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Studie

Durchbruch für HIV-Forschung in Köln?

Die Uni Köln glaubt, einen breit wirksamen Antikörper gegen HIV gefunden zu haben. Nun muss in Tests herausgefunden werden, ob die Laborergebnisse auch im echten Leben funktionieren. Ein Patent hat die Uni schon einmal angemeldet.


Ist die Kölner Studie der Durchbruch, auf den die HIV-Forschung gewartet hat? (Bild: freepik.com)

  • 6. Oktober 2025, 11:13h 3 Min.

Forschende der Uniklinik Köln haben einen breit wirksamen Antikörper gegen HIV entdeckt. Dieser sei in der Lage, in Laborexperimenten verschiedenste HIV-Varianten zu neutralisieren. Damit habe er Potenzial, bei HIV-Negativen eine Infektion zu verhindern. Die Studienergebnisse sind am Montag im Fachjournal "Nature Immunology" veröffentlicht worden.

Das Forschungsteam um den Kölner Virologieprofessor Florian Klein untersuchte Blutseren von 32 sogenannten HIV-Elite-Neutralisierer*­innen aus Deutschland, Kamerun, Nepal und Tansania. Dabei handelt es sich um HIV-infizierte Personen, die eine besonders starke und breit wirksame Antikörperantwort entwickeln können. Aus deren Blut extrahierten sie 831 verschiedene, monoklonale Antikörper und testeten diese im Laborexperiment auf ihre Fähigkeit, verschiedenste Varianten von künstlich hergestellten HI-Viren zu neutralisieren. Monoklonale Antikörper stammen von einer einzigen Zelle weißer Blutkörperchen ab und können leicht im Labor hergestellt werden.

Antikörper 04_A06 blockiert HI-Virus

Dabei fiel der Antikörper mit dem Namen 04_A06 besonders auf. Er blockiert die CD4-Bindungsstelle am HI-Virus besonders effizient – das Virus kann also nicht in den Körper eindringen. Darüber hinaus war der Antikörper nicht anfällig für bekannte Mutationen, mit denen HIV die "Blockade" umgehen kann. In Experimenten mit Mäusen, die mit HIV infiziert waren, konnte die Gabe von 04_A06 das Virus vollständig unterdrücken. Laut der Studie kann der Antikörper mit 93-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Infektion mit HIV verhindern, wenn er innerhalb von 24 Wochen drei Mal präventiv, also vor einer Infektion, gegeben würde.

Laut der Autor*innen biete 04_A06 Möglichkeiten für eine wirksame Behandlung und Prävention von HIV-1-Infektionen. Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es bislang keine Impfung, die vor einer HIV-Infektion schützt. Antikörper könnten an dieser Stelle als sogenannte passive Immunisierung eine Alternative bieten, wie sie bereits mit der PrEP praktiziert wird. Ein weiteres Beispiel passiver Immunisierung ist das gerade in Europa zugelassene Medikament Lenacapavir, das nicht täglich, sondern nur zwei Mal im Jahr eingenommen werden muss.

In einer klinischen Phase-I-Studie testete ein amerikanisches Forschungsteam bereits eine Kombination aus drei Antikörpern als Präventionsstrategie. Anhand von Modellierungsdaten gehen die Autor*innen der vorliegenden Studie davon aus, dass eine einfache Dosis mit 04_A06 eine vergleichbare Präventionseffizienz erzielen könnte wie diese Dreifachkombination. Das müssen die Ergebnisse von zukünftigen klinischen Studien allerdings erst einmal zeigen können. Die Kölner Universität hat bereits ein Patent eingereicht, das Aspekte dieser Forschungsarbeit umfasst.

Ergebnisse "vielversprechend"

Die Ergebnisse der Studie werden von anderen Forschenden als "vielversprechend" gelobt. Allerdings liege "noch ein langer Weg zur potenziellen klinischen Nutzbarkeit", wie Infektiologe Christoph Spinner von der Technischen Universität München gegenüber dem "Science Media Center" erklärte.

Alexandra Trkola, die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich, macht sogar Hoffnung auf eine Heilung. So müsste neutralisierende Antikörper "gleichzeitig breit wirksam und hoch potent sein". Trkola: "04_A06 erfüllt diese Vorgaben auf das Beste." Bislang ist die Heilung nur in Einzelfällen im Rahmen von Stammzelltransplantationen gelungen (queer.de berichtete). (cw)

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