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Heimkino
Hitlers Vorkosterinnen zwischen Zwang, Lebensgefahr und Solidarität
Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film "Die Vorkosterinnen" von Silvio Soldini erzählt ein weitgehend unbekanntes Kapitel der NS-Diktatur.

Das historische Drama ist ein vielschichtiges, feministisches Erzählstück über Nähe, Freundschaft und Überleben (Bild: Luca Zontini)
- 28. September 2025, 06:16h 3 Min.
Im Herbst 1943 flieht die junge Rosa Sauer aus dem bombardierten Berlin nach Ostpreußen, während ihr Mann an der Front kämpft. Doch auch in der ländlichen Abgeschiedenheit ist sie nicht sicher: In unmittelbarer Nähe liegt die "Wolfsschanze", Hitlers militärisches Hauptquartier. Rosa und andere Frauen werden von der SS zwangsrekrutiert, um als Vorkosterinnen Mahlzeiten zu prüfen, bevor sie Hitler serviert werden. Nach dem gescheiterten Attentat von Stauffenberg im Sommer 1944 verschärft sich die Situation dramatisch.
Die Frauen erkennen, dass ein weiteres Attentat auf Hitler möglicherweise mit Gift erfolgen könnte und sie damit unmittelbar in Lebensgefahr schweben – während die Rote Armee unaufhaltsam näher rückt. Als Rosa erfährt, dass eine der Frauen Jüdin ist, steht sie vor der Entscheidung, wie sie ihre Freundin und sich selbst vor dem sicheren Tod bewahren kann.
Zärtlichkeit, Fürsorge und die stille Solidarität zwischen den Frauen

"Die Vorkosterinnen" ist als DVD, Blu-ray und digital erschienen
"Die Vorkosterinnen" beleuchtet ein bislang weitgehend unbekanntes Kapitel der NS-Diktatur und basiert auf wahren Begebenheiten. Grundlage des Films ist der gleichnamige Roman der italienischen Autorin Rosella Postorino, inspiriert von der Lebensgeschichte Margot Woelks (1917-2014). Woelk hatte erst im hohen Alter offenbart, dass sie Teil jener Gruppe junger Frauen war, die ab 1942 gezwungen wurden, Hitlers Speisen in der "Wolfsschanze" vorzuprobieren. Postorinos Roman erhielt in Italien den renommierten Premio Campiello und erschien auf Englisch unter dem Titel "At the Wolf's Table".
Elisa Schlott verkörpert Rosa Sauer als komplexe Figur zwischen Überlebensinstinkt, Verletzlichkeit und Rebellion. An ihrer Seite spielt Alma Hasun die eigenwillige Elfriede – ihre wachsende Nähe zu Rosa entwickelt sich zu einer der zentralen Achsen des Films. Diese Beziehung bleibt in den Zwängen des NS-Alltags unausgesprochen, erhält jedoch eine emotionale Intensität, die queere Lesarten geradezu einlädt: Zärtlichkeit, Fürsorge und die stille Solidarität der beiden Frauen bilden eine Gegenwelt zur männlich dominierten Gewaltordnung.
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Auch Max Riemelt, bekannt aus "Freier Fall", "Napola – Elite für den Führer" oder "Kopfplatzen", ist in einer ambivalenten Rolle zu sehen – als SS-Obersturmführer Albert Ziegler, zwischen grausamer Macht und heimlicher Liaison mit Rosa. Doch das emotionale Zentrum des Films liegt klar in den weiblichen Beziehungen. "Die Vorkosterinnen" rückt Erfahrungen von Frauen ins Zentrum, die nicht als Statistinnen des Krieges gezeigt werden, sondern als Handelnde, die in Solidarität kleine Räume von Selbstbestimmung erkämpfen.
Gerade diese Perspektive eröffnet eine queere Dimension: Widerstand gegen ein Regime, das Körper und Begehren unterdrückt, zeigt sich auch in der Intensität, mit der Frauen zueinander finden. So wird aus dem historischen Drama ein vielschichtiges, feministisches Erzählstück über Nähe, Freundschaft und Überleben. (dd/pm)
Die Vorkosterinnen. Originaltitel: The Tasters / Le Assaggiatrici. Drama. Italien, Belgien, Schweiz 2025. Regie: Silvio Soldini. Cast: Elisa Schlott, Max Riemelt, Alma Hasun, Emma Falck, Olga von Luckwald, Thea Rasche, Berit Vander, Kriemhild Hamann, Boris Aljinovic, Nicolo Pasetti u.a. Laufzeit: 123 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Untertitel: deutsch (optional). Extras: Interviews mit Regisseur und Cast, Q&A von der deutschen Kinopremiere, Featurette und Originaltrailer zum Film, Trailershow, Wendecover. FSK 12. Verleih: Busch Media Group.
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