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Cancel Culture
Nach Kritik von Grenell: ZDF beruft sich auf Pressefreiheit
Ein Vertrauter Trumps fordert den Entzug des Visums eines ZDF-Korrespondenten – und bezeichnet den Journalisten als linksradikalen Aufwiegler. Das ZDF verteidigt seinen Mitarbeiter.

Richard Grenell will offenbar nur noch Journalist*innen in den USA dulden, die seiner Meinung sind (Bild: Gage Skidmore / flickr)
- 15. September 2025, 12:26h 3 Min.
Scharfe Kritik des früheren US-Botschafters Richard Grenell an dem ZDF-Journalisten Elmar Theveßen hat der Mainzer Sender mit einem Verweis auf die Pressefreiheit gekontert. Der offen schwule Grenell hatte den Leiter des ZDF-Studios in Washington unter anderem als linksradikal bezeichnet und gefordert, ihm das US-Visum zu entziehen. Das ZDF teilte knapp mit, man nehme die Aussagen zur Kenntnis. "Die Arbeit von Elmar Theveßen ist durch die Pressefreiheit geschützt." Sie sei ein hohes Gut, in Deutschland und in den USA.
Am Samstag hatte Grenell auf X einen Videoausschnitt von "Auslandsjournal – der Podcast" geteilt, in dem Theveßen sich unter anderem zu Stephen Miller äußert, dem stellvertretenden Stabschef von US-Präsident Donald Trump.
Theveßen sprach darin von einer Tech-Elite, die versuche, die US-Demokratie zu schwächen. "Und so wie die gibt es auch andere, wie zum Beispiel Stephen Miller (…), der sehr extreme Ansichten hat, der in seinen Überzeugungen auch ein Stück weit, ich sag mal, aus der Ideologie des Dritten Reiches kommt." Theveßen spielte damit auf den Juristen Carl Schmitt an, der als NS-Vordenker gilt.
Journalistenverband schreibt Brief an US-Botschaft
Grenell, ein enger Vertrauter Trumps, schrieb mit Bezug auf Theveßen: "Dieser linksradikale Deutsche ruft immer wieder zu Gewalt gegen Menschen auf, mit denen er politisch nicht übereinstimmt." Als Journalist gebe er sich lediglich aus, so Grenell. "Sein Visum sollte widerrufen werden." Belege für die Behauptung zu den Gewaltaufrufen führt er nicht an.
/ bodoramelow | Deutsche Journalist*innen werden derzeit vermehrt von Rechts oder aus dem Ausland attackiert – etwa auch die queere ZDF-Moderatorin Dunja HayaliSolidarität mit Dunja Hayali und Elmar Theveßen! Einfach nur noch Irre, was da passiert. Hass und Hetze als Merkmal von unsozialen Medien und Unverantwortlichen Politikern. Richard Grenell fordert Visa-Entzug für Elmar Theveßen – wie wäre es mit einem
Bodo Ramelow (@bodoramelow) September 14, 2025
Einreiseverbot für Grenell? https://t.co/aYTRE3WwsT
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Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte Grenells Forderung: "Solange sich Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit bewegen, gehören staatliche Zwangsmaßnahmen wie der Entzug des Visums nicht in das Arsenal freiheitlicher Demokratien", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. In einem Brief an die US-Botschaft in Berlin habe der Verband gefordert, solche Drohungen zu unterlassen.
Theveßen auch zuvor schon in der Kritik
Grenell war von 2018 bis 2020 – in Trumps erster Amtszeit – Botschafter der USA in Deutschland und in dieser Zeit immer wieder mit seiner eher undiplomatischen Art angeeckt. Zeitweise war er auch US-Geheimdienstdirektor – und damit der wichtigste offen schwule Trump-Vertreter in dessen erster Amtszeit.
Kritik an Theveßen hatte es bereits vergangene Woche nach Äußerungen in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" gegeben. Theveßen sagte darin über den erschossenen Trump-Unterstützer Charlie Kirk: "Er hat gesagt beispielsweise, dass Homosexuelle gesteinigt werden müssten." Erst auf Nachfrage von Lanz räumte Theveßen ein, Kirk beziehe sich hier auf die Bibel.
"Dieser Zusammenhang hätte deutlicher gemacht werden müssen", teilte das ZDF daraufhin mit. "Elmar Theveßen bedauert, an der Stelle nicht ausführlicher gewesen zu sein."
/ StrayDogNZ | Das sagte Charlie Kirk über die Bibel und Homosexuelle[Kirk] "lashed out at the gay community… expressing opposition to same-sex marriage and suggesting that the Bible verse Leviticus 20:13, which endorses the execution of homosexuals, serves as Gods perfect law when it comes to sexual matters.https://t.co/Fk5tSvgMtK pic.twitter.com/T6uuFsm5fQ
Nick (@StrayDogNZ) September 13, 2025
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Allerdings ist wahr, dass Kirk immer wieder gegen LGBTI-Rechte polemisiert hatte: Er sprach sich grundsätzlich gegen die Ehe für alle aus oder bezeichnete trans Menschen als psychisch krank und warf ihnen vor, Kinder zu missbrauchen. (dpa/cw)













