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- 4. Oktober 2025, 15:29h 2 Min.
Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (72) kann nicht verstehen, warum manche queeren Menschen für Palästina demonstrieren. "Das passt gar nicht zusammen", sagte die Schriftstellerin im Interview mit der "Welt am Sonntag" (Bezahlartikel). "In Gaza würden die 'Queers for Palestine' keine halbe Stunde überleben."
LGBTI-Personen, die ihre Solidarität mit Palästina zeigen, attestierte Müller Naivität: "Ich glaube, das liegt an einer Unbedenklichkeit, die sich das Leben im Islamismus überhaupt nicht vorstellen will oder kann. Dass das Allerwichtigste, die Liebe, nur unter Lebensgefahr und total versteckt existieren kann. Dass die Angst vor Verrat täglich in den intimsten Bereichen des Lebens ist."
Die Schriftstellerin sieht darüber hinaus eine neue Welle von Antisemitismus in Europa. "Ja, der Hass auf Juden zeigt sich überall in Europa und Israel wird immer mehr isoliert, auch in Kultur, Sport und Wissenschaft – Bereiche, die mit dem Krieg gegen die Hamas nichts zu tun haben", sagte sie im Interview auf die Frage, ob man am Beginn eines neuen Antisemitismus stehe.
Auschwitz werde sich "nicht wie damals wiederholen", meinte die rumäniendeutsche Autorin, die in Berlin lebt. "Aber das Gedächtnis der Angst vor der Vernichtung reicht schon. Und dieses Gedächtnis ist in der jüdischen Geschichte", so die Autorin, die 2009 den Literaturnobelpreis gewann. "Das Mullah-Regime spricht jeden Tag von der Vernichtung Israels. Eine iranische Atombombe würde das möglich machen. In der Diaspora tragen Juden die Kippa unter einer Baskenmütze und entfernen hier in Berlin ihre Namen von Klingelschildern aus Angst vor Angriffen."
Nach der Festnahme mehrerer mutmaßlicher Mitglieder der Terrororganisation Hamas in Berlin warnte Müller vor einer starken Bedrohung durch Islamismus. "Es gibt junge radikalisierte Männer, die gewaltbereit sind. Und es gibt die Schläfer. Ich hoffe, dass die Geheimdienste sie finden, bevor sie zum Einsatz kommen." (mize/dpa)












