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Düsseldorf
Eine Ausstellung über Geilheit, Intimität und Provokation
Die neue Schau "Sex Now" im NRW-Forum Düsseldorf zeigt, begleitet von elektrisierender Musik, Körper, Lust, Bekanntes wie Unbekanntes, Kuriositäten, Explizites und auch viel Queeres. Der Besuch ist erst ab 18 erlaubt.

Blick in die Ausstellung (Bild: Anne Orthen)
- Von Christopher Filipecki
13. September 2025, 10:07h 4 Min.
"Sex Now", also "Sex Jetzt". Ist Sex aktuell so anders als zuvor? Damit, wie sich sexuelle Handlungen in allen Facetten seit der sexuellen Revolution 1968 veränderten, beschäftigt sich die vor wenigen Tagen gestartete Ausstellung "Sex Now" im NRW-Forum Düsseldorf.
Schon bevor es richtig losgeht, kann man es sich erst einmal auf einem puffigen, in roten Farben getauchten Bett bequem machen, das im Eingangsbereich steht. Das NRW-Forum zeigt sich bis zum 3. Mai 2026 von seiner kuscheligen, knallbunten und intimen Seite – und das alles gleichzeitig. In der Ausstellung von Alain Bieber (künstlerischer Leiter NRW-Forum) und Judith Winterhager (kuratorische Assistenz) können um die 400 Werke angeschaut werden. Einige lassen sich sogar in die Hand nehmen oder anderweitig ausprobieren. So wie eben das auffällige Bett, das einen in Stimmung bringen soll. Tipp an dieser Stelle: Unbedingt Schuhe für die Ausstellung tragen, die man schnell an- und ausbekommt, um sämtliche Interaktivitäten testen zu können.
Wände voller Close-ups von Vulven und Penis-Selfies
Sex ist schmuddelig, schambehaftet und gehört hinter verschlossene Türen in heimelige Gefilde. Dass damit 2025 aber wirklich endgültig Schluss ist, beweist die überraschende, informative und neugierig machende, jedoch nur für volljährige Menschen besuchbare Ausstellung. Rund zwei Stunden Zeit sollte man mitbringen, um entspannt durch die zehn unterschiedlichen Welten zu laufen, die sich mit mehreren Aspekten von Geilheit, Intimität, Provokation und dem Sprengen von Grenzen beschäftigt, die oft sowieso nur im Kopf existieren.

Blick in die Ausstellung (Bild: Anne Orthen)
In der "Fluffy Library" lässt es sich bequem aushalten. Einfach langmachen auf plüschigen Sitzmöglichkeiten und dabei durch Literatur und Comics blättern, die nicht nur heteronormativ funktionieren, sondern Feminismus im Porno zeigen, trans, Non-Binarität sowie die unterschiedlichsten Körperformen nicht vergisst. "Untenrum" hingegen präsentiert gleich mehrere Wände voller Close-ups von Vulven und Penis-Selfies – manche regen an, manche wirken hingegen äußerst skurril. Sowieso fällt es in der Ausstellung gar nicht so leicht, ob man sich bei einigen Werken fasziniert davorstellt und gebannt zuschaut, irritiert wegschaut und weitergeht oder auch mal herzlich loslacht.
Besucher*innen können sich ans Andreaskreuz fesseln lassen
Ein ASMR-Raum, der sich aus einer chilligen Liege, fesselndem Raumduft und sexy Sounds zusammensetzt, findet sich in dem Bereich "Killing Me Softly". Nur einen Raum daneben landet man schnell in ganz anderen Emotionen, wenn sich Videoinstallationen wie Gemälde um die "#MeToo"-Debatte drehen. Auch alte "Spiegel"- und "Stern"-Ausgaben finden ihren Weg ins NRW-Forum, um zu zeigen, wie diffamierend noch vor wenigen Jahrzehnten über schwule Männer und HIV in renommierten Zeitschriften berichtet wurde. Ein Sprung in die Vergangenheit, der viel weiter weg wirkt, als er eigentlich ist.

Blick in die Ausstellung (Bild: Anne Orthen)
"PorYes" statt "PorNo" – Zettel und Stift liegen aus, um einer geheimen Sex-Fantasie freien Lauf zu lassen, sie zu notieren und an eine Wand zu kleben. Wenn man sich denn traut, schließlich schaut immer irgendwer gebannt zu. Außerdem können in einem kleinen Kinoraum artsy Videos angeschaut werden, die man so selten bis nie auf mainstreamigen Pornoseiten angezeigt bekommt.
Wer schon immer mal mit Freund*innen einen Umschnall-Dildo oder Harness anlegen oder sich direkt ans Andreaskreuz fesseln lassen wollte, kann sich spielend in der Welt "Kinky" ausprobieren, währenddessen sich direkt daneben riesige Zeichnungen von Tom of Finland bestaunen lassen. Wohin sexuelle Befriedigung in naher Zukunft steuern kann, offenbaren Videospiele, die teils sogar mit Virtual-Reality-Maske getestet werden dürfen. Wer sammelt am schnellsten genug Körperflüssigkeiten von Männern?
Awareness Team vor Ort
Im krassen Gegensatz setzt sich der Künstler Zheng Bo in seiner Arbeit "Pteridophilia" mit dem Gefühl von Farnen auf der Haut auseinander, also der Verbundenheit zwischen Mensch und Natur. Zu sehen ist der Film in der als "Futuresex" betitelten Ecke der Ausstellung. Ein gesunder Umgang mit sich selbst, ein respektvoller Umgang mit anderen – Grundvoraussetzungen für sexuellen, erfüllenden Spaß. So darf "Sexual Wellness" als Thema nicht fehlen, das Toys aus mehreren Dekaden ausstellt.

Blick in die Ausstellung (Bild: Anne Orthen)
"Sex Now" zeigt, begleitet von atmosphärischer wie elektrisierender Musik, Körper, Lust, Bekanntes wie Unbekanntes, Kuriositäten und Explizites. Dabei ist jeglicher Umgang mit der Thematik ok, solange sich niemand unwohl fühlt. Ein Awareness Team vor Ort darf zu jeder Zeit angesprochen werden. Die bis ins Frühjahr laufende Ausstellung ist spannend und kurzweilig, äußerst unterhaltsam und witzig, an- und erregend, divers gedacht und eine Brücke zwischen Welten, die sich nur auf den ersten Blick gegenseitig ausschließen. Zum Abschluss unbedingt einen Blick in den Museumsshop werfen, der schicke Accessoires, Poster, Taschen, Postkarten, Bücher, exklusive Playboy-Ausgaben und Tenga-Eggs bereithält.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung auf der Homepage des NRW-Forums Düsseldorf
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de















