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Pascal Kaiser

Bisexueller Schiedsrichter wirft DFB Pinkwashing vor

Pascal Kaiser hatte sich 2022 geoutet. Jetzt erzählt der Schiedsrichter, dass er mit der deutschen Fußball-Obrigkeit hadert.


Pascal Kaiser kritisiert den Deutschen Fußball-Bund scharf (Bild: Archiv)

  • 30. Oktober 2025, 16:34h 3 Min.

Der offen bisexuelle Fußballschiedsrichter Pascal Kaiser hat im Interview mit dem "Tagesspiegel" (Bezahlartikel) den Deutschen Fußball-Bund (DFB) scharf kritisiert. So spreche der nationale Verband von "zahlreichen Maßnahmen des DFB für mehr Vielfalt", aber: "Es ist komplettes Pinkwashing, was dort betrieben wird. Der DFB marschiert beim CSD in Frankfurt mit, stimmt aber für eine WM in Saudi-Arabien", so Kaiser. In dem vorderasiatischen Land steht auf Homosexualität die Todesstrafe.

Kaiser erklärte, der DFB rechtfertige seine Entscheidung damit, dass eine Stimme dagegen ohnehin nicht gezählt hätte, weil die WM auch dann nach Saudi-Arabien vergeben worden wäre. "Das mag sein, aber was sendet man damit für ein Zeichen?", fragte der 27-Jährige. Zudem warf Kaiser dem DFB vor, Coming-outs von Schiedsrichtern nicht zu unterstützen, "auch wenn er das gerne nach außen hin behauptet".

Kaiser beklagt Doppelmoral

Die Entwicklung im Bereich Vielfalt stagniere derzeit, kritisierte Kaiser. Er beschrieb den Fall eines anderen Referees: "Ich habe einen Schiri-Kollegen, der in der Ersten und Zweiten Bundesliga pfeift, mit einem Mann verheiratet ist, sich aber nicht öffentlich outet. Er sagt, dass der DFB darüber Bescheid wisse und alles gut sei, das Thema laut des Verbandes aber nichts auf dem Platz zu suchen habe." Allerdings herrsche hier eine Doppelmoral: "Wenn ein Spieler seine Freundin am Spielfeldrand küsst, ist das in Ordnung. Wenn ich meinen Freund küsse, ist es noch immer ein Aufreger."

"Ich werde benachteiligt"

Sein Coming-out habe ihm in seiner Karriere geschadet: "Ich kriege Spiele in der Regionalliga, die mir zugesagt werden, doch nicht – obwohl ich ein sehr guter Schiedsrichter bin. Mir werden auch mal Beobachtungen zugesprochen, um in die nächsthöhere Liga aufzusteigen, aber es bleiben alles leere Versprechen." Dabei sei er etwa einem Sprinttest zufolge der schnellste Schiedsrichter im Landesverband: "Es ist daher offensichtlich, dass ich aufgrund meines Auftretens in der Öffentlichkeit benachteiligt werde."

Der Kölner Referee pfeift Spiele auf Regional- und Verbandsliga-Ebene als Schiedsrichter. Er hatte sich 2022 im Youtube-Kanal Queer4mat geoutet, als er in Brandenburg Fußballspiele leitete (queer.de berichtete). Im Juli diesen Jahres machte er darauf aufmerksam, dass der ehemalige deutsche Nationaltorwart Bernd Leno ein queerfeindliches Video gelikt hat (queer.de berichtete). Dies habe auch Auswirkungen gehabt, berichtete er jetzt im "Tagesspiegel"-Interview: "Die Folge war sehr viel Hass mir gegenüber von seinen Anhängern." (dk)

Definition von Pinkwashing

Das Wort bezeichnet eine Marketingstrategie. Man nutzt etwa queere Symbolik oder spricht von Unterstützung der queeren Community, ohne ein echtes Engagement für die Rechte queerer Menschen an den Tag zu legen – oder gar Verhalten im Widerspruch dazu zeigen.
-w-