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Greta Thunbergs Projekt

Streit um queeren Aktivisten bei Gaza-Hilfsflotte

Queere Aktivisten sorgen offenbar für Unruhe in der Gaza-Hilfsflotte, an der unter anderem Greta Thunberg teilnimmt.


Um Saif Ayadi ist eine Diskussion ausgebrochen: Dürfen auch queere Aktivisten bei der Gaza-Hilfsflotte mitmachen? (Bild: Facebook / Safi Ayadi)

  • 29. September 2025, 12:00h 3 Min.

53 Schiffe sind derzeit im Rahmen der "Global Sumud Flotilla" in einem Mittelmeer-Konvoi in den Gazastreifen unterwegs, um gegen die Angriffe Israels auf den von der Terrororganisation Hamas kontrollierten Landstrich zu protestieren und Hilfslieferungen zu bringen. Sie wollen dabei eine seit 18 Jahren gültige israelisch-ägyptische Seeblockade durchbrechen. Dabei hat sich in der letzten Woche ein regelrechter Streit um die Teilnahme queerer Aktivisten entbrannt.

So trat der tunesische Koordinator Khaled Boujemâa zurück, nachdem er erfahren hatte, dass sein Landsmann Safi Ayadi, der sich als "kommnistischer queerer Aktivist" bezeichnet, zur Flottille gestoßen war. Boujemâa beklagte laut "Le Courrier de l'Atlas", er sei über die "Identität" dieses Aktivisten nicht informiert worden und fühle sich dadurch hintergangen.

Demnach würde eine Agenda betrieben, "die der palästinensischen Sache fremd ist". Andere Aktivisten sind ihm nach Medienberichten gefolgt. Dabei sei laut der "Bild"-Zeitung von "Entweihung" die Rede gewesen.

Auch andere Flottillen-Mitglieder kritisierten queere Menschen für die Teilnahme an der Aktion, etwa die Aktivistin Mariem Meftah oder der TV-Moderator Samir Elwafi. Sie sprachen von einer "roten Linie", die überschritten worden sei. "Homosexualität ist Privatsache", sagte etwa Meftah auf Facebook und behauptete, die "LGBTQ+-Agenda" sei mit islamischen Überzeugungen nicht vereinbar. Diese dürfe nicht mit der "palästinensischen Sache" vermischt werden.

Auch das bekannteste Mitglied der Flotte, die frühere Klima-Aktivistin Greta Thunberg, gehört offenbar wegen der Streitigkeiten nicht mehr dem Koordinierungs-Komitee der Flotte an. Sie sei jetzt eine einfache "ehrenamtliche Teilnehmerin", hieß es.

Für Saif Ayadi sind die Vorwürfe Fakenews

Aktivist Saif Ayadi beschreibt den Streit dagegen auf Instagram als Erfindung von Medien, "die dafür bekannt sind, den Genozid in Gaza zu unterstützen". Die "zionistische Lobby" würde "Propaganda um unsere queere Identitäten" nutzen, um dem Anliegen zu schaden.

Der Streit um den Umgang mit dem Krieg zwischen Hamas und Israel ist auch in der queeren Community weit verbreitet. Israel verweist dabei oft darauf, dass es als einziges Land in der Region queere Menschen akzeptiere (queer.de berichtete). Viele Aktivist*innen erklären hingegen, dass trotz der queerfreundlichen Politik Israels andere Menschenrechtsverletzungen des jüdischen Staates kritisiert werden müssten. Dagegen zeigen sich andere Aktivist*innen überzeugt, dass die Pro-Palästina-Fraktion den Terror der Hamas, der sich auch gegen queere Menschen richte, verharmlose.

Maik Brückner bei Demo gegen Gaza-Krieg

Am Samstag fand auch in Berlin eine Demonstration gegen den Gaza-Krieg statt, an der 60.000 (Polizeiangaben) bzw. 100.000 (Veranstalter*innen) Menschen teilnahmen, darunter auch der queerpoltische Sprecher der Linksfraktion, Maik Brückner. Er rief auf Instagram dazu auf, Sanktionen gegen Israel zu verhängen und den Staat Palästina anzuerkennen.

Ganz anders sieht das der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der lange Jahre die queerpolitische Debatte in Deutschland bestimmte. Der heutige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft bezeichnete es als "Schande", dass die Linke "antisemitischen Terror und seine Glorifizierung" politisch integriere. Hintergrund ist, dass auf der Berliner Demo auch der frühere Hamas-Chef bejubelt worden war.

/ Volker_Beck
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Auch Politiker*innen anderer Parteien haben Unverständnis über queeren Aktivismus gegen Israel geäußert. So sagte etwa der frühere Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) vor zwei Jahren, ihm fehle jedes Verständnis, dass die Gruppe "Queers for Palestine" bei pro-palästinensischen Demonstrationen mitlaufe. Schließlich würde man "es nicht überleben, mit einer Regenbogenfahne durch Gaza zu laufen" (queer.de berichtete). (cw)

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