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Anna Lührmann
Ex-Staatsministerin setzt mit Coming-out ein Zeichen gegen Rechts
Die hessische Grünen-Chefin und Bundestagsabgeordnete Anna Lührmann, ehemalige Staatsministerin für Europa und Klima im Auswärtigen Amt, hat sich im Interview mit der "taz" als lesbisch geoutet.

Anna Lührmann (Grüne) war von 2002 bis 2009 und ist erneut seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages (Bild: photothek / Trutschel)
- 12. September 2025, 07:03h 4 Min.
Die queere Fraktion im Deutschen Bundestag wächst weiter. Mehr als 20 Jahre nach ihren erstem Einzug ins Berliner Parlament hat sich die Grünen-Politikerin Anna Lührmann in einem Interview mit der Tageszeitung "taz" als lesbisch geoutet. Seit Januar sei sie in einer Beziehung mit einer "wunderbaren Frau".
Eigentlich trenne sie berufliche und private Themen, sagte die ehemalige Staatsministerin für Europa und Klima im Auswärtigen Amt. "Meine sexuelle Orientierung ist etwas sehr Persönliches, und meine Beziehung zu meiner Partnerin ist mein privates Glück", so die 42-Jährige. "Aber ich habe gemerkt, dass sich für mich vieles verändert hat. Früher musste ich mir keine Gedanken machen, ob wir einfach so Händchen haltend durch die Straße laufen können. Heute muss ich das."
Anlass für das öffentliche Coming-out sei der CSD am Wochenende in ihrer Heimatstadt Hofheim, erklärte Lührmann. "Ich war in letzter Zeit auf vielen CSDs und es hat mich immer ein wenig genervt, dass ich da als Ally wahrgenommen wurde. In meiner Heimatstadt sollte sich das nicht wie ein Geheimnis anfühlen."
Rechtsruck: Lührmann will "jetzt erst recht laut und sichtbar" sein
Gleichzeitig wolle sie ein "klares Zeichen gegen den Rechtsruck setzen", so die Bundestagsabgeordnete. "Meine Lebenswirklichkeit verändert sich, denn die Bedrohungslage für queere Menschen hat sich spürbar verschärft", sagte Lührmann im "taz"-Interview. "Und es gibt inzwischen zwar viele offen lebende queere Personen, aber Sichtbarkeit ist weiterhin ungleich verteilt. In der Öffentlichkeit sehen wir deutlich mehr schwule Männer, sicher auch, weil Männer häufiger in Machtpositionen sind. Deshalb ist es wichtig, mehr für lesbische Sichtbarkeit zu tun."

Anna Lührmann bei einer Rede im Deutschen Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Ute Grabowsky / photothek)
Die AfD trage zum Bedrohungsgefühl bei, erklärte die Grünen-Politikerin. Der Bundestag habe in dieser Legislaturperiode zwar "so viele offen queere Politiker*innen wie noch nie, aber gleichzeitig auch so viele Rechtsextreme wie noch nie. Wir haben diesen riesigen rechtsextremen Block, der alle erkämpften Rechte wieder wegnehmen will."
Im Parlament sehe sie jeden Tag, wessen Geistes Kind diese Leute sind, sagte Lührmann. "Ihre Verachtung gegenüber allen Menschen, die anders als sie denken und sind – insbesondere queere Personen. Aber sie bekommen weder meinen Hass noch meine Angst. Im Gegenteil, es motiviert mich, jetzt erst recht laut und sichtbar zu sein."
Glückwünsche von Sven Lehmann und Ulle Schauws
Anna Lührman zog 2002 im Alter von 19 Jahren als jüngstes Mitglied erstmals in den Deutschen Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2009 kandierte sie nicht erneut, 2021 kehrte sie jedoch ins Berliner Parlament zurück. In der Ampel-Regierung war die Politikwissenschaftlerin Staatsministerin für Europa im Außenministerium sowie Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Seit März 2025 ist sie Landesvorsitzende der Grünen in Hessen. Lührmann war früher mit einem Diplomaten verheiratet und hat mit ihm eine gemeinsame Tochter.
Ihr Coming-out feierte die Bundestagabgeordnete auch in sozialen Medien. "Ich bin lesbisch und das ist auch gut so", schrieb Lührmann auf Instagram. Von queeren Parteifreund*innen gab es viel Unterstützung. "Wunderbares Statement und Interview", kommentierte der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung Sven Lehmann. "Ich freue mich über dein klares Signal", schrieb die Abgeordnete Ulle Schauws. "Zusammen gegen Rechts und zusammen für mehr lesbische Sichtbarkeit." (mize)
Andreas Audretsch (Grüne, Landesliste Berlin)
Felix Banaszak (Grüne, Landesliste NRW)
Victoria Broßart (Grüne, Landesliste Bayern)
Maik Brückner (Linke, Landesliste Niedersachsen)
Lars Castellucci (SPD, Landesliste Baden-Württemberg)
Jeanne Dillschneider (Grüne, Landesliste Saarland)
Falko Droßmann (SPD, Direktmandat Hamburg-Mitte)
Tobias Ebenberger (AfD, Landesliste NRW)
Kay Gottschalk (AfD, Landesliste NRW)
Ricarda Lang (Grüne, Landesliste Baden-Württemberg)
Sven Lehmann (Grüne, Direktmandat Köln II)
Lin Lindner (Linke, Landesliste Rheinland-Pfalz)
Max Lucks (Grüne, Landesliste NRW)
Anna Lührmann (Grüne, Landesliste Hessen)
Matthias Miersch (SPD, Direktmandat Hannover-Land II)
Matthias Mieves (SPD, Direktmandat Kaiserslautern)
Sepp Müller (CDU, Landesliste Sachsen-Anhalt)
Charlotte Neuhäuser (Linke, Landesliste NRW)
Ulle Schauws (Grüne, Landesliste NRW)
Marlene Schönberger (Grüne, Landesliste Bayern)
Lisa Schubert (Linke, Landesliste NRW)
Nyke Slawik (Grüne, Landesliste NRW)
Jens Spahn (CDU, Direktmandat Steinfurt I – Borken I)
Hendrik Streeck (CDU, Direktmandat Bonn)
Wolfgang Stefinger (CSU, Direktmandat München-Ost)
Alice Weidel (AfD, Landesliste Baden-Württemberg)
Stand 12.09.2025. Diese Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Weil wir niemanden ungewollt outen möchten, tauchen manche Namen bislang nicht auf. Wer sich zur "LGBTI-Fraktion" zählt, kann sich gerne bei uns melden!














