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Thüringen

"Seit wann hilfst du Schwulen?": Erstmals Gedenktag für Opfer rechter Gewalt in Erfurt

In Erfurt fand erstmals ein Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt statt. Erinnert wurde u.a. an Heinz Mädel, der 1990 an den Folgen einer brutalen homofeindlichen Attacke starb.


Kein Vergeben, kein Vergessen: Gedenk-Graffiti an Heinz Mädel an einer Hauswand in Erfurt (Bild: write_their_names / instagram)

  • 19. Oktober 2025, 08:32h 2 Min.

Erstmals hat es in Erfurt einen Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt gegeben. Die Veranstaltung am Sonntag mit Vorträgen und Workshops auf dem Domplatz sei gut besucht, die Stimmung angemessen, sagte eine Sprecherin des Vereins Blinde Flecken e.V. Erfurt, der den Tag gemeinsam mit anderen Initiativen organisierte.

Den Angaben zufolge kamen seit der Wende drei Menschen in der Landeshauptstadt durch rechte Gewalt ums Leben. Landesweit waren es nach Recherchen der Opferberatung ezra mindestens zwölf. Davon sei aber nur ein Fall staatlich anerkannt, hieß es.

Heinz Mädel wurde brutal zusammenschlagen

Heinz Mädel (58) wurde am 25. Juni 1990 in Erfurt von zwei jungen Frauen homofeindlich beschimpft und geschlagen. Die Täterinnen, die bereits zuvor an homofeindlichen Attacken beteiligt waren, schlugen ihn zu Boden und traten auf den älteren Mann auf dem Boden gegen Kopf und Oberkörper. Als eine Person aus einer umstehenden Jugendgruppe, darunter rechtsextreme Skinheads, dem Opfer helfen wollte, zischte eine der Frauen: "Seit wann hilfst du Schwulen?" Am 1. Juli erlag Mädel seinen Verletzungen (Chronik auf der Homepage der Amadeu Antonio Stiftung).

Die anderen beiden Opfer sind Ireneusz Szyderski (24), ein polnischer Erntehelfer, der 1992 von Neonazis misshandelt wurde und auf dem Weg ins Krankenhaus starb, sowie Hartmut Balzke (48), der 2003 bei einem Angriff von Neonazis so schwer verletzt wurde, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb.

Stadt Erfurt unterstützt Veranstaltung

Die Stadt Erfurt habe den Tag finanziell unterstützt, sagte die Sprecherin weiter. Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Andreas Horn (CDU), erklärte: "Mit diesem Gedenktag setzen wir in Erfurt erstmals ein sichtbares Zeichen für die Erinnerung an die Opfer rechter Gewalt und geben ihrem Schicksal einen festen Platz im öffentlichen Bewusstsein unserer Stadt."

Ziel sei, die Veranstaltung künftig jährlich anzubieten. "Wichtig ist uns, dass das auch künftig in der Hand der Initiativen bleibt", sagte die Sprecherin. Der Verein Blinde Flecken habe sich 2019 nach dem Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke gegründet. Die Gründer*innen hätten damals beschlossen, dass das Reden von Einzelfällen aufhören müsse, und daher tiefer zu den Erfurter Fällen recherchiert. In anderen Thüringer Städten gebe es ähnliche Initiativen. (cw/dpa)

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