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Buchtipp

Lachgesang über den Schwanz

Das neue Buch "Das Pen!smuseum" von Mareike Fallwickl und Eva Reisinger ist ein wütender Aufschrei – eine laute, blutige, manchmal groteske Abrechnung mit dem Patriarchat.


Mareike Fallwickl veröffentlichte 2022 den Bestseller "Die Wut, die bleibt", von Eva Reisinger ist ein Jahr später der Roman "Männer töten" erschienen (Bild: Pamela Rußmann)

Anna liebt es, hochschwanger mit jungen Männern ins Bett zu steigen. Gerade weil es verboten wirkt, weil sie Sex hat, für den sie gesellschaftliche Verachtung erntet. Sie fühlt sich "wie so eine unsichtbare Revoluzzerin", und ihre Freundin Maria ätzt, ihr Kind werde diesen "Revoluzzerspirit schon mit der Muttermilch aufsaugen".

Die Neuerscheinung von Mareike Fallwickl und Eva Reisinger – beide haben mit ihren Werken in den letzten Jahren ordentlich Staub aufgewirbelt – ist ein wütendes Buch. "Das Pen!smuseum" (Amazon-Affiliate-Link ) sammelt Erfahrungen von Frauen, ihre Narrative sind lose verknüpft, werfen sich Bälle zu, springen von Geschichte zu Geschichte. Was sie eint: unbändige Wut auf das Patriarchat. Ein Zitat bringt den Ton des Bandes auf den Punkt: "Lebensgeschichten treffen aufeinander in all ihrer Fülle und lösen sich auf im Lachgesang über den Schwanz."

Immer wieder verhöhnt das Buch den Phallus


"Das Pen!smuseum" ist Anfang September 2025 im Leykam Verlag erschienen

Darum geht es: "Tame the dick", zähme den Schwanz. Illustrationen (von Andrea Z. Scharf) zeigen Penisse eingeschnürt, abgeschnürt, in Lederstiefeln. Immer wieder verhöhnt das Buch den Phallus und fragt, wie es dieses hässliche Fleischgewülst geschafft hat, ganze Gesellschaften zu dominieren. Die Konsequenz: patriarchale Gewalt mit Gegengewalt beantworten. Hodensäcke werden durchstochen, Männer kastriert, Blut fließt. Wut zerstört, ja – aber aus Wut kann auch Neues entstehen. Nur: Oft sehnt man sich nach einer feministischen Perspektive, die über pure Reaktion hinausgeht. Denn solange FLINTA-Personen als Mitgestalter*­innen der Geschlechterordnung undenkbar bleiben, wirkt das Buch in seiner Rachefantasie gefangen.

Das titelgebende Museum wird zur Bühne: Hier werden ungefragt im Schlaf geschossene Dickpics ausgestellt, hier gilt: Zutritt nur für alle, die keine cis Männer sind. Die Figuren bleiben bewusst skizzenhaft – aber genau das ermöglicht Identifikation. Denn die Wut gehört allen: Diese Frauen sind wir alle. Jede trägt den patriarchalen Schmerz einer Gisèle Pelicot in sich, die von unzähligen Männern unter K.O.-Tropfen vor der Kamera ihres eigenen Mannes vergewaltigt wurde. Immer wieder setzt das Buch auf die Kraft von Gemeinschaft: Frauen, die sich gegenseitig stützen, Allianzen knüpfen. Es zeigt die Belastungen, die ihnen nach wie vor zugeschrieben werden: Kinder, Fürsorge, repetitive, unsichtbare Tätigkeiten.

Ein Buch voller Wut, voller Gegenschläge, ohne Ausweg

Am stärksten wird "Das Pen!smuseum", wenn die Form selbst Teil der Erzählung wird. Geschichten erscheinen als To-Do-Listen, Chats, dramatische Miniaturen. In "Was machst du schon wieder für ein Theater" verdichtet sich fehlschlagende Kommunikation, das permanente Kleinklein der Mikroaggressionen, das Unverständnis der Männer – bis zu einem furiosen Endbild: Frauen, die ungehemmt öffentlich schlemmen, viral auf Social Media.

Auch die Gastbeiträge glänzen. Sophia Süssmilch bringt ihre eigene künstlerische Handschrift in den Band ein, während Jovana Reisinger mit dem Text "Eine Entschuldigung fürs Mannsein" einen besonderen Akzent setzt. Ursprünglich sollte zudem Gertraud Klemm mitwirken, doch nachdem alte Texte von ihr mit transfeindlich kritisierten Aussagen öffentlich wurden, wurde sie aus dem Projekt ausgeschlossen.

"Aber wann geht es beim Sex schon wirklich darum, was Frauen wollen?", fragt das Buch. Seine Antwort: mit einer Fülle von Geschichten, die die weibliche Perspektive radikal ins Zentrum rücken. Ein Buch voller Wut, voller Gegenschläge, ohne Ausweg. Die Protagonistinnen schlagen zurück, verwandeln sich in Täterinnen, verweigern die Ohnmacht. "Lächerlich, dass er denkt, er sei dir gegenüber im Vorteil", heißt es höhnisch. "Das Pen!smuseum" ist kein feministisches Manifest, sondern ein wütender Aufschrei. Eine laute, blutige, manchmal groteske Abrechnung.

Infos zum Buch

Mareike Fallwickl, Eva Reisinger: Das Pen!smuseum. Mit Texten von Jovana Reisinger, Sophia Süßmilch und Illustrationen von Andrea Z Scharf. 232 Seiten. Leykam Verlag. Graz 2025. Gebundene Ausgabe: 25 € (ISBN 978-3-7011-8355-5)

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