Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?55105

Katholische Kirche

Papst Leo XIV. bremst bei Reformansätzen der katholischen Kirche

Der Nachfolger von Franziskus betont in einem Interview-Buch zu queeren Themen eine einladende Kirche, die aber ihre Lehren nicht ändern werde.


Leo XIV. nach seiner Wahl am 8. Mai

  • 18. September 2025, 10:13h 3 Min.

Papst Leo XIV. will keine grundlegende Änderungen der katholischen Kirche im Umgang mit Frauen, LGBTQ-Rechten oder dem Missbrauchsskandal durch Priester vornehmen: "Wir müssen unsere Einstellungen ändern, bevor wir überhaupt daran denken können, die Haltung der Kirche zu einer bestimmten Frage zu ändern", sagte Leo im ersten Interview seines Pontifikats, das am Donnerstag auf Spanisch in dem Buch "Papst Leo XIV: Weltbürger, Missionar des 21. Jahrhunderts" veröffentlicht wurde.

Es sei "höchst unwahrscheinlich, zumindest in naher Zukunft", dass sich die Lehre der Kirche zu Sexualität oder Ehe ändern werde. In einem Frageabschnitt zu LGBTGQ-Fragen verwies der Papst auf eine Haltung aus Willkommensbereitschaft und Respekt, ohne Lehren zu ändern, und auf seine Unterstützung für die "traditionelle Familie", die aus "Vater, Mutter und Kindern" bestehe und anerkannt und gestärkt werden müsse.

In dem Interview schlug der vor vier Monaten in sein Amt gewählte Papst einen anderen Ton an als sein Vorgänger Franziskus. Der am Ostermontag mit 88 Jahren verstorbene Papst hatte sich während seines zwölfjährigen Pontifikats wiederholt für eine Öffnung der Kirche gegenüber Menschen eingesetzt, die traditionell als "Sünder" angesehen wurden, darunter Angehörige der queeren Community. Allerdings gab er zu entsprechenden Themen oft widersprüchliche Aussagen von sich. Reformern in der Kirche, etwa aus Deutschland, gingen viele Aussagen und Handlungen nicht weit genug.

Papst warnt vor Polarisierung

In dem nun veröffentlichten Interview mit der US-Journalistin Elise Ann Allen, das im Juni in zwei Teilen geführt wurde, sagte Papst Leo, er teile zwar den Wunsch von Franziskus, jeden in der Kirche willkommen zu heißen, "aber ich lade niemanden ein, weil er eine bestimmte Identität hat oder nicht hat". Vielmehr lade er Personen als Töchter oder Söhne Gottes ein.

Jedes Thema, das mit queeren Fragen zu tun habe, sei "höchst polarisierend", sagte Leo. Er bemühe sich, "die Polarisierung in der Kirche nicht weiter zu verstärken", wolle aber die Haltung des Willkommenseins unter seinem Vorgänger beibehalten. Er merkte an, dass viele Menschen eine Änderung der Lehre der Kirche in der Frage der Homosexualität forderten, aber erst müssten sich Einstellungen ändern.

Die Entscheidung von Franziskus, in sehr begrenztem Umfang und vielen Unterschieden zu heterosexuellen Paaren Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare zu genehmigen, hatte eine scharfe Gegenreaktion von Konservativen in der katholischen Kirche ausgelöst, insbesondere in den USA und mehreren afrikanischen Staaten. In dem Interview kritisierte Leo kirchliche Gruppierungen in Nordeuropa, die mit ritualisierten Segnungen über die Vatikan-Richtlinien hinausgingen. Gerade in Deutschland waren mit dem Synodalen Weg entsprechende Reformen erhofft worden, wenngleich sich eine Handreichung der Bischofskonferenz letztlich doch näher an dem Vatikan orientierte und von manchen Bistümern nicht mal umgesetzt wurde (queer.de berichtete).

Bremse auch bei anderen Themen angezogen

Auch Erwartungen hinsichtlich der viel diskutierten Frage des Zugangs von Frauen zum Amt der Diakonin dämpfte der 70-jährige Pontifex: "Ich habe derzeit nicht die Absicht, die Lehre der Kirche zu diesem Thema zu ändern."

Auf einen der größten Skandale der katholischen Kirche, den sexualisierten Missbrauch von Kindern durch Priester und Kirchenangehörige, ging der Papst ebenfalls ein. Der Missbrauch durch Geistliche sei zwar eine "eine echte Krise", bis zum Nachweis ihrer Schuld gelte jedoch die Unschuldsvermutung und Beschuldigte sollten entsprechend "geschützt" werden. Den Opfern müsse die Kirch mit "großem Respekt" und "Verständnis" begegnen, sagte Leo. Das Thema sexueller Missbrauch solle während seines Pontifikats aber "nicht zum zentralen Thema der Kirche werden".

Das Buch war am Donnerstag in Peru veröffentlicht worden. Das Oberhaupt der katholischen Kirche war vor seiner Wahl zum Papst fast 20 Jahre als Missionar in Peru tätig. Eine englischsprachige Version des Buches soll Anfang des nächsten Jahres erscheinen. (afp/cw)

-w-