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Filmfestival

Die Viennale hat in diesem Jahr ein besonders queeres Programm

Das größte Filmfestival Österreichs zeigt ab heute die queeren Mainstream-Highlights der Saison. Es gibt aber auch Arthouse-Fundstücke und seltene Perlen des queeren Kinos zu sehen.


Biopic über einen bisexuellen Weltstar: Szene aus "Duse" (Bild: Viennale)

Ein Fuchs liegt auf dem Rücken und stellt sich tot, um einen Vogel anzulocken: Dieses Motiv aus dem 13. Jahrhundert dient als diesjähriges Sujet der Viennale. Plakate in ganz Wien zeigen dieses faszinierend-verstörte Motiv, um auf das größte Filmfestival Österreichs aufmerksam zu machen. Es findet vom 16. bis 28. Oktober statt.

Aus queerer Sicht hat die Viennale in diesem Jahr besonders viel zu bieten. Eine Übersicht über queere Kino-Highlights und Filme, die sonst nur selten zu sehen sind:

The History of Sound

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Gerade erst ist die Erzählung von Ben Shattuck auf Deutsch erschienen, erobert die Verfilmung auch schon die Kinos: "The History of Sound" erzählt die Geschichte einer schwulen Liebe zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Hauptfiguren spielen Josh O'Connor und Paul Mescal – mehr Gründe, das Drama zu schauen, braucht es wohl nicht. Regie führte Oliver Hermanus, der mit "Moffie" bereits ein aufwühlendes schwules Drama drehte.

Estrany riu

Ein seltsamer Fluss, so die Übersetzung des katalanischen Titels, soll die Donau sein. Hier, wo sie in Süddeutschland entspringt, macht die Familie des 16-jährigen Dídac eine Sommerreise. Ein Urlaub, der zur queeren Selbstfindung des Teenagers führt. Der Debutfilm des Regisseurs Jaume Claret Muxart, auf 16mm gedreht, feierte seine Weltpremiere dieses Jahr in Venedig.

The Chronology of Water

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Twilight: Noch immer denken viele bei Kristen Stewart zuerst an die Vampirfilme. Die sind bald 20 Jahre alt, und die queere Schauspielerin hat sich anschließend als ernstzunehmende Darstellerin etabliert. 2022 wurde sie für ihre Rolle als Lady Diana in "Spencer" sogar für einen Oscar und einen Golden Globe nominiert. Bei "The Chronology of Water" hat sie zum ersten Mal Regie geführt: Der Film basiert auf den Memoiren von Lidia Yuknavitch, die vom Vater missbraucht und von der Mutter durch aktives Wegschauen misshandelt wurde.

Blue Moon

Wenn ein Teil eines Duos sich einen neuen Partner sucht – was passiert dann mit dem Zurückgelassenen? Genau darum geht es in "Blue Moon": Der schwule Musical- und Songschreiber Lorenz Hart verbringt einen schmerzhaften Abend in einer Bar, während sein ehemaliger Partner, der Komponist Richard Rodgers, einen großen Erfolg mit seinem neuen Musical feiert. Regisseur Richard Linklater erzählt den Film, der auf wahren Begebenheiten basiert, in Echtzeit.

Gen_

Dr. Bini betreut als Endokrinologe in Mailand Menschen bei ihrer Geschlechtsangleichung. Die Doku zeigt ihn im Gespräch mit Patient*innen, wo nicht nur sein medizinisches Wissen, sondern auch seine Empathie deutlich wird. Doch der Film von Gianluca Matarrese zeigt auch, wie Hetze gegen trans Menschen und der Kampf der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni für eine traditionelle Familie seine Arbeit beeinflussen.

Pillion

Ist Colin nur ein Pillion, also ein Beifahrer? In seinem Leben ist nicht viel los, was sich schlagartig ändert, als der junge Mann Ray kennenlernt. Der führt eine schwule Motorradclique an – und Colin in diese Szene ein. Die beiden werden ein Paar, die Beziehung prägt streng reglementierte Zweisamkeit. Die Adaption des Romans "Box Hill" mit Alexander Skårsgard als Ray feierte in Cannes Premiere.

Kaj ti je deklica


Szene aus "Kaj ti je deklica" (Bild: Viennale)

Neben "Estrany riu" ein weiterer Coming-of-Age-Film im Viennale-Programm, der queeres Erwachen zeigt und etwas mit einem Fluss zu tun hat: Die slowenische Regisseurin Urška Djukić erzählt, wie Lucijas Glaube ausgerechnet im Mädchenchor ihrer katholischen Schule herausgefordert wird: Symbolstarkes queeres Kino aus Südosteuropa.

O riso e a faca

Schon die knapp 3,5 Stunden Laufzeit machen " O riso e a faca" des Portugiesen Pedro Pinho zu einem außergewöhnlichen Film. Darin reist der Umweltingenieur Sergio im Auftrag einer NGO nach Guinea-Bissau. Mit einer Gruppe queerer Menschen taucht er in die kreolische Kultur ein. Der Film, der als "hypnotisierender Fiebertraum" beschrieben wird, thematisiert Fragen rund um Moral und Postkolonialismus.

La petite dernière

Direktlink | Deutscher Trailer "La petite dernière"
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Die 17-jährige Fatima wächst in einer Pariser Banlieue auf. Ihre Familie ist gläubig, sie selbst merkt, dass sie lesbisch ist. Die Romanadaption von Hafsia Herzi gewann dieses Jahr die Queer Palm in Cannes, die Hauptdarstellerin und Newcomerin Nadia Melliti wurde mit dem Preis als beste Darstellerin ausgezeichnet. Deutscher Kinostart unter dem Namen "Die jüngste Tochter" ist am 25. Dezember 2025.

Anoche conquisté Tebas


Szene aus "Anoche conquisté Tebas" (Bild: Viennale)

Eine Gruppe junger Männer tauscht sich über Männlichkeit, Intimität und Identität aus – nicht mit Bier am Stammtisch, sondern in einer heißen Quelle. Die Männer im Film von Gabriel Azorín wollen mit der Heiligen Schar verglichen werden – jener Armee aus 150 schwulen Paare, die im vierten Jahrhundert vor Christus die Vorherrschaft der Stadt Theben über ihre Region begründete.

Duse

Ein Filmtitel, ein Wort, eine Diva: "Duse" über die bisexuelle italienische Schauspielerin Eleonora Duse zeigt die letzten Jahre im Leben der Diva, gespielt von Bruni Tedeschi. 1921 kehrt sie auf die Bühne zurück – gezeichnet von Krankheit und Schulden und in Angesicht des aufsteigenden Faschismus. Das Biopic von Pietro Marcello nutzt koloriertes Archivmaterial und stellt die immer aktuelle Frage, in welcher Beziehung Kunst und Politik stehen.

¡Caigan las rosas blancas!

Albertina Carri ist aus dem argentinischen Queer Cinema nicht wegzudenken. Die Regisseurin sprengt Genregrenzen, provoziert gerne und sind durch und durch queer. So auch ihr neuester Film, der sich einmal mehr konventionellen Schubladen entzieht: In dem Roadmovie reist Violeta, die Regisseurin von lesbischen Amateur-Pornos, mit ihrer Crew von Buenos Aires nach São Paolo. Gemeinsam suchen sie künstlerische, sexuelle und politische Freiheit.

Nova '78

Luca Guadagninos Adaption "Queer" Hat den Schriftsteller William S. Burroughs in diesem Jahr wieder bekannter gemacht. Im Herbst 1978 fand in New York die "Nova Convention" statt, eine Veranstaltung zu Ehren des schwulen Autors. Die Archiv-Doku von Aaron Brookner basiert auf 40 Stunden Material des dreitägigen Events, an dem Künstler*innen wie Patti Smith, Frank Zappa, Allen Ginsberg und Laurie Anderson teilnahmen.

Retrospektive: Jean Epstein


Szene aus "Finis Terrae" von Jean Epstein (Bild: Viennale)

Die Viennale überzeugt nicht nur mit ihrem gelungenen Mix aus aktuellem publikumsfreundlichem Arthouse und Filmen aus der Nische. Die Retrospektive ist ein geschätzter Bestandteil des Festivals, die Leiterin Eva Sangiorgi als das "Herzstück des Festivals" bezeichnet.

In diesem Jahr widmet sie sich dem polnisch-französischen avantgardistischen Filmemacher, Kritiker und Theoretiker Jean Epstein. Er, 1897 geboren, war schwul, konnte queere Themen aber nur unterschwellig in seinen Filmen verarbeiten: In "Finis Terrae" geht es um eine leidenschaftliche Freundschaft zweier junger Männer – ein queeres Auge kann hier mehr lesen. Epsteins Stummfilme sind nicht oft im Kino zu sehen. Bei der Viennale werden sie von Live-Musik begleitet.

Robert Wilson and the CIVIL warS

Der schwule Avantgarde-Regisseur Robert Wilson ist in diesem Sommer gestorben. Mitte der 1980er Jahre plante er das Opernprojekt "the CIVIL warS", sein Freund Howard Brookner drehte eine Doku darüber. Zwölf Jahre lang restaurierte dessen Neffe Aaron Brookner die einzige erhaltene 16mm-Kopie. Jetzt wird sie in der Reihe "Historiografie: Newly Restored" gezeigt.

-w-