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Interview

Was reizt dich am schwulen Henker von Paris, Martin Schnick?

In seinem neuen Roman "Madame de Paris" erinnert der Kölner Autor Martin Schnick an den berüchtigten Scharfrichter Henri-Clément Sanson (1799-1889) und verbindet historische Fakten mit Krimi-Elementen und persönlichen Tragödien.


Illustration auf dem Cover von Henri-Clément Sansons Memoiren "Les Sanson" (Bild: Edition Jourdan)

Soeben ist ein historischer Roman von Dir erschienen, eine schockierende und berührende Geschichte über einen homosexuellen Henker im Paris des 19. Jahrhunderts. Worum geht es in "Madame de Paris" (Amazon-Affiliate-Link ) genau?

Martin Schnick: Im Zentrum des Romans steht Henri-Clément Sanson, der letzte Spross der berüchtigten Scharfrichterdynastie. Er war spielsüchtig, homosexuell und eine schillernde Figur der französischen Geschichte. Er machte seinen Geliebten zum Gehilfen, er verkaufte mehrmals das Beil, mit dem Marie Antoinette enthauptet wurde und verpfändete sogar einst die Guillotine, um seine Spielschulden zu begleichen. Im Jahr 1847 wurde er im Zuge des Skandals um den ebenfalls homosexuellen Justizminister Martin du Nord unerwartet aus dem Henkersamt entlassen.

Wie bist du auf diesen außergewöhnlichen Stoff gestoßen?


Der Roman "Madame de Paris" ist seit 11. September 2025 im Buchhandel erhältlich

Ich war über viele Jahre nebenher als Reiseleiter für Paris tätig, und dabei fiel mir eines Tages ein Buch über die Henker Frankreichs in die Hände. Darin wurde auch kurz Henri-Clément Sanson erwähnt, der angeblich homo­sexuell gewesen sei. Schwul und Henker? Das konnte ich mir nicht vorstellen und begann, weiter zu recherchieren. Und dabei bin ich auf diesen – auch in Frankreich kaum bekannten – Skandal gestoßen. Da war ich angefixt.

Wie kommt es zu dem Buchtitel?

Der Henker wurde von den Menschen nur ehrfürchtig als "Monsieur de Paris" tituliert. Doch auch schon im 19. Jahrhundert war es in homo­sexuellen Kreisen üblich, die Namen zu feminisieren. So wurde beispielsweise Sansons Geliebter Hubert in den geheimen Archiven der Polizei nur als "die schöne Jean" geführt. In diesem Sinne wurde bei mir aus "Monsieur" eine "Madame".

Für wen ist dieses Buch besonders zu empfehlen?

Dem Henker habe ich einen heterosexuellen Protagonisten gegenübergestellt, einen jungen Journalisten namens Georges Dumas. Dieser kommt nach und nach den Geheimnissen des Henkers auf die Spur. Damit möchte ich ein breites Publikum für diese queere Thematik interessieren. Das Buch verbindet historische Fakten mit Krimi-Elementen und persönlichen Tragödien. Aufgrund der vielen Hinrichtungen, die im Detail beschrieben werden, sicherlich kein Buch für Zartbesaitete, aber definitiv ein Fest für alle Fans von True-Crime-Storys.

Direktlink | Das erste Kapitel des Romans wurde vom Autor als Podcast eingelesen
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Was planst du für die Zukunft?

Aktuell bin ich dabei, Lesungen zu organisieren. Ein erster Termin steht bereits fest. Am 14. November 2025 findet im Rahmen der Queeren Kulturtage Göttingen eine Lesung mit mir im Queeren Zentrum statt.

Infos zum Buch

Martin Schnick: Madame de Paris. Henri-Clément Sanson – der Henker von Paris. Roman. 148 Seiten, Turbulenzen Verlag. Ahrensburg 2025. Taschenbuch: 18,90 € (ISBN 978-3-3846-1370-7)

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