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Internet-Challenge
Rubbeln verboten: Der No Nut November steht wieder vor der Tür
Das Internet hat in den letzten Jahren den No Nut November erfunden: 30 Tage lang, so die Regel, darf ein Mann nicht mit seinem besten Stück spielen (oder andere damit spielen lassen). Ist es sinnvoll, hier mitzumachen?

Im November kriegt Aschenbrödel nicht mal eine einzige Nuss… (Bild: ChatGPT)
- 27. Oktober 2025, 11:27h 3 Min.
Selbstkontrolle, Spaß, Neugier: Das sind, fragt man Fans, die Gründe für den No Nut November, der auch dieses Jahr wieder am 1. November an den Start geht. Dabei handelt es sich um keinen offiziellen Wettbewerb, sondern eher eine Internet-Challenge, die sich seit etwa 2017 über Foren wie Reddit und Twitter verbreitet hat – und die heute immer mehr Anhänger findet.
"No Nut November" hat nichts mit Nussallergien zu tun, sondern bedeutet "Kein Abspritzen im November". 30 Tage lang verzichtet ein Mann also auf Orgasmen – genauso, wie wenn man im Dry January einen Monat lang keinen Alkohol zu sich nimmt. "Nuts" (Nüsse) sind im Englischen eine Umschreibung für die Hoden, als Verb bedeutet das Wort in US-Slang so viel wie ejakulieren. Die Challenge fordert Teilnehmende dazu auf, den gesamten Monat über nicht zu onanieren und keinen Orgasmus zu haben – also "no nut".
Oft wird die Challenge humorvoll und ironisch gehandhabt – als Gegenentwurf zu übersexualisierten Online-Kulturen. Die Challenge kann sie auch eine Gelegenheit sein, die eigene Sexualität und die Beziehung zum eigenen Körper zu reflektieren. Ein bewussterer Umgang mit Sexualität oder Online-Inhalten kann nämlich durchaus das Wohlbefinden steigern – durch Selbstkontrolle, Achtsamkeit und Routineänderung. Die Idee dahinter: Wer sich gewohnheitsmäßig stundenlang Pornos reinzieht, erlebt dies bald als Alltagstrott und will mal etwas anderes ausprobieren. Wenn man seinen Körper besser kennt, könnte man motivierter, klarer im Kopf und emotional stabiler werden.
Es wird viel Humbug um die Rubbel-Pause verbreitet
Dabei wird aber auch viel Humbug verbreitet – etwa vom "Dopamin-Reset". So kann man auf einschlägigen Foren oft online lesen, dass durch häufige Masturbation oder Pornokonsum das Gehirn mit dem sogenannten Glückhormon Dopamin "überflutet" werde. Wenn man auf Sex und Selbstbefriedigung verzichtet, könne sich das "Dopaminsystem erholen". Freilich kann Dopamin im echten Leben nicht "verbraucht" oder "erschöpft" werden, und es lässt sich auch nicht "resetten". Für gesunde Menschen gibt es keinerlei Belege, dass Sex oder Selbstbesfriedigung zu einer "Dopamin-Dysregulation" führt.
Hinter diesen Mythen steckt oft die "NoFap"- oder "Anti-Porn"-Bewegung, die oft christlich-fundamentalistisch motiviert ist – und insbesondere queere Sexualität als durchweg negativ darstellt. Die "NoFap"-Bewegung propagiert, sich das ganze Jahr über nicht selbst zu befriedigen. US-Forschende untersuchten 2023, was diese Gruppe mit Männern macht. Das Ergebnis: Wer sich in "NoFap"-Foren herumtreiben, leiden eher unter Depressionen oder Suizidgedanken (queer.de berichtete).
Auch einige Teilnehmer des No Nut November berichten, dass sie während ihres rubbelfreien Monats immensen Druck verspürt hätten und kaum an andere Dinge hätten denken können, weil sie so gestresst gewesen seien. Insbesondere in diesem Fall ist klar: Für die eigene Gesundheit tut ein Teilnehmer nichts, ganz im Gegenteil.
Im Dezember kommt die Erlösung
Als Challenge mag der No Nut November dennoch durchaus lustig sein – wenn man nicht in eine seelische Krise gerät, am 2. November wieder mal schauen möchte, was Jeff Stryker oder Diego Sans in ihren Filmen alles so anstellen. Wer den November rubbelfrei übersteht, kann sich jedoch Destroy Dick December freuen. Dieser wurde als Reaktion auf den nussfreien November ebenfalls in Online-Foren proklamiert.
Die Idee dahinter: Die Teilnehmer sollen an jedem Tag im Dezember so oft masturbieren, wie es dem Datum entspricht – also ein Mal am 1. Dezember und 31 Mal an Silvester. Insgesamt bringt man es dann auf 496 Orgasmen in der Adventszeit und zwischen den Jahren. Aber auch hier gilt: Bitte das Ganze nicht zu ernst nehmen, den insbesondere zum Ende des Monats kann auch das zu erheblichem Stress führen. Wissenschaftlich gesehen gibt es keinerlei Beweise, dass diese Challenge positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden hat. Und das Schlimmste: Wegen des Dry January kann man das Ende des Destroy Dick December nicht einmal gebührend feiern. (cw)














