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TV-Premiere
Queerer Gottesdienst erreicht fast 700.000 Zuschauer*innen
Beim ersten queeren katholischen Fernseh-Gottesdienst schalteten am Sonntag mehr Zuschauer*innen ein als gewöhnlich. Pfarrer Karsten Weidisch rief dazu auf, zu sich selbst zu stehen.

Pfarrer Karsten Weidisch bei der Generalprobe zum queeren TV-Gottesdienst (Bild: IMAGO / epd)
- 28. Oktober 2025, 05:57h 2 Min.
Den ersten queeren katholischen TV-Gottesdienst im ZDF haben am Sonntag fast 700.000 Menschen gesehen. Die Zahl der Zuschauer*innen sei ein wenig höher als sonst, teilte der Sender am Montag mit. Knapp 200 Menschen nahmen an dem Gottesdienst teil, der live aus der Kirche St. Anna in Münster-Mecklenbeck übertragen wurde. Die Veranstaltung fand unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen statt.
Zelebriert wurde die Feier unter dem Motto "Wer bin ich – für dich?" von Pfarrer Karsten Weidisch in Zusammenarbeit mit der Queergemeinde Münster. Das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner aus dem Lukasevangelium (Kapitel 18, Verse 9 bis 14) habe die klare Botschaft: "Sei du selbst, stehe zu Dir! Sei so, wie du bist, unterwegs!", sagte der Schulseelsorger, der ein grünes Liturgiegewand und eine rote Stola trug, in seiner Predigt.
Aussage von Papst Franziskus aufgenommen
Das Motto des Gottesdienstes nahm zudem eine Aussage des verstorbenen Papsts Franziskus auf. Auf die Frage zum Umgang der katholischen Kirche mit Lesben und Schwulen hatte er geantwortet: "Wer bin ich, ihn zu verurteilen?" In seiner Predigt lobte Weidisch die Queergemeinde Münster als einen Ort, an dem queere Menschen "mit Freude, ohne Anfeindung in aller Öffentlichkeit und ohne Diskriminierung den befreienden Glauben leben können".
Zum Ende des Gottesdienstes kam auch Jan Diekmann von der Queergemeinde zu Wort. "Viele, gerade queere Menschen, haben in unserer Kirche ein schweres Kreuz tragen – Anfeindung, Ablehnung, Ausgrenzung", erklärte er in der Kirche St. Anna. Gott wolle nicht, "dass wir unter der Last des Kreuzes zerbrechen". Das Kreuz zu tragen, heiße nicht, es allein zu schultern, sondern solidarisch zu sein, zu helfen und Hilfe anzunehmen.
Der queere Gottesdienst war Teil der Reihe katholischer Fernsehgottesdienste, die das ZDF sonntags im Wechsel mit evangelischen Andachten sendet. Die Feier ist in der ZDF-Mediathek abrufbar. (cw)














