https://queer.de/?55103
Macht, Begehren und Widerstand
"Tosca" live im Kino
Mit Giacomo Puccinis "Tosca" eröffnet die Royal Opera ab dem 1. Oktober ihre neue Kinosaison – und bringt damit ein Werk auf die Leinwand, das weit mehr erzählt als eine tragische Liebesgeschichte.

Giacomo Puccinis "Tosca" erzählt von Liebe, Machtmissbrauch und dem Versuch, Würde inmitten zerstörter Ordnungen zu bewahren (Bild: Royal Opera House)
- 18. September 2025, 07:44h 2 Min.
Mit Giacomo Puccinis "Tosca" eröffnet die Royal Opera ab dem 1. Oktober ihre neue Kinosaison – und bringt damit ein Werk auf die Leinwand, das weit mehr erzählt als eine tragische Liebesgeschichte. In Oliver Mears' Inszenierung, dirigiert von Jakub Hrůša, wird die Oper zur Reflexion über Machtmissbrauch, Körperpolitik und den Versuch, Würde zu bewahren, wenn die gesellschaftliche Ordnung dagegen steht.
Vor dem Hintergrund eines zerstörten Roms begegnet Tosca nicht nur einem brutalen Polizeiapparat, sondern auch der Gewalt eines Mannes, der ihren Körper als Verhandlungsmasse instrumentalisiert. Scarpia steht für eine Struktur, die nicht nur im 19. Jahrhundert wirkte, sondern auch in heutigen Debatten rund um #MeToo, Safe Spaces und patriarchale Machtverhältnisse nachhallt. Toscas Widerstand kann dabei als queeres Narrativ gelesen werden: die Weigerung, das eigene Begehren oder die eigene Integrität einer repressiven Norm zu opfern.
Stück über das Überleben von Identität im Schatten von Gewalt

"Die Royal Opera – Tosca" läuft ab 1. Oktober 2025 weltweit im Kino
Puccinis Musik gibt diesem Widerstand Klang. "Vissi d'arte" wird zur Klage über eine Welt, die Kunst und Liebe zwar feiert, ihre Subjekte aber unterdrückt. "E lucevan le stelle" klingt wie ein intimes, queeres Bekenntnis, das in einem feindlichen Umfeld kaum ausgesprochen werden darf. In dieser Lesart wird "Tosca" zu einem Stück über das Überleben von Identität im Schatten von Gewalt.
Die Saison 2025/26 der Royal Opera geht über diese Deutung hinaus und öffnet weitere Räume für queere Lesarten: von "La traviata", die die Doppelmoral einer Gesellschaft sezziert, bis zu "Woolf Works", inspiriert von Virginia Woolf, deren queere Sensibilität in die Ballettsprache übersetzt wird. Ergänzt wird das Programm durch Klassiker wie "La Fille mal gardée", "Cinderella", "Der Nussknacker", "Giselle" und "Die Zauberflöte" sowie durch die Neuproduktion von "Siegfried".
Dass das Royal Opera House sich zugleich bemüht, seine Institutionen zu öffnen, Diversität im Publikum wie auf der Bühne zu fördern und ökologische wie soziale Verantwortung zu übernehmen, macht die Spielzeit auch zu einem Statement in der Gegenwart.
|
So zeigt "Tosca", dass Oper nicht nur ein Erbe ist, sondern ein Resonanzraum: für Fragen nach Macht und Begehren, nach queerer Sichtbarkeit und nach der Möglichkeit, Widerstand in Kunst zu verwandeln. (dd/pm)
Links zum Thema:
» Infos und Tickets
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
05:15h, RTL:
CSI: Vegas
Folge 291: Die Leiden des jungen Carl – Der junge Carl Abrams wurde ermordet, war seine Homosexualität ein Motiv für den Mörder?
Serie, USA 2012- mehr TV-Tipps »














