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Bundestagspräsidentin
Deutschland als "Puff Europas": Klöckner will Sexkauf verbieten
Die Bundesregierung will das Prostituiertenschutzgesetz überarbeiten und plant dafür die Einsetzung einer Expert*innen-Kommission. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) prescht jedoch mit eigenen Ideen vor.

Archivbild: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hielt in Berlin eine Laudatio auf die Streetworkerin Sabine Constabel, die sich gegen Prostitution engagiert (Bild: Deutscher Bundestag / Tobias Koch)
- 5. November 2025, 04:16h 3 Min.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat sich für schärfere Regeln gegen Prostitution in Deutschland ausgesprochen. "Ich bin fest der Überzeugung: Wir müssen die Prostitution und den Sexkauf hierzulande endlich auch verbieten", sagte Klöckner in einer Laudatio bei der Verleihung des "Heldinnen-Awards" in Berlin.
"Wenn wir sonst über Frauenrechte sprechen, aber sagen, dass Prostitution ein Beruf wie jeder andere sei, dann ist das nicht nur lächerlich, sondern Verächtlichmachen von Frauen. Es gibt auch keine Schülerpraktika in diesem Beruf", sagte die CDU-Politikerin.
Bundestagspräsidentin für "nordisches Modell"
Klöckner befürwortete eine Handhabung wie in Schweden oder Norwegen. Das sogenannte nordische Modell sieht die Bestrafung von Freiern und die Schließung von Bordellen vor. Nach dem zuerst in Schweden eingeführten Modell ist der Kauf sexueller Dienstleistungen illegal, der Verkauf von Sex bleibt dagegen straffrei. Prostituierte erhalten Hilfe, um sich eine neue Existenz aufzubauen.
Die bisherige Gesetzgebung in Deutschland schütze Prostituierte bislang nicht ausreichend, sagte Klöckner. "Ganz im Gegenteil, weder das Prostitutionsgesetz noch das Prostituiertenschutzgesetz stärken die Rechte der Frauen in der Prostitution nachhaltig".
Es bleibe bei gewaltigen Übergriffen, der Übermacht von Männern und bei der Unfreiwilligkeit. Deutschland sei der "Puff Europas". 2017 trat hierzulande das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. Für Prostituierte besteht laut Gesetz eine Anmeldepflicht, für Prostitutionsgewerbe wie etwa Bordelle eine Erlaubnispflicht.
Der von der Alice-Schwarzer-Stiftung initiierte "Heldinnen-Award" ehrt außergewöhnlich mutige Frauen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. In diesem Jahr werden die beiden Streetworkerinnen Sabine Constabel und Cathrin Schauer-Kelpin für ihr Engagement gegen Prostitution ausgezeichnet.
Constabel hilft seit mehr als drei Jahrzehnten Frauen bei dem Ausstieg aus der Prostitution. Schauer-Kelpin setzt sich mit ihrem Verein Karo gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern ein.
Mit ihrer Forderung nach einem Sexkauf-Verbot hat sich die Bundestagspräsidentin gegen die ergebnisoffene Linie der schwarz-roten Koalition positioniert: Das Ministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend will zunächst eine Expert*innen-Kommission zum Thema Sexarbeit einsetzen, um eine sachliche Debatte unter Einbindung der betroffenen Menschen zu führen (queer.de berichtete).
Kritik vom Berufsverband Sexarbeit
"Ich bin erschüttert, dass die Bundestagspräsidentin sich mit ihrer eigenen Meinung positioniert und dabei die Beschlüsse der Koalitionsverhandlungen missachtet", kritisierte Johanna Weber, vom Berufsverband Sexarbeit in einer Pressemitteilung. "Das Sexkaufverbot schadet genau denen, denen es eigentlich helfen soll."
Seit Jahrzehnten seien die schädlichen Auswirkungen von Sexkaufverboten aus anderen Ländern bekannt, so Weber. "Es drängt Sexarbeiter*innen in die Illegalität, erschwert den Zugang zu Beratung und Schutz und verstärkt gesellschaftliche Stigmatisierung."
Der Berufsverband fordert eine "differenzierte und inklusive Debatte, die die Rechte, Sicherheit und Selbstbestimmung von Sexarbeiter*innen in den Mittelpunkt stellt". Feminismus dürfe nicht als "moralische Waffe gegen marginalisierte Gruppen missbraucht werden". (cw/dpa)











