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Ungarn
Tausende trotz Verbots bei Pride-Demo im ungarischen Pécs
Die Behörden wurden ausgetrickst: Statt einer queeren Parade meldeten die CSD-Organisator*innen eine "Versammlung gegen die Überbevölkerung wilder Tiere, verantwortlich für Opfer von zahlreichen Verkehrsunfällen" an.

Ministerpräsident Viktor Orbán erweist sich erneut als guter CSD-Promoter: Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP nahmen am Pride in der kleinen Stadt Pécs erstmals über 7.000 Menschen teil (Bild: Tineke_Strik / twitter)
- 5. Oktober 2025, 07:35h 2 Min.
Trotz eines Verbots der ungarischen Behörden haben am Samstag tausende Menschen an einem Pride-Marsch in der Stadt Pécs im Süden des Landes teilgenommen. Der Demonstrationszug mit etwa 7.000 bis 8.000 Menschen setzte sich am Nachmittag im Zentrum der Stadt in Bewegung. "Ich bin hier, weil diese Demonstration leider nicht mehr nur die LGBTQ-Gemeinschaft betriff, sondern die Einschränkung unserer grundsätzlichen Menschenrechte", sagte der 18-jährige Student Bence Toth der Nachrichtenagentur AFP.
/ tothcsabatiborPécs, Hungary is a city of 180 000 with a banned Pride March, counting more than a 1000 people. Viktor Orbán is the best Pride march promoter I have ever seen! pic.twitter.com/8XKEofFtAJ
Csaba Tóth (@tothcsabatibor) October 4, 2025
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Die Menge führte viele Regenbogenflaggen mit sowie Schilder mit regierungskritischen Aufschriften wie "Ungarn ist eine Diktatur". Die Organisator*innen hatten das Verbot umgangen, indem sie statt einer queeren Demonstration eine "Versammlung gegen die Überbevölkerung wilder Tiere, verantwortlich für Opfer von zahlreichen Verkehrsunfällen" angemeldet hatten.
Mit rund 138.000 Einwohner*innen ist Pécs die fünftgrößte Stadt Ungarns. Sie liegt im Süden des Landes am Fuße des Mecsek-Gebirges und nahe der Grenze zu Kroatien.
Anti-LGBTI-Gesetze nach russischem Vorbild
Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán schränkt seit Jahren die Rechte von queeren Menschen ein. Mitte März verabschiedete das ungarische Parlament eine Gesetzesänderung, die auf ein Verbot der jährlichen CSD-Demonstration abzielt: Damit werden alle Versammlungen untersagt, die gegen das ungarische "Homo-Propaganda"-Gesetz verstoßen (queer.de berichtete). Dieses Gesetz wurde 2021 nach russischem Vorbild erlassen und verbietet Darstellungen von queerem Leben vor Minderjährigen, also generell in der Öffentlichkeit (queer.de berichtete).
In der Hauptstadt Budapest hatte Ende Juni trotz eines polizeilichen Verbots eine Rekordzahl von bis zu 200.000 Menschen für die Rechte von queeren Menschen demonstriert (queer.de berichtete). Auch Budapests Bürgermeister Gergely Karácsony war anwesend und trug dabei ein Regenbogen-Shirt. Zudem nahmen dutzende Mitglieder des EU-Parlaments teil, um ihre Solidarität zu zeigen. (mize/AFP)












