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Stimmungstest im Westen
NRW-Kommunalwahlen: Drei schwule OBs müssen in die Stichwahl
Die Oberbürgermeister von Essen und Mönchengladbach haben gute Aussichten, im Amt zu bleiben. Auch in Bielefeld könnte es wieder ein schwules Stadtoberhaupt geben. Einige queere Kandidierende erlitten allerdings Schiffbruch.

Die schwulen Kandidaten Thomas Kufen (li.) und Felix Heinrichs (Mitte) und Ingo Nürnberger würden gerne Großstadt-Oberbürgermeister bleiben bzw. werden (Bild: Mozamaniac / wikipedia, Mozamaniac / wikipedia, Instagram / Jannik Kontalis)
- 15. September 2025, 11:17h 5 Min.
Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen haben sich die beiden schwulen Großstadt-Oberbürgermeister, der CDU-Politiker Thomas Kufen aus Essen und der Sozialdemokrat Felix Heinrichs aus Mönchengladbach, gute Chancen, ihr Amt zu verteidigen. In Bielefeld könnte der schwule SPD-Politiker Ingo Nürnberger das Rathaus erobern. Alle drei verfehlten jedoch am Sonntag die absolute Mehrheit und müssen sich in zwei Wochen einer Stichwahl stellen. In NRW müssen führende Kandidatinnen und Kandidaten grundsätzlich in einer Stichwahl gegen den Zweitplatzierten oder die Zweitplatzierte antreten, sollten sie nicht auf Anhieb mehr als 50 Prozent erobern.
Kufen kam in Essen unter acht Bewerber*innen auf 42,3 Prozent der Stimmen. Der 52-jährige Bürokaufmann muss damit am 28. September gegen Julia Klewin (SPD) antreten, die mit 20,2 Prozent den zweiten Platz erreichte. Kufen ist seit Oktober 2015 Stadtchef. Vor fünf Jahren schaffte er bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit 54,3 Prozent in der viertgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens. Kufen ist der ehemalige Integrationsbeauftragte der NRW-Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.
Vielen Dank für das Vertrauen! Die CDU bleibt stärkste Kraft in Essen. Über 100.000 Stimmen im ersten Wahlgang bei der...
Posted by Thomas Kufen on Sunday, September 14, 2025
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In Mönchengladbach erreichte der SPD-Oberbürgermeister Felix Heinrichs 43,4 Prozent. Er muss sich in der Stichwahl dem Christdemokraten Christof Wellens stellen, der mit 28,8 Prozent den zweiten Platz belegte. Bei der Wahl vor fünf Jahre musste der heute 36-Jährige ebenfalls in die Stichwahl – damals hatte er mit 37,5 Prozent im ersten Wahlgang noch ein schwächeres Ergebnis gehabt. Am Ende gewann er die Stichwahl deutlich mit 74 Prozent.
Der bisherige Bielefelder Sozial- und Integrationsdezernent Ingo Nürnberger landete mit mit 30,3 Prozent nur knapp hinter der CDU-Kandidatin Christiana Bauer lag (33,0 Prozent). Der 52-Jährige will nun in den nächsten zwei Wochen in der Universitätsstadt noch genug Menschen überzeugen, um den Rückstand aufzuholen. Der bisherige Stadtchef Pit Clausen, der wie Nürnberger schwul und Sozialdemokrat ist, trat nach 16 Jahren im Amt nicht mehr an.
Wir kommen grad vom Standesamt und haben unsere "eingetragene Partnerschaft" in eine "Ehe" umwandeln lassen. Große...
Posted by Ingo Nürnberger on Monday, January 29, 2018
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Keine Stichwahl nötig hat dagegen Marc Herter, seit 2020 Oberbürgermeister der 180.000 Einwohner*innen zählenden Stadt Hamm. Der 51-Jährige erhielt bereits im ersten Wahlgang 63,6 Prozent der Stimmen – und deklassierte damit seinen CDU-Herausforderer Jochen Dornseifer, der 17,0 Prozent erreichte. Vor fünf Jahren musste Herter noch in die Stichwahl. Herter lebt mit einem Mann zusammen und engagiert sich offen für queere Themen. Er hat sich in Medien zur Ansicht bekannt, dass "queer zu leben" selbstverständlich sein sollte ohne besondere Kennzeichnung wie einen Coming-Out-Day.
Ein dickes Dankeschön für die megavielen guten Wünsche ? Gemeinsam haben wir gezeigt: Hamm hält zusammen und Hamm packt...
Posted by Marc Herter on Monday, September 15, 2025
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Wiedergewählt worden ist auch der parteilose Dietmar Thönnes, der vor fünf Jahren überraschend deutlich die Wahl in der 20.000 Einwohner*innen zählenden Stadt Nottuln im münsterländischen Kreis Coesfeld gewinnen konnte. Er trat ohne Gegenkandidat an und erreichte 63,6 Prozent Ja-Stimmen.
Ein Debakel erlebte dagegen der 29-jährige Realitystar Jannik Kontalis, der sich zuletzt wiederholt mit Bill Kaulitz gezeigt hatte. Er erreichte in Mönchengladbach unter elf Kandidierenden den elften Platz – mit ganzen 848 Stimmen oder 0,9 Prozent. Kaulitz hatte mit Blick auf Kontalis' Bewerbung in seinem "Kaulitz Hills" kürzlich noch gescherzt: "Ich möchte jetzt einmal direkt mit den Gerüchten aufräumen und möchte sie bestätigen: Es ist richtig, ich werde First Lady von Mönchengladbach."
Jannik Kontalis will Oberbürgermeister von Mönchengladbach werden. Wir haben mal rumgefragt, was seine Reality-Kolleginnen und Kollegen so davon halten… #RTF #ReJu #JannikKontalis #RTLPlus
Posted by RTL+ on Friday, July 18, 2025
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Auch Michael Kauch, der Bundesvorsitzende der FDP-Organisation Liberale Schwule, Lesben, Bi, Trans und Queer (LiSL), erlebte keinen guten Abend. Bei der OB-Wahl in seiner Heimatstadt Dortmund erreichte der 58-Jährige unter 13 Kandidierenden mit 1,2 Prozent der Stimmen nur den zwölften Platz. Als der ehemalige Bundestags- und Europaageordnete vor fünf Jahren angetreten war, hatte er noch 3,1 Prozent bekommen, das reichte damals noch für den fünften Platz. Ursache dürfte auch der negative Bundestrend seiner Partei sein. In die Stichwahl werden SPD-OB Thomas Westphal und sein CDU-Herausforderer Alexander Omar Kalouti gehen.
Immerhin: 2,1 Prozent für die FDP bei der Stadtratswahl reichten für Kauch für einen Sitz. "Wir werden das Beste aus dem Wahlergebnis herausholen, um Veränderungen für Dortmund zu erreichen", versprach er auf Facebook.
Ich danke allen Wählerinnen und Wählern der Dortmunder FDP für das Vertrauen und die Wiederwahl in den Stadtrat. ? Trotz...
Posted by Michael Kauch on Sunday, September 14, 2025
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CDU mit Abstand stärkste Kraft, aber geschwächt
In ganz NRW gewann erneut die CDU, die allerdings mit 33,3 Prozent (-1,0 Prozent) ihr ohnehin schwaches Ergebnis von vor fünf Jahren noch einmal unterboten hat. 1999 konnten die Christdemokrat*innen noch über 50 Prozent der Stimmen erzielen, seitdem geht es kontinuierlich nach unten. Auch die SPD war mit 22,1 Prozent (-2,2 Prozent) schwach wie nie. Verdreifacht hat sich der Stimmenanteil der AfD, die es auf 14,5 Prozent (+9,4 Prozent) brachte. Im Vergleich zur Bundestagwahl vor einem guten halben Jahr verlor die rechtsextreme Partei aber mehr als zwei Prozentpunkte.
Einen schlechten Abend hatten auch – wie erwartet – die Grünen, die mit 13,5 Prozent (-6,5 Prozent) den vierten Platz erreichten, aber im Vergleich zur Bundestagswahl leicht zulegen konnten und ihr historisch zweitbestes Ergebnis bei NRW-Kommunalwahlen erreichen konnten. Die Linke brachte es auf 5,6 Prozent (+1,8 Prozent), die FDP fiel auf 3,7 Prozent (-1,9 Prozent). Das queerfeindliche BSW musste sich mit 1,1 Prozent landesweit noch hinter der Kleinpartei Volt einordnen.
Regional waren die Ergebnisse jedoch recht unterschiedlich: So konnten die Grünen ihre relative Mehrheit in Köln behaupten und haben gute Chancen, die Oberbürgermeisterin zu stellen. Berivan Aymaz muss sich in der Stichwahl dem SPD-Kandidaten Torsten Burmester stellen.
/ Volker_Beck | Volker Beck freut sich über den Erfolg der Grünen in Köln – und hat ein paar Tipps@Die_Gruenen müssen insgesamt ihre Selbstbezogenheit & -gefälligkeit, gerade auch in der Kommunikation, überwinden. Weniger Lifestyle, mehr klimagerechte Modernisierung und Probleme der Inneren Sicherheit, auch im Kontext Migration, lösen statt wegzureden.
Volker Beck (@Volker_Beck) September 14, 2025
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In Münster ist die Ökopartei im Stadtrat zudem mit 31,6 Prozent erstmals stärkste Kraft im Stadtrat vor der CDU – auch der grüne OB-Kandidat Tilman Fuchs lag vorne und muss in der Stichwahl gegen CDU-Kandidaten Georg Lunemann antreten. Gerade auf dem Land lief es für die Grünen hingegen weniger gut.
CDU und SPD erzielten beide regional einige gute Ergebnisse. Am Wahlabend und am Montag wurden Vertreter*innen der beiden Parteien daher nicht müde, die positiven Zahlen hervorzuheben.
Die rechtsextreme AfD konnte besonders in den urbanen Zentren im Ruhrgebiet zulegen, allerdings in keinem Kreis und in keiner kreisfreien Stadt die relative Mehrheit erzielen. Den größten Zuwachs hatte die AfD mit 17 Prozentpunkten in Gelsenkirchen, den geringsten mit plus 2,3 Prozent in Münster. Besonders hohen Zuspruch erhielt die AfD in Stadtteilen mit höherer Arbeitslosigkeit und geringerem Einkommen – in Köln war sie etwa besonders stark in Chorweiler und Porz. (dk)
Anmerkung: Nachträglich ergänzt (Ingo Nürnberger, Marc Herter und Dietmar Thönnes)














