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Interview

Yannik Zamboni: "Transparenz nimmt dem Tabu die Macht"

Wir sprachen mit dem queeren Designer Yannik Zamboni über seine enge Beziehung zu Heidi Klum, Nachhaltigkeit, sexuelle Selbstbestimmung, seine Haartransplantation und den Wunsch nach einer eigenen Netflix-Show.


Yannik Zamboni mit seiner engen Freundin Heidi Klum am Set von "Germany's Next Topmodel" (Bild: ProSieben)

Viele kennen Yannik Zamboni (37) als Gewinner der von Heidi Klum und Tim Gunn moderierten Realityshow "Making the Cut" – vor allem aber durch seine regelmäßigen Gastauftritte bei "Germany's Next Topmodel" (GNTM). Dort ist er nicht nur als Juror präsent, sondern bringt auch jedes Jahr seine kreativen Looks auf den Laufsteg und direkt zu den Kandidat*innen. Mittlerweile gehört er fest zum GNTM-Inventar und wird von Fans wie Teilnehmenden gleichermaßen erwartet. Denn Yannik und seine Mode fallen auf – und sind wortwörtlich ein echter Hingucker.

Doch seine Designs sind nicht nur visuell auffällig, sondern auch emotional wirksam: Zamboni setzt neue Maßstäbe in Sachen Haltung, Nachhaltigkeit und Sichtbarkeit. Er geht offen mit seiner Queerness um, thematisiert Sexualität und Körperlichkeit, und spricht ebenso selbstverständlich über persönliche Themen wie seine Haartransplantation.

Grund genug, mit dem Designer zu sprechen, der nicht nur die Modewelt bewegt, sondern auch längst zum engen Kreis um Heidi Klum gehört.

Yannik, mit deinem Label "Maison Blanche" bist du seit einigen Jahren in aller Munde. Was viele vielleicht nicht wissen: Du setzt damit auch neue Impulse in Sachen Nachhaltigkeit und Ethik. Kannst du uns dazu ein bisschen mehr erzählen?

Nachhaltigkeit ist für mich kein Trend, sondern eine Höflichkeit gegenüber Mutter Natur und der Zukunft. "Maison Blanche" arbeitet vegan, plastikfrei und transparent – mit fairen Löhnen für alle Beteiligten, auch für Praktikant*innen. Unsere Kollektionen greifen sozialpolitische Themen auf, etwa die Rolle von Kleidung als Beweismittel nach sexuellen Übergriffen (Tags Against Crime, Ads of the World), und wir kooperieren mit Organisationen wie der Stiftung gegen Gewalt an Kinder & Frauen, der DAO und der New York State Coalition Against Sexual Assault. Ökologisch setzen wir auf zirkuläre Systeme, natürliche Materialien und Green Chemistry. Wirtschaftlich vermeiden wir Überproduktion durch Made-to-order und kalkulieren so, dass faire Löhne möglich sind – mit Partner*innen, die unsere Werte teilen. Ein Beispiel für unsere Arbeit ist das Shirt for Positive Impact.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Kollektionen?

Meine Muse ist die Realität – ich schneidere ihr nur eine ehrlichere Silhouette. Was in der Welt passiert, vor allem das Unfaire, spornt mich zum Designen an und fließt direkt in meine Entwürfe ein.

Würdest du sagen, dass du durch deine Gastauftritte bei "Germany's Next Topmodel" eine deutlich größere Reichweite erzielt hast – und spiegelt sich das auch in deinen Verkaufszahlen wider?

Reichweite ohne Relevanz ist nur laute Stille. Mit GNTM erreiche ich die Massen – ob sie mich und meine Mode verstehen, überlasse ich anderen. Wichtig ist mir, in einem DACH-weit ausgestrahlten Format zu zeigen, dass Anderssein völlig okay ist. Wer meine Shows kennt, weiß: Ich setze auf alle Körpergrößen, Formen und Identitäten – Repräsentation ist essenziell, besonders für trans* und queere Menschen.

Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Heidi Klum? Ist sie wirklich so, wie man sie im Fernsehen sieht – oder kennst du eine ganz andere, private Heidi?

Im TV gibt sie Tempo, privat gibt sie Vertrauen – beides lässt mich besser arbeiten. Beruflich ist sie hochprofessionell und pünktlich, sie funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk. Privat ist sie einfach liebenswert.

Was schätzt du an deiner Freundschaft mit Heidi am meisten?

Viele teilen Likes, wenige teilen Verantwortung – Heidi tut's. Ich kann jederzeit anrufen, und sie hilft mir weiter. In einer Branche, in der viele kommen und gehen, ist es schön zu wissen, dass sie bleibt.

Du gehst sehr offen mit Sexualität und Nacktheit um. Hast du dadurch schon erlebt, dass man dich als Designer nicht ganz ernst genommen hat – oder musstest du dir auch mal blöde Sprüche anhören?

Wer an Nacktheit scheitert, scheitert nicht an mir, sondern an sich selbst. Ich habe längst aufgehört, es allen recht machen zu wollen. Ein nackter Körper ist meine Basis – etwas völlig Natürliches und Schönes. Weil ich voll und ganz dazu stehe, nehmen mir die meisten den Raum für blöde Sprüche. Ausnahmen bestätigen die Regel…


Yannik Zamboni auf Instagram (Bild: yannikzamboni/ instagram)

Verfolgst du mit deiner Freizügigkeit übergeordnete Ziele, etwa im Hinblick auf Selbstbestimmung – oder macht es dir einfach Spaß?

Wenn eine Frau oder queere Person sich überlegen muss, was sie anzieht, um Gefahren zu vermeiden, reden wir nicht über Kleidung, sondern über ein gesellschaftliches Problem. Ich möchte andere ermutigen, sich so zu kleiden, wie sie sich schön fühlen – frei von Normen, die ohnehin nur durch Visionär*innen verändert wurden.

Auch mit deiner Haartransplantation bist du sehr offen umgegangen. Hast du deine Entscheidung irgendwann bereut – oder bist du rundum zufrieden?

Transparenz nimmt dem Tabu die Macht. Ich wusste, dass darüber geredet würde – also habe ich die Diskussion selbst eröffnet, mich bei der OP gefilmt und mit meiner Community geteilt. Das Endergebnis braucht noch etwas Geduld, bis dahin trage ich auch mal Perücken. Bereut habe ich den Eingriff keinesfalls.

Als wie eitel würdest du dich selbst bezeichnen? Und hast du manchmal das Gefühl, dass in der queeren Community vielleicht zu viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wird – gerade bei der Partnerwahl?

Ein Look kann Eintrittskarte sein – aber Substanz ist entscheidend. Ich liebe Schönheit, aber ich date Substanz. Viele Schwule würde ich als eitel bezeichnen – und das ist ein Kompliment. Wer auf sein Äußeres achtet, verdient Respekt. Im Vergleich zu manchen superreichen Pärchen sind wir in der queeren Community sicher nicht die Oberflächlichsten.

Welche beruflichen Ziele möchtest du noch erreichen? Würdest du zum Beispiel gerne mal selbst Hauptjuror einer Modelshow sein?

Am liebsten hätte ich eine Netflix-Serie über mein Leben – nah, ehrlich, transparent. Es ist wild, schrill und spicy – das würde die Massen unterhalten. Ich brauche kein rotes X, ich will grünes Licht für neue Ideen. Und sonst? Ich möchte "nur" mit meinem Label eine ganze Industrie verändern. That's all.