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Buchtipp

Literarisches Selbstporträt eines jungen schwulen Mannes

Der Schauspieler Victor Schefé flüchtete 1986 aus der DDR nach West-Berlin und suchte seinen Weg zur Freiheit und Selbstbestimmung. Jetzt ist sein Debütroman "Zwei, drei blaue Augen" erschienen.


Victor Schefé ist vielen als Schauspieler, Sänger und Filmemacher bekannt. 2021 war er Erstunterzeichner der Initiative #ActOut (Bild: Dorothea Tuch)
  • 25. Oktober 2025, 08:54h 2 Min.

Ein junger Mann, hin- und hergerissen zwischen Aufbruch und Angst, wagt in den 1980er Jahren die Flucht aus der Enge der DDR: Tassilo, verliebt in Musik und Männer, will raus aus der Rostocker Platte und hinein in die Freiheit West-Berlins. "Mutter sagt, sie wird alles dafür tun, dass mein Vorhaben nie aufgeht. Ihre Kriegserklärung ist klipp und klar – nicht nur als Mutter, auch als Genossin", heißt es an einer Stelle. 1986 gelingt dem 19-Jährigen das scheinbar Unmögliche: Er kommt am Bahnhof Zoo an – drei Jahre vor dem Mauerfall, der sein Leben erneut auf den Kopf stellen wird.

Aus Briefen, Tagebüchern, Kindheitserinnerungen und Stasi-Akten komponiert Victor Schefé mit "Zwei, drei blaue Augen" einen Roman, der von der Suche nach Freiheit, Identität und Zugehörigkeit erzählt. Die Collage aus dokumentarischen und erzählerischen Elementen leuchtet vor Energie, Schmerz und Hoffnung – ein literarisches Selbstporträt eines schwulen jungen Mannes in einer widersprüchlichen Zeit.

Ein Leben zwischen Anpassung und Aufbruch


"Zwei, drei blaue Augen" ist als gebundenes Buch und E-Book erschienen

Schefé, 1967 in Rostock geboren, ist vielen als Schauspieler, Sänger und Filmemacher bekannt. Nach seiner Ausreise 1986 lebte er in West-Berlin und später in New York. Er begann an Berliner Off-Theatern, spielte Hauptrollen in Österreich – unter anderem in der deutschsprachigen Uraufführung von Tony Kushners "Engel in Amerika" – und war seither in über achtzig Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, darunter "Tatort", "Bewegte Männer" (Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis 2003), "Bridge of Spies", "Spectre" und "Borgia".

Auch abseits der Bühne engagiert sich Schefé für queere Sichtbarkeit: 1990 war er Mitbegründer der Berliner Bar "Hafen", 2002 Moderator der Teddy Awards bei der Berlinale und 2021 Erstunterzeichner der Initiative #ActOut. In der Deutschen Filmakademie arbeitet er in der AG "Diversity" für mehr LGBTI-Repräsentation vor und hinter der Kamera.

Nun ist sein Debütroman "Zwei, drei blaue Augen" (Amazon-Affiliate-Link ) erschienen – ein persönliches Stück Zeitgeschichte und eine literarische Spurensuche durch ein Leben zwischen Anpassung und Aufbruch, zwischen Osten und Westen, zwischen Angst und Freiheit. (dd/pm)

Infos zum Buch

Victor Schefé: Zwei, drei blaue Augen. 472 Seiten. dtv Verlagsgesellschaft. München 2025. Gebundene Ausgabe: 24,00 € (ISBN: 978-3-423-28514-8), E-Book 18,99 Euro.

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