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Interview
Werden die queeren Clubs überleben?
Wir sprachen mit Emiko Gejic von der Clubcommission, dem Netzwerk der Berliner Clubkultur, über die Situation queerer Clubs in der Hauptstadt, das Clubsterben nach den Lockdowns, die teuren Eintrittspreise und Forderungen an die Politik.

Ein Bild aus besseren Tagen: Menschen am Tresen im Berliner SchwuZ (Bild: Guido Wolter)
- Von Marcel Malachowski
12. Oktober 2025, 14:48h 4 Min.
Beginnen wir mit einer zugespitzten Frage: Ist der Club-Standort Berlin tot oder lebt er noch? Die einen sagen ja so, die anderen so. Mit anekdotischer Evidenz zumindest berichten Leute aus Berlin, dass die U-Bahnen in der Innenstadt samstagnachts bei weitem nicht mehr so voll sind wie vor Corona...
Clubs sind nach wie vor relevante Orte und je nach Veranstaltung auch weiterhin gut besucht. Es ist auf jeden Fall zu vermerken, dass der Tourismus eingebrochen und nicht wieder auf dem Stand ist wie vor Corona. Auch Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten haben wohl dazu gefühlt, dass viele – besonders junge – Menschen weniger ausgehen, da ein Clubbesuch nicht mehr so erschwinglich ist wie früher. Clubkultur ist dennoch weiterhin eine treibende Kraft und relevant für die Gesellschaft. Es gibt immer wieder starke Veränderungen im Ausgehverhalten, viele Kollektive und junge Veranstaltende erschaffen auch daher ganz neue Formate.
Besonders die queere Szene hat die Folgen der Pandemie aber hart getroffen: Mehrere Clubs und Locations wie die legendäre Busche mussten schon schließen, sogar das über Berlin hinaus bekannte SchwuZ hat Insolvenz angemeldet. Wie seht Ihr diese Entwicklungen in der queeren Party-Szene?
Für uns sind queere Clubs und Veranstaltungen essentieller Bestandteil des Nachtlebens und der Clubkultur. Sie bieten queeren Communities Safer Spaces und tragen erheblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zu Akzeptanz und einem friedlichen Miteinander bei. Wir nehmen die zunehmende dramatische Lage für queere Clubs mit großer Besorgnis wahr. Auch dass es vermehrt Angriffe auf queere Locations gab, wie etwa dem "Tipsy Bear" und anderen, ist ein großer Schock. Community-Spaces müssen geschützt werden, und wir erwarten auch von Seiten der Politik verstärkte Stellungnahme und Unterstützung für betroffene Standorte, sowie einen Plan, Clubs wie beispielsweise das SchwuZ zu retten.

Emiko Gejic ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Berliner Clubkommission (Bild: Jannis Mayr)
Haben diese Entwicklungen denn nicht auch dramatische und sehr negative Auswirkungen für das soziale Stadtleben, die queere Community und die Stadtgesellschaft insgesamt? Ganze Szene-Bezirke verändern sich dadurch. Auf privaten Partys etwa treffen sich ja immer nur die gleichen Bekanntenkreise aus den sozialen Blasen, woanders begegnen sich auch vorher Unbekannte aus fast der ganzen Welt...
Unterstützung von der Politik gibt es in Teilen. Dennoch müssen Clubs auf unterschiedlichen Ebenen unterstützt werden. Sowohl politisch, als auch kulturell und auch wirtschaftlich. Die Anerkennung von Clubs als Kulturstätten ist daher eine unserer wichtigsten Forderungen. Nach wie vor sind Clubs als sogenannte "Vergnügungsstätten" kategorisiert, was eine erhebliche Stigmatisierung mit sich bringt und Clubs sowohl ihre kulturelle als auch ihre soziale Komponente abspricht. Es braucht daher auch politisch das Signal, dass Clubs gesellschaftlich relevant sind.
Es gibt ja die Vermutung, dass Social Media das Club-Leben vor allem sehr junger Menschen heute sehr massiv beeinflusst. Partys würden nur besucht, wenn Besucher*innen dort auch trafficträchtige Clips etwa für TikTok produzieren könnten. In einer 3Sat-Doku über Veränderungen in der Club-Kultur hieß es gar, das sei für sehr junge Menschen das einzige Kriterium. Auch in der queeren Szene gibt es eine ganz eigene Smartphone-Kultur. Haben Smartphones, Netflix-Abos als Ausgeh-Alternative und Bewegtbild auf Social Media die Club-Kultur kaputtgemacht?
Zum Social Media-Verhalten können wir nicht viel sagen, da wir hierzu keine Daten vorliegen haben. Natürlich verändert sich Clubkultur auch mit neuen Generationen. Es ist wichtig, die Brücke zu schlagen und auch jüngeren Generationen Plattformen zu geben und ein Mitgestalten zu ermöglichen. Wir denken nicht, dass es sinnvoll ist, sich gegenseitig zu diffamieren oder jüngeren Generationen etwas abzusprechen. Wir nehmen vielmehr wahr, dass junge Veranstaltende viel wert auf Community-Events legen, viel Awareness mitbringen und einen künstlerischen Anspruch haben.
Aber seht Ihr denn positiv für die queere und die nicht-queere Club-Kultur in die Zukunft?
Eine allgemeine Aussicht auf die Zukunft zu geben, ist immer schwierig. Generell denken wir: Clubkultur und Subkulturen sind sehr resilient, anpassungsfähig und flexibel. Es wird immer neue Formate geben, und die jüngeren Generationen werden sich immer ihre Wege suchen und was Neues erschaffen. Dennoch ist eines unserer größten Anliegen, bestehende Clubs zu schützen und ihren Fortbestand zu ermöglichen.
Fühlen sich denn die Clubs und die Szene genug von der Politik unterstützt?
Es ist wichtig, bestehende Locations nicht zu verlieren, genauso wichtig ist es, neue Clubstandorte eröffnen zu können. Hierfür bräuchte es mehr Unterstützung aus der Politik. Zum Beispiel auch durch vereinfachte Zugänglichkeit zu Flächen. Für queere Communitys und Clubs wünschen wir uns mehr Support und Schutz. Es ist daher wichtig, Stellung zu beziehen, Standorte durch Präsenz und Protest zu unterstützen und LGBTQAI+ immer sichtbar zu machen. Wir hoffen in den Themen auf eine positive Zusammenarbeit auch mit der Politik in Zukunft.
Links zum Thema:
» Homepage der Clubkommission
Mehr zum Thema:
» Stirbt die Schwulenszene aus? (30.09.2025)














