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"Goldener Kitt"
Saarbrücken: Stadtrat beschließt queeren Gedenkort
In der saarländischen Hauptstadt soll mit einem "goldenen Kitt" an die Verfolgung queerer Menschen erinnert werden.

So soll der "goldene Kitt" einmal aussehen (Bild: Stadt Saarbrücken)
- 5. November 2025, 14:14h 2 Min.
Der Saarbrücker Stadtrat hat am Dienstag die Umsetzung des queeren Gedenkorts "Saarbrückens Goldener Kitt" in der Faßstraße am Rande des St. Johanner Marktes beschlossen. Damit soll an die Verfolgung queeren Lebens in der Landeshauptstadt erinnert werden, insbesondere während der NS-Diktatur. Für das Projekt stehen rund 200.000 Euro zur Verfügung.
Der Name des Gedenkorts stammt aus dem Siegerentwurf der Münchner Landschaftsarchitektin und Künstlerin Jutta Treichel für diesen Gedenkort. Der Entwurf hatte sich im Juni gegen acht andere Vorschläge durchgesetzt.
Gold heilt eine Wunde
Das Konzept sieht einen goldenen Riss im Pflaster vor – als Symbol für die Brüche, die durch die jahrzehntelange Verfolgung queerer Menschen entstanden sind, und zugleich für Heilung, Sichtbarkeit und Zusammenhalt. Dafür müssen zunächst Pflastersteine entnommen werden. Dieser Riss soll anschließend mit einer goldfarbenen Masse, dem "Kitt", gefüllt werden — angelehnt an die japanische Reparaturmethode Kintsugi, bei der zerbrochenes Porzellan mit Gold zusammengefügt wird. Damit soll eine Metapher geschaffen werden: etwas Wundenhaftes ist zwar sichtbar, aber auch durch etwas Kostbares "geheilt".
Der Standort in der Faßstraße, unweit früherer queerer Szenelokale, soll eine Brücke zwischen der Geschichte und der Gegenwart der queeren Community in Saarbrücken schlagen. "Der Entwurf integriert bewusst den bestehenden städtebaulichen Kontext und greift dabei auf ortsspezifische Elemente zurück, wie die markante Pflastergestaltung des Künstlers Paul Schneider und die prägnanten, sich im Herbst goldfärbenden Gingko-biloba-Bäume", erklärte Julia Treichel. An dem Kunstwerk angebrachte QR-Codes könnten laut Treichel später auf weitergehende Info-Seiten zur Verfolgung des queeren Lebens verweisen.
"Starkes Zeichen gegen Diskriminierung"
Der Gedenkort geht auf einen Antrag der Grünen-Fraktion im Stadtrat aus dem Jahr 2019 zurück. Die Partei begrüßte den jetzigen Beschluss ausdrücklich: Damit "setzen wir ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung und für gesellschaftliche Vielfalt in Saarbrücken", erklärt der kulturpolitische Sprecher der grünen Stadtratsfraktion, Thomas Brass, der ebenfalls Mitglied der Jury zur Findung des Siegerentwurfs gewesen ist.
"Die Verfolgung queerer Menschen über mehr als ein Jahrhundert hinweg ist ein tiefes Unrecht, das uns verpflichtet, aktiv daran zu erinnern", so Brass weiter. "Über 123 Jahre lang wurden schwule Männer aufgrund des Paragrafen 175 StGB strafrechtlich verfolgt. Mit diesem Gedenkort schaffen wir nicht nur einen Platz der Würdigung, sondern auch ein Zeichen der Solidarität, das Mut macht, für Akzeptanz und Vielfalt einzustehen." (dk)














