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Katholische Kirche

Bätzing reagiert gelassen auf Papst-Äußerungen

Leo XIV. hatte betont, Lehren der Kirche zu Sexualität nicht ändern zu wollen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz sieht das nicht im Widerspruch zu deutschen Reformbemühungen.


Georg Bätzing, hier am Montag in Fulda zur Vollversammlung der Bischofskonferenz, leitet das Gremium seit 2020 (Bild: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic)

  • 22. September 2025, 16:48h 4 Min.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sieht in Äußerungen des neuen Papstes Leo XIV. keinen Widerspruch zu den Reformbemühungen der katholischen Kirche in Deutschland. "Ich bin da sehr zufrieden mit", sagte Bätzing vor Beginn der diesjährigen Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda.

Die Äußerungen des Papstes, die in den letzten Tagen vor allem als Absage an weitere Reformen gedeutet wurden, stünden nicht im Widerspruch zu dem, was die deutschen Katholiken im Rahmen ihres Reformprozesses Synodaler Weg anstrebten. "Es ist in keinster Weise ein Gegensatz", sagte Bätzing. Der Papst habe eine Weltperspektive vor Augen, sehe die Spannungen in der Kirche und wolle verbinden. Das sei "die ganz klare Botschaft, die er setzt – und das ist auch sein Auftrag". Letztlich stehe er "in den wesentlichen Punkten" in Kontinuität zu seinem Vorgänger Papst Franziskus.

Bei der Vollversammlung, die bis Donnerstag geht, treffen die rund 60 Bischöfe aus den 27 Bistümern erstmals seit der Papstwahl zusammen. Bisher war gemutmaßt worden, dass der Papst Reformen grundsätzlich erst mal positiv gegenüberstehe. Bätzing betonte: "Ich finde, wir müssen in Ruhe den [Reform-]Weg gehen. Wir bleiben mit der Weltkirche in Verbindung. Maßvoll werden wir andere Dinge tun, weil es die pastorale Situation in unserem Land und weil es die Seelsorge an den Menschen notwendig macht. Aber wir bleiben zusammen."

Streit um Segnung in Weltkirche und Deutschland

In letzte Woche vorab bekannt gewordenen Auszügen aus seinem ersten Interview, das als Buch erscheinen soll, hatte der Papst eine Willkommensbereitsschaft gegenüber queeren Menschen betont, aber weitere Reformen im Bereich Sexualität und Ehe abgelehnt (queer.de berichtete). Queere Themen seien in der Weltkirche "höchst polarisierend", so der Papst, der laut den bekannt gewordenen Aussagen auch Teile der Kirche kritisierte, die in der Frage der Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren über die Vorgaben des Vatikans herausgingen.

Das betrifft Deutschland, wo sich die Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) im Rahmen des Synodalen Weges entschieden hatten, für gleichgeschlechtliche Paare Segnungen mit liturgischen Feiern und Gebeten zu ermöglichen. Während der konkreten Planung hatte der Vatikan unter Papst Franziskus das Dokument "Fiducia supplicans" veröffentlicht, das Segnungen unter vielen Einschränkungen wie praktischer Nicht-Öffentlichkeit ermöglicht. Die letztlich in Deutschland vorgestellte Handreichung zu "Segnungen für Paare, die sich lieben" schränkte die eigenen Reformideen etwa in Fragen der liturgischen Möglichkeiten wieder ein (queer.de berichtete) – und einige Bistümer entschieden sich, das Papier nicht umzusetzen und an den strikteren Vatikan-Richtlinien zu orientieren.

Das Katholische LSBT+ Komitee, eine Vereinigung mehrerer queerer Gruppen aus Deutschland, hatte sich am Freitag "schockiert und enttäuscht" über die bekannt gewordenen Interviewaussagen von Papst Leo XIV. gezeigt und die kirchlichen Verantwortlichen in Deutschland dazu aufgefordert, "nicht einzuknicken, sondern den synodalen Reformweg weiter zu beschreiten und offensiv den Dialog mit Rom zu suchen" (queer.de berichtete). Auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, hatte die Papst-Aussagen kritisiert und zu einer Umsetzung der für die deutsche Kirche bereits beschlossenen Reformen gedrängt (queer.de berichtete). Dabei hatte sie auch kritisiert, dass weniger als die Hälfte der Bistümer die Segens-Handreichung umgesetzt habe.

Wird Synodaler Weg zur Makulatur?

Nach Einschätzung von ZdK-Präsidentin Stetter Karp gebe es in der Bischofskonferenz im Wesentlichen drei Lager: Reformer, zu denen Bätzing gehöre, Verweigerer und eine große Gruppe von Unentschlossene. Letztere warteten ab, welche Signale zu umstrittenen Themen – neben queeren Fragen etwa die Priesterweihe für Frauen – aus Rom kämen.

Einige Theologen sehen die Segnungs-Handreichung nun blockiert. "Durch die Äußerungen von Papst Leo XIV. dürfte auch diese Handreichung abgeräumt sein, und die Blockierer dürften frohlocken", sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller der dpa. "Damit ist auch der Synodale Weg faktisch Makulatur, vor allem was dieses Thema, aber auch das Frauenthema angeht." Dagegen sagte der Theologe Daniel Bogner: "Es ist noch zu früh, um einschätzen zu können, welchen Weg genau Papst Leo einschlagen wird. Ein Interview alleine reicht da nicht." Wenn in Kürze seine erste Enzyklika – sein erstes Lehrschreiben – veröffentlicht werde, könne man Genaueres sagen. (cw/dpa/AFP)

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