 31-Jährige wurde getroffen, als er am Mittwoch eine Rede an der Utah-Valley-Universität in der Stadt Provo hielt. Der oder die Täter*­innen sind noch flüchtig. Im Internet geteilte Videoaufnahmen zeigen, wie Kirk getroffen wird und stark am Hals blutend von einem Stuhl stürzt. Die Hochschule erklärte gleich nach dem Vorfall, die Schüsse seien gegen Mittag aus einem Gebäude etwa 180 Meter von Kirk entfernt abgefeuert worden.

Der 31-Jährige galt als einer der bekanntesten rechtsgerichteten Aktivisten in den USA und steht Trump nahe. Mit der "Charlie Kirk Show" hatte er einen eigenen Podcast. Er war Gründer der Organisation Turning Point USA (etwa: Wendepunkt USA), die in Schulen und Hochschulen aktiv ist. Im Präsidentschaftswahlkampf war Kirk im vergangenen Jahr für Trump bei einer Veranstaltung der Republikaner aufgetreten. Immer wieder machte er mit queer­feindlicher Rhetorik von sich reden.

Kirk sprach gerade über trans Attentäter*innen

Die Schüsse sind laut Augenzeug*innen gefallen, als Kirk gerade über trans Attentäter*innen gesprochen hatte. Der frühere US-Abgeordnete Jason Chaffetz von den Republikanern, der bei der Veranstaltung in Provo dabei dabei war, bestätigte dies dem Sender Fox News. Reporterinnen von "Deseret News" erklärten, dass die Frage gestellt worden sei, "wie viele trans Schützen es gibt". Kirk habe als Antwort "zu viele" gegeben, dann sei bei der nächsten Frage der Schuss gefallen. Hintergrund dieser Fragestellung ist, dass im August mutmaßlich eine trans Frau in eine Kirche nahe einer Schule in Minneapolis gefeuert und zwei Kinder getötet hatte (queer.de berichtete).

Direktlink | Ein Augenzeuge erzählt, dass der Schuss gefallen sei, als Kirk über "Transvestiten" gesprochen habe
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Allerdings geben die Fakten keine besondere Gefahr durch trans Attentäter*innen her – ganz im Gegenteil: Laut The Violence Project sind nur 0,11 Prozent der Tatverdächtigen in den 4.400 amerikanischen "Mass Shootings" seit 2013 trans. Geschlechtliche Minderheiten sind damit bei diesen extremen Gewalttaten unterrepräsentiert, da ihr Anteil an der US-Bevölkerung laut einer aktuellen Gallup-Umfrage 1,3 Prozent beträgt (queer.de berichtete).

Auf Onlineplattformen teilten Nutzer*innen ein Video, das angeblich den Vorfall zeigt. Darauf ist zu sehen, wie Kirk vor hunderten Menschen spricht. Er sitzt auf einem Stuhl unter einer Zeltüberdachung mit der Aufschrift "American Comeback" – das Motto von Kirks Tour. Plötzlich ist ein Schuss zu hören, und Kirk stürzt offenbar getroffen von seinem Sitz. Aus der Menge sind Panikschreie zu hören. Die Freiluft-Veranstaltung sollte der Auftakt sein für eine Hochschul-Tour mit dem Titel "American Comeback", in deren Rahmen Kirk bis Ende Oktober etwa 15 Auftritte absolvieren wollte.

Trump beschuldigt "radikale Linke"

FBI-Chef Kash Patel kündigte umfassende Ermittlungen an, um den oder die Täter*innen zu finden. Präsident Donald Trump rief alle Bürger*innen auf, für Kirk zu beten. Kirk sei "ein großartiger Kerl von Kopf bis Fuß", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Er ordnete auch an, US-Flaggen bis Sonntag auf Halbmast zu setzen. In einer Ansprache machte der 79-Jährige die "radikale Linke" für das Attentat verantwortlich. Diese vergleiche seit Jahren "wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den weltweit größten Massenmördern und Kriminellen".

Die Reaktion Trumps führte auch zu Kritik, da erst im Juni die demokratische Abgeordnete Melissa Hortman in ihrem Haus in Minnesota in einer offenbar politisch motivierten Attacke zusammen mit ihrem Ehemann erschossen worden war. Als mutmaßlicher Täter wurde ein evangelikaler Prediger gefasst, der immer wieder gegen LGBTI-Rechte zu Felde gezogen war. Damals ignorierte Trump jedoch die Tat gegen die queerfreundliche Politikerin vollständig – mutmaßlich wegen deren Parteibuch. Auch in der Ansprache erwähnte er diese Tat anders als gegen Republikaner*innen gerichtete Attentate nicht.

Politiker*innen der oppositionellen Demokraten verurteilten das Attentat auf Kirk auf das Schärfste: Die frühere Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris erklärte, politische Gewalt habe "keinen Platz" in den USA. Ähnlich äußerte sich der Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien, Gavin Newsom. Er nannte den Angriff auf Kirk im Onlinedienst X "widerlich, abscheulich und verwerflich".

Die Human Rights Campaign, die größte LGBTI-Organisation der USA, erklärte in sozialen Medien: "Politische Gewalt ist inakzeptabel und hat keinen Platz in diesem Land. Wir dürfen diese Waffengewalt-Epidemie niemals als normal akzeptieren. Wir können so nicht weiterleben."

Political violence is unacceptable and has no place in this country. We cannot ever accept this epidemic of gun violence as normal. We cannot keep living like this.

Posted by Human Rights Campaign on Wednesday, September 10, 2025
Facebook / Human Rights Campaign
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Das politische Klima in den USA gilt als aufgeheizt. Vor gut einem Jahr war Trump selbst bei einem Wahlkampfauftritt in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania am Ohr verletzt worden, der mutmaßliche Schütze wurde von Sicherheitskräften getötet. Ein weiterer Mann steht derzeit in Florida vor Gericht, weil er mutmaßlich im September 2024 Schüsse auf Trump abfeuern wollte, als dieser in West Palm Beach Golf spielte.

Trump hat die Stimmung seit seinem Amtsantritt im Januar weiter angeheizt. Er geht auf bislang beispiellose Weise gegen Einwanderer*innen, queere Menschen, politische Gegner*innen, Hochschulen und Medien vor und setzte das Militär in Demokraten-Hochburgen wie Los Angeles und Washington ein – angeblich um Gewaltexzesse zu bekämpfen. Von den Demokraten regierten Städten wie Chicago, Baltimore und New Orleans drohte er mit ähnlichen Einsätzen. Die Stadt Provo und der Bundesstaat Utah werden allerdings von Republikanern regiert.

Kirk galt wegen seiner charismatischen Art als großer Hoffnungsträger der Rechten – und war insbesondere unter jüngeren Konservativen populär. Dabei schreckte er auch vor Lügen und Fake News nicht zurück. So half er Trump, dessen Falschbehauptungen über die angeblich "gestohlene" Präsidentschaftswahl von 2020 bei einem jungen Publikum populär zu machen und Zweifel an der Richtigkeit der Corona-Maßnahmen der Demokraten unter Joe Biden zu säen. Kirk verbreitete auch als einer der ersten die Falschbehauptung, Migrant*innen aus dem Karibikstaat Haiti würden in einer Stadt im Bundesstaat Ohio die Katzen und Hunde der Einwohner stehlen und verspeisen – die später auch von Trump aufgegriffen wurde.

LGBTI-Rechte lehnte er grundsätzlich ab. Er sprach sich etwa mit Verweis auf die Bibel gegen die Ehe für alle aus. Trans Menschen bezeichnete er pauschal als psychisch krank und warf ihnen vor, Kinder zu missbrauchen. Erst vor zwei Wochen sorgte er zudem mit einer Aussage über die Verlobung von Taylor Swift für Aufsehen, als er die Sängerin aufforderte, nach der Hochzeit konservativ zu werden und sich ihrem Mann unterzuordnen (queer.de berichtete). (AFP/cw)

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