Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?55061

Mecklenburg-Vorpommern

350 Nazis konnten ersten CSD in Grevesmühlen nicht verhindern

Mit dem Motto "Unsere Liebe ist stärker als Euer Hass" setzte der CSD Grevesmühlen ein Zeichen für Vielfalt in Nordwestmecklenburg. Eine rechtsextreme Gegendemo schreckte aber offenbar viele Menschen vor einer Teilnahme ab.


Menschen am Samstag beim ersten CSD in Grevesmühlen (Bild: nordmagazin)

Der erste Christopher Street Day (CSD) in Grevesmühlen hat am Samstag eine gute Resonanz gefunden, doch blieb die Teilnahme hinter den Erwartungen der Initiator*­innen zurück. "Ich bin sicher, dass deutlich mehr queere Menschen gekommen wären. Viele haben sich aber durch die angekündigte Gegendemo der Rechtsextremisten abschrecken lassen", sagte Roy Rietentidt, Geschäftsführer des LSVD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Er habe Verständnis für eine solche Reaktion, doch sei Angst ein schlechter Ratgeber, wenn es darum gehe, grundlegende Rechte zu verteidigen. Liebe müsse stärker sein als Hass. Das sei auch die Kernbotschaft der CSD-Bewegung, die sich nicht einschüchtern lassen dürfe, betonte Rietentidt. Enttäuscht äußerte er sich, dass Landrat Tino Schomann (CDU) nicht am CSD teilnahm. Er habe kurzfristig abgesagt.

- Werbung -

Werben für Toleranz, Demokratie und Mitmenschlichkeit

Nach Angaben der Polizei hatten sich rund 1.000 Menschen dem stimmungsvollen Zug durch die Kleinstadt in Nordwestmecklenburg angeschlossen, die laut Rietentidt erstmals Gastgeber eines CSD war. Auf Kundgebungen und an Informationsständen wurde für Toleranz, Demokratie und Mitmenschlichkeit geworben. Unter dem Motto "Unsere Liebe ist stärker als Euer Hass" hatten die Organisator*innen dazu eingeladen, "sich für eine vielfältige Gesellschaft und die Rechte queerer Menschen einzusetzen". Die Veranstalter*innen sprachen von rund 1.500 Teilnehmenden.

Unmittelbar vor dem Start protestierten nach Polizeiangaben etwa 350 Anhänger der rechtsextremen Szene gegen die Veranstaltung. Die Initiatoren um einen bekannten Neonazi aus der Region hatten ihre Aktion unter das Motto "Für Familie, Heimat und Tradition – statt CSD, Pädophilie und Perversion!" gestellt.

Heftige Kritik an Neonazi-Gegendemo

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Anne Shepley nannte das Motto widerwärtig. Es diffamiere queere Menschen und suggeriere kriminelles Verhalten. "Hier wird versucht, gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten wieder infrage zu stellen: dass jeder Mensch das Recht hat, frei, sicher und in Würde zu leben", erklärte sie.

Bürgermeister Lars Prahler sah darin eine "menschenverachtende Verunglimpfung von queeren Personen", gegen die klar, aber friedlich Stellung bezogen werden müsse. Prahler besuchte den CSD, ergriff nach Angaben Rietentidts entgegen den Erwartungen aber nicht das Wort.

Laut Polizei hatten am Mittag insgesamt etwa 380 Menschen bei zwei Versammlungen am Bahnhofsvorplatz und am Bürgerpark lautstark gegen den Marsch der Rechtsextremisten protestiert. Viele von ihnen hätten sich dann aus Solidarität beim CSD eingereiht.

280 Polizeibeamt*innen im Einsatz

Zusammenstöße habe es bis zum frühen Abend nicht gegeben. Doch seien Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Vermummung sowie Schutzbewaffnung eingeleitet worden. In zwei Fällen werde das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafrechtlich verfolgt.

Die Ordnungskräfte waren den Angaben zufolge mit einem Großaufgebot von etwa 280 Polizeibeamt*innen im Einsatz. Polizei und Versammlungsbehörde hatten an alle Teilnehmer*innen und Besucher*innen appelliert, "das Recht auf freie Meinungsäußerung in einem respektvollen Miteinander wahrzunehmen" und so einen störungsfreien Ablauf aller Versammlungen zu gewährleisten.

Die CSD-Organisator*innen sprachen am Samstagabend von einem "vollen Erfolg". "Trotz massiver Anfeindungen und offener Gewaltaufrufe von Rechtsextremen im Vorfeld konnte die Community weitestgehend störungsfrei demonstrieren", erklärten sie in einer Pressemitteilung. "Der CSD Grevesmühlen konnte ein starkes Signal senden: Wir lassen uns das Demonstrieren nicht nehmen – auch nicht auf dem Land", so CSD-Co-Moderator Sebastian Hüller. (cw/dpa)

-w-

-w-

-w-