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Rainbow Index of Churches in Europe

Deutschland hat die queer­freundlichste katholische Kirche

Keine römisch-katholische Kirche in Europa ist queerfreundlicher als jene in Deutschland. So queerfreundlich wie die EKD ist sie laut dem Rainbow Index of Churches in Europe aber bei weitem nicht.


Je dunkler die Farbe, desto queer­freundlichere Kirchen befinden sich in einem Land (Bild: European Forum of LGBTI+ Christian Groups)

  • 16. Oktober 2025, 14:54h 3 Min.

Die beiden großen deutschen Kirchen gehören zu den queerfreundlichsten in Europa. Das ist eines der Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Studie Rainbow Index of Churches in Europe (Rice), bei der 46 Kirchen auf dem Kontinent für ihre Queerfreundlichkeit bewertet werden. Zu den Indikatoren gehört etwa die Haltung der Kirchen zu homosexuellen Paaren oder ihr Verhältnis zu trans Menschen. 

Der Inklusivitätsindex wurde bereits zum zweiten Mal errechnet – nach der im Mai 2021 veröffentlichten Auswertung von 2020 (queer.de berichtete). Autor*innen der 192-seitigen Studie (PDF) sind dieses Jahr die Professor*innen Regina Elsner von der Uni Münster, Pekka Metso von der Universität Ostfinnland sowie Valérie Nicolet von der Universität im schwedischen Umeå. Der Index wurde mit Hilfe der Protestantischen Theologischen Universität in den Niederlanden erstellt.

Insgesamt liegt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wie schon vor fünf Jahren auf dem sechsten Platz. Dieses Mal erreichte sie 85 Prozent. Unter den großen protestantischen Kirchen in Europa ist damit nur die Schwedische Kirche, die ehemalige Staatskirche des skandinavischen Landes, noch queerfreundlicher (93 Prozent).

Deutsche katholische Kirche macht einen Platz gut

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland erreichte mit 72 Prozent den neunten Platz (nach Platz zehn vor fünf Jahren). Damit liegt sie weit vor allen anderen Vatikankirchen in Europa. In der Studie wird insbesondere das Massen-Coming-out Anfang 2022 im Rahmen der "Out in Church"-Kampagne positiv hervorgehoben. Dies habe "zu einem offenen Dialog über queeres Leben im Kirchen-Kontext geführt" das auch zu positiven Änderungen im Arbeitsrecht beigetragen. Auch die queere Seelsorge und starke Laiengremien werden lobend erwähnt.

Am queerfreundlichsten nach Deutschland sind laut dem Rainbow Index die katholischen Kirchen in Belgien und England (je 53 Prozent) sowie Malta (51 Prozent) und der Schweiz (40 Prozent). Die katholischen Kirchen, die am meisten Probleme mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten haben, gibt es hingegen in Schweden (15 Prozent), Polen (6 Prozent) und der Slowakei (5 Prozent).

MCC ist ganz oben

Insgesamt am queerfreundlichsten schnitten kleinere Kirchen ab: Auf Platz eins mit der vollen Punktzahl liegt die Metropolitan Community Church (MCC) in Wien, gefolgt von der reformierten katholischen Kirche in Polen, die erst 2007 gegründet wurde und vom Vatikan unabhängig ist. Auf Platz liegt mit 95 Prozent die MCC in Finnland. Die MCC war in den Sechzigerjahren vom schwulen US-Pastor Troy Perry gegründet worden und legt traditionell ein besonderes Gewicht auf Vielfalt.

Die drei queerfeindlichsten Kirchen sind laut der Liste allesamt orthodox: Am Ende des Rankings liegen die Kirchen in Rumänien (4 Prozent), Georgien (2 Prozent) und der Ukraine (unter 1 Prozent). Die orthodoxe Kirche im diktatorisch regierten Russland wurde dieses Mal erst gar nicht berücksichtigt. Orthodoxe Kirchen, heißt es in der Studie, seien "allgemein konservativ und heteronormativ".

Der Index ist ein Projekt des ökumenischen Netzwerks European Forum of LGBTI+ Christian Groups. Die Dachorganisation verfügt über 45 Mitgliedsgruppen aus 19 europäischen Ländern. Aus Deutschland gibt es neun Mitglieder, darunter die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK). (dk)

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