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Frankreich
Kämpfer gegen Todesstrafe und für queere Rechte: Robert Badinter wird ins Panthéon aufgenommen
Wegen ihn gibt es die französische Version des Paragrafen 175 nicht mehr: Robert Badinter, der auch die Todesstrafe abschaffte, wird posthum eine hohe Ehre zuteil.

Präsident Emmanuel Macron im vergangenen Jahr bei Robert Badinters Beerdigung (Bild: IMAGO / ABACAPRESS)
- 9. Oktober 2025, 17:28h 3 Min.
Er hat in Frankreich die Abschaffung der Todesstrafe und eines homosexuellenfeindlichen Gesetzes erkämpft und erfährt nun höchste Ehren: Der verstorbene französische Justizminister Robert Badinter soll am Donnerstagabend in das Panthéon aufgenommen werden, die französische Gedenkstätte für historische Persönlichkeiten der Nation. Badinter war im Februar 2024 im Alter von 95 Jahren gestorben (queer.de berichtete). Präsident Emmanuel Macron soll bei der feierlichen Zeremonie eine Ansprache halten.
Wenige Stunden zuvor war Badinters Grab in einer Pariser Vorstadt mit einer Hassbotschaft von Unbekannten geschändet worden, was zahlreiche Politiker verurteilten. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. "Schande über diejenigen, die sein Andenken beschmutzen wollten", schrieb Macron im Onlinedienst X. "Die Republik ist immer stärker als der Hass", fuhr er fort.
/ EmmanuelMacronLa tombe de Robert Badinter a été profanée. Honte à ceux qui ont voulu souiller sa mémoire. Ce soir, il entrera au Panthéon, demeure éternelle de la conscience et de la justice. La République est toujours plus forte que la haine.
Emmanuel Macron (@EmmanuelMacron) October 9, 2025
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Eine Aufnahme ins Panthéon ist in Frankreich immer eine hochpolitische Angelegenheit. Macron hatte bereits vier historischen Persönlichkeiten diese Ehre zuteil kommen lassen, unter ihnen die Auschwitz-Überlebende Simone Veil, die sich für die Entkriminalisierung von Abtreibungen eingesetzt hatte, sowie – als erste schwarze Frau – die Tänzerin und Bürgerrechtlerin Josephine Baker.
Der in Paris geborene Badinter stammte aus einer jüdischen Familie, die aus dem heutigen Moldau eingewandert war. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte er als 14-Jähriger in Lyon, wie sein Vater vor seinen Augen festgenommen wurde. Der Vater starb später im NS-Vernichtungslager Sobibor in Polen.
Badinter studierte unter anderem an der Columbia University in New York, wurde Anwalt und Hochschuldozent in Paris. Immer wieder setzte er sich dafür ein, Angeklagte vor der Todesstrafe zu bewahren – in einer Zeit, als die öffentliche Meinung in Frankreich von deren Angemessenheit mehrheitlich überzeugt war.
"Wenn das Urteil fiel und das Leben des Angeklagten gerettet war, habe ich das Gericht häufig durch einen Seitenausgang verlassen", erinnerte Badinter sich mit Blick auf die damaligen Proteste.
Badinters großes Jahr war 1982
Als Justizminister setzte er 1982 die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich durch. Außerdem schaffte er im selben Jahr ein Gesetz aus der Zeit des Vichy-Regimes ab, wonach ein höheres Schutzalter für gleichgeschlechtlichen Sex (21 Jahre bzw. seit 1974 18 Jahre) bestand als für heterosexuellen (15 Jahre). Der deutsche Paragraf 175, der ebenfalls gleichgeschlechtlichen Sex teilweise kriminalisierte, wurde erst zwölf Jahre später abgeschafft.
Ein weiterer Erfolg: 1983 erreichte Badinter die Auslieferung des ehemaligen Gestapo-Chefs in Lyon, Klaus Barbie, aus Bolivien. Dieser wurde in Frankreich 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Nach seiner Ministerzeit leitete Badinter mehrere Jahre lang den französischen Verfassungsrat. Zeit seines Lebens setzte er sich weiterhin auf internationalem Niveau für die Abschaffung der Todesstrafe ein. Badinter war mit der Philosophin Elisabeth Badinter verheiratet, mit der er drei Kinder hat. (AFP/cw)














