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Prozess vor Landgericht Itzehoe

21-Jähriger soll Grindr-Bekanntschaft erstochen haben – beste Freunde sagen aus

Ein 21-Jähriger soll in Schleswig-Holstein einen älteren Mann getötet haben, den er auf Grindr kennengelernt hatte. Als Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft Geldnot.


Der Mordprozess findet vor dem Landgericht Itzehoe statt (Bild: --Nightflyer / wikipedia)

  • 24. September 2025, 16:34h 3 Min.

Vor dem Landgericht im schleswig-holsteinischen Itzehoe ist am Dienstag ein seit Juli laufender Mordprozess gegen den 21-jährigen deutschen Staatsbürger Justin R. weitergegangen, der in seiner eigenen Wohnung in Wedel eine Grindr-Bekanntschaft getötet haben soll. Das berichtet das "Hamburger Abendblatt" (Bezahlartikel).

Der Angeklagte soll das Opfer, den 56-jährigen Jörg M., laut Staatsanwaltschaft am 3. Januar auf Grindr kennengelernt haben. Er habe mit ihm für den 22. Januar sexuelle Handlungen gegen Zahlung von 800 Euro vereinbart. Der Angeklagte habe demnach in der Nacht vor dem Tattag beschlossen, M. zu töten. Als sich das Opfer am Vormittag des 22. Januar bis zur Unterhose ausgezogen und auf eine Couch gelegt hatte, habe der damals 20-jährige Angeklagte überraschend zugestochen. Den sterbenden Mann habe er in der Wohnung gelassen und aus dessen Mercedes Bargeld gestohlen – insgesamt 4.185 Euro und 985 US-Dollar (rund 840 Euro).

Das Opfer erlitt Stiche am Hals und eine stark blutende Kopfverletzung – ein Nachbar, der die Schreie gehört hatte, alarmierte die Polizei. Der 56-Jährige starb später im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen.

M. stellte sich in der Nacht nach der Tat der Polizei und erklärte, er habe in Notwehr gehandelt. Zunächst wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, nach Ermittlungen eine gute Woche später aber festgenommen.

Angeklagter erzählte Freunden Geschichte von gehörntem Ehemann

Bei der Verhandlung am Dienstag sagten drei besten Freunde des Angeklagten aus, denen er die selbe Geschichte wie der Polizei erzählt habe. Demnach soll er eine wohlhabende ältere Frau namens Larissa auf Tinder kennengelernt haben, die ihn für sexuelle Handlungen viel Geld bezahlt habe. Am Tattag soll ein Mann bei ihm geklingelt haben, der sich als Ehemann ausgegeben und ihn niedergeschlagen habe. "Er hat Justin aufgefordert, ihm einen zu blasen, so wie seine Frau es Justin besorgt hat", sagte einer der Freunde aus. Sie hätten dann gedacht, dass es sich um Notwehr gehandelt habe.

In Wirklichkeit war der getötete Mann allerdings mit einem Mann verheiratet, der in der Verhandlung als Nebenkläger auftritt. Bei seiner Aussage wurde bereits zuvor die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil es um intime Details gegangen sei.

Ferner beschrieben die drei Freunde den Angeklagten als "nett, fürsorglich und großzügig", der etwa teure Partyausflüge im vierstelligen Eurobereich finanzierte. In Wirklichkeit sei der Angeklagte aber hoch verschuldet gewesen, wovon die Freunde allerdings nichts gewusst hätten. Mit dem Mord wollte der 21-Jährige nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft seine finanziellen Probleme lösen.

Angeklagter hätte sich laut Freunden für Homosexualität geschämt

Die Freunde sagten auch aus, dass der Angeklagte eindeutig heterosexuell gewesen sei. Er hätte sich ihrer Aussage nach geschämt, wenn homosexuelle Kontakte im Freundeskreis bekannt geworden wären.

Auch der Angeklagte hatte im Prozess bereits ausgesagt. Weil er zum Tatzeitpunkt aber 20 Jahre alt gewesen war und damit nach deutschem Recht als Heranwachsender gilt, wurde auch hier die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Für den Prozess sind noch mehrere Prozesstage angesetzt. Das Urteil fällt aller Voraussicht nach am 15. Dezember. (cw)