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Berlin
Für Lehrkräfte: Meldestelle gegen Mobbing an Schulen startet
Zentrale Meldestelle gegen Diskriminierung und Mobbing: Ein neuer Fall am Rütli-Campus verdeutlicht, wie dringend Berlin bessere Strukturen braucht. Was die Senatorin jetzt ändern will.

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch ist seit Monaten in der Kritik, weil sie Queerfeindlichkeit an Schulen verharmlose – jetzt geht sie in die Offensive (Bild: Sandro Halank / wikipedia)
- 9. Oktober 2025, 15:02h 2 Min.
Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch hofft durch die Schaffung einer zentralen Meldestelle auf Fortschritte im Kampf gegen Mobbing und Diskriminierung an Schulen. Die mit Fachleuten besetzte Einrichtung werde ihre Arbeit Mitte Oktober aufnehmen, kündigte die umstrittene CDU-Politikerin am Donnerstag im Abgeordnetenhaus an. Sie solle zentrale Anlaufstelle werden für Lehrkräfte und andere Schulbeschäftigte, die Opfer von Diskriminierung und Mobbing werden.
Nach den Worten von Günther-Wünsch sollen die Fälle an der Einrichtung mit Hilfe standardisierter Verfahren aufgearbeitet werden. Das sei eine neue Qualität, denn "von Standardisierung sind wir noch meilenweit entfernt".
Mobbing-Fall an Rütli-Schule
Dass der Aufbau der Beschwerdestelle richtig sei, habe der jüngste homosexuellenfeindliche Fall mutmaßlichen Mobbings an der Rütli-Schule gezeigt, so die Senatorin. Während Schulleitung und andere Beteiligte inklusive der Staatsanwaltschaft seit bis zu einem Jahr in den Fall eingebunden seien, hätten die dienstlich und fachlich vorgesetzten Stellen in der Bildungsverwaltung, darunter sie als Senatorin, erstmalig erst am 12. September vom Sachverhalt erfahren – durch eine Medienanfrage. "Das zeigt deutlich, wie dringend notwendig der Handlungsbedarf ist hinsichtlich der Beschwerdestrukturen, Meldewege und Prozesse", so Günther-Wünsch.
Vor kurzem wurde der Fall eines Ehemanns eines schwulen Lehrers am Campus Rütli in Berlin-Neukölln bekannt, der nach eigenen Angaben monatelange Mobbingerfahrungen machte, unter anderem durch nächtliche anonyme Anrufe und ein Schreiben mit obszönen Beleidigungen im Briefkasten des Paares. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen und geht davon aus, dass die Täter*innen unter den Schüler*innen am Campus Rütli zu suchen sind.
Günther-Wünsch ist in den letzten Monaten wegen ihrer Reaktion auf einen queerfeindlichen Vorfall an einer Schule in Moabit in die Kritik geraten. So warf ihr die Opposition vor, Queerfeindlichkeit zu vertuschen (queer.de berichtete). Im Juni hatte sie sogar zugegeben, im Mobbingfall "eine nicht den Tatsachen entsprechende Aussage" gemacht zu haben und sich dafür entschuldigt (queer.de berichtete).
Zuletzt hat auch der Ehemann des schwulen Lehrers am Campus Rütli die Ministerin kritisiert, weil ihre es schlicht abgelehnt habe, mit ihm über monatelange Mobbingerfahrungen auch nur zu reden (queer.de berichtete). (dpa/cw)














