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Historiendrama
Happy End für den schwulen Butler
Mit "Downton Abbey: The Grand Finale" endet die Geschichte um die britische Adelsfamilie Crawley, die 2010 im TV begann. Ein gelungener Abschiedsfilm für die Fans – konsequent realitätsfern und erstaunlich queer.

Neues Leben an der Seite eines Stars: Ex-Butler Thomas Barrow (Robert James-Collier, r.) und Schauspieler Guy Dexter (Dominic West) in "Downton Abbey: The Grand Finale" (Bild: Rory Mulvey / Focus Features)
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4. Oktober 2025, 07:09h 5 Min.
Erinnert sich noch jemand, wie fies und manipulativ Thomas Barrow zu Beginn der TV-Serie "Downton Abbey" war? Wie der heimlich schwule Diener alles versucht, um im Haushalt der Crawleys eine höhere Position zu ergattern, notfalls mit Intrigen oder Erpressung? Wie er seine Bitterkeit und Frustration mit spitzer Zunge an anderen auslässt?
Davon ist in "Downton Abbey: The Grand Finale" nichts mehr übrig. Der Titel des neuen Kinofilms sagt es bereits: Er ist das Ende der Geschichte um die britische Adelsfamilie Crawley und ihres Personals – nach sechs Staffeln im Fernsehen und zwei vorausgegangenen Filmen. Erfinder Julian Fellowes war denn auch sichtlich bemüht, für alle seine vielen Figuren einen passenden, versöhnlichen Abschluss zu finden.
Aus Thomas und Dexter wird ein Paar

Poster zum Film: "Downton Abbey: The Grand Finale" läuft seit 18. September 2025 im Kino
Einen solchen bekommt auch Thomas Barrow (Robert James-Collier), der im vorherigen Film "Downton Abbey: A New Era" (2022) das Glück hatte, den ebenfalls heimlich schwulen Hollywood-Star Guy Dexter (Dominic West) kennenzulernen, als dieser für Dreharbeiten ins herrschaftliche Anwesen der Crawleys kommt. Am Ende bot Dexter ihm einen Job bei sich an – mit der Option, dass daraus auch mehr werden könnte. Schon in den ersten Minuten von "The Grand Finale" wird klar, dass dies tatsächlich passiert ist: Dexter steht in London in einem Stück des legendären Autors und Komponisten Noël Coward auf der Bühne, im Hintergrund begleitet von Barrow.
Der neue Film startet nicht nur mit den beiden, er lässt den ebenfalls schwulen Noël Coward (Arty Froushan) eine ziemlich bedeutungsvolle Rolle spielen. Diesen gab es tatsächlich, und in der Zwischenkriegszeit war er in England ein echter Star. Hier ist er quasi die Rettung von Mary Crawley (Michelle Dockery), der ältesten Tochter des alternden Earl of Grantham (Hugh Bonneville). Denn deren Scheidung löst in London einen mittleren gesellschaftlichen Skandal aus, der sie bis zu Hause nach Yorkshire verfolgt. Dabei hätte sie die Verwaltung von Downton Abbey und den umliegenden Ländereien von ihrem Vater übernehmen sollen. Kann sie das, wenn sie nun von der feinen Gesellschaft der Umgebung geächtet wird?
Rehabilitation dank Starpower
Ihre Schwester Edith (Laura Carmichael) hat dann die zündende Idee, Noël Coward, den die Familie via Dexter und Barrow in London kennengelernt hatte, nach Downton zu einem fürstlichen Abendessen einzuladen. Und Cowards Starpower lockt tatsächlich alles herbei, was Rang und Namen hat und rehabilitiert nebenbei gleich noch Lady Mary. Dem Abendessen muss Barrow noch fernbleiben, doch Mary lädt ihn ein, sich Dexter und Coward bei den anschließenden Festivitäten im großen Salon anzuschließen – worauf der ehemalige Butler plötzlich gemeinsam mit der feinen Gesellschaft feiern darf, zur Freude der einen und Konsternation der anderen Bediensteten.

Der dritte Schwule: Noël Coward (Arty Froushan, M.) unterhält sich mit Lady Mary (Michelle Dockery) und Guy Dexter (Dominic West) (Bild: Rory Mulvey / Focus Features)
Die drei Schwulen spielen im letzten "Downton"-Film also mehr als nur Nebenrollen. Und Thomas Barrow, das intrigante Biest aus den Anfängen der Serie, hat nicht nur einen enormen Persönlichkeitswandel durchgemacht, sondern bekommt auch noch ein waschechtes Hollywood'sches Happy End. Wie so ziemlich alle anderen auch.
Zuverlässig realitätsfern
Die realitätsfernen Neigungen von "Downton Abbey" ziehen sich somit bis zum Schluss durch – dass also trotz aller Dramen und Problemen fast immer alles gut ausgeht und dass die grundanständigen Crawleys ein schon beinahe familiär-freundliches Verhältnis zu ihren Angestellten haben. Auch Barrows Homosexualität, die im England von 1930 mit Gefängnis bestraft wurde, stört letztlich niemanden wirklich, es wird einfach diskret darüber geschwiegen.
Der letzte Film ist durchzogen von Nostalgie und Aufbruchstimmung gleichzeitig. Die einen trauern vergangenen Zeiten nach, die anderen sind froh, dass diese vorbei sind. Die einen werden endlich pensioniert und schauen mit Freude und etwas Wehmut auf einen neuen Lebensabschnitt, die anderen rücken nach in neue, verantwortungsvolle Aufgaben. Das Leben geht weiter – so wie es schon weiterging, als in der allerersten Episode der Serie die Erben von Downton 1912 mit der Titanic untergingen. Noch ahnt allerdings niemand, welche furchtbaren Zeiten bevorstehen: drei Jahre vor der Machtübernahme Hitlers, neun Jahre vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs.
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Ein Abschiedsfilm für die Fans
Tatsächlich ist das auch der offizielle Grund für das Ende der Geschichte. "Ich wollte wirklich nicht noch die Nazis und Deutschland ins Spiel bringen", sagte der inzwischen 76-jährige Julian Fellowes zum Kinostart des Films. "Stattdessen wollte ich es zu einem Zeitpunkt beenden, wo diese Bedrohung noch nicht absehbar war." Zudem sei es nach 15 Jahren Zeit, die Schauspieler*innen "zu befreien". Er betonte auch, er habe diesen letzten Film als Abschied für die Fans gemacht, nicht für die Kritiker*innen.
Von dem wohl großartigsten Charakter der Serie mussten sich die Fans allerdings schon beim letzten Film 2022 verabschieden: Violet Crawley, die spitzzüngige Mutter des Earl of Grantham, starb am Ende von "A New Era" – zwei Jahre vor ihrer Darstellerin, der britischen Schauspiel-Legende Maggie Smith, der "The Grand Finale" gewidmet ist. Sie hätte den Einbezug von Noël Coward sicherlich zu schätzen gewusst, stand sie doch 1975 in dessen wohl bekanntesten Stück "Private Lives" auf der Bühne und bekam dafür eine Tony-Nomination. Aber selbst sie hätte vermutlich gestaunt, dass Cowards Inspiration für dieses Stück an jenem schicksalshaften Wochenende 1930 entstand, als er zu Gast in Downton Abbey war.
Downton Abbey: The Grand Finale. Drama. Großbritannien 2025. Regie: Simon Curtis. Cast: Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Michelle Dockery, Dominic West, Paul Giamatti, Joanne Froggatt, Joely Richardson. Laufzeit: 125 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Universal. Kinostart: 18. September 2025
Links zum Thema:
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