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Heimkino

Pee-Wee, die queere Ikone

Die zweiteilige Doku "Pee-Wee privat – Amerikas Kultfigur im Porträt" ist eine respekt- und verständnisvolle Verneigung vor einem schwulen Künstler, den aller Bekanntheit zum Trotz kaum jemand wirklich zu kennen schien.


US-Comedian Paul Reubens (1952-2023) als Pee-Wee Herman (Bild: Sky)

Während hierzulande der Name Pee-Wee Herman größtenteils Achselzucken auslöst, dürfte er in den USA unter allen, die in den 1980er Jahren jung waren, in aller Munde sein. Dass ihm nun mit "Pee-Wee privat – Amerikas Kultfigur im Porträt" (ab 7. November 2025 bei Sky & Wow) gleich ein zweiteiliger Dokumentarfilm gewidmet ist, ist also in Zeiten, in denen das Geschäft mit der Nostalgie der Generation X ungebrochen boomt, kein Wunder.

Die infantile queere Kunstfigur – ein ebenso rotzfrecher wie unschuldiger Junge, verkörpert von einem Erwachsenen – nahm ihren Anfang auf Comedy-Bühnen in Los Angeles und mit Auftritten in Late Night Talk Shows, bevor der Sprung auf die Kinoleinwand gelang (mit Tim Burtons Regiedebüt "Pee-Wee's irre Abenteuer" sowie "Manege frei für Pee-Wee", in Deutschland jeweils nur auf Video erschienen) und schließlich die preisgekrönte, ebenso schräge wie progressive Kindersendung "Pee-wee's Playhouse" folgte.

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Reubens war eifersüchtig auf sein Alter Ego

Es ist eine durchaus skurrile, in der Performance-Kunst der Hippie-Zeit verwurzelte und von Andy Warhols filmischem Oeuvre beeinflusste Erfolgsgeschichte, die der schwule Regisseur Matt Wolf in seinem Film nachzeichnet. Doch natürlich ist der Dreistünder auch ein Porträt des Mannes hinter Pee-Wee: Paul Reubens, geboren 1952 im Bundesstaat New York und aufgewachsen in Florida, bevor es ihn nach der Schule an die Westküste verschlug.

Lange Jahre versteckte sich Reubens komplett hinter seiner Schöpfung, auch um seine Identität als schwuler Mann zu verbergen, die er lange nur heimlich (und inklusive für die Medien arrangierter Dates mit Kolleginnen wie Carol Kane) auslebte. Eine Gratwanderung in vielerlei Hinsicht, und es ist faszinierend zu sehen, wie er selbst Jahrzehnte später noch im Rückblick eifersüchtig zu sein scheint auf Pee-Wee, dessen Name – anders als der eigene – auf dem Stern auf Hollywoods Walk of Fame prangt.

Beim Masturbieren im Pornokino verhaftet

Zu sehen, wie Reubens, der Wolf bis kurz zu seinem Tod 2023 ausführlich Rede und Antwort stand, immer wieder den offenen Umgang mit seinen Erinnerungen hinterfragt und seinem Regisseur Steine in den Weg legt, macht den großen Reiz von "Pee-Wee privat" aus. Nicht zuletzt im zweiten Teil, wenn die beiden Skandale thematisiert werden, die Reubens Karriere lange Jahre aushebelten: 1991 wurde er beim Masturbieren in einem Pornokino verhaftet, zehn Jahre später stand vorübergehend fälschlicherweise der Vorwurf des Besitzes von Kinderpornografie im Raum, als bei einer Razzia seine Sammlung historischer Homo-Erotika beschlagnahmt wurde.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur zweiteiligen Dokumentation
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Der Schmerz, den diese Erfahrungen hinterließen, prägt diesen Film auf berührende Weise. Doch es ist die respekt- und verständnisvolle Verneigung vor einem eigenwilligen Künstler, den aller Bekanntheit zum Trotz kaum jemand wirklich zu kennen schien, die ihn zum Ereignis macht. Auch für ein deutsches Publikum, das von Pee-Wee Herman womöglich noch nie gehört.

Wer nach diesem Zweiteiler übrigens neugierig geworden ist und mehr sehen möchte von Reubens außergewöhnlicher Arbeit: bei JustWatch lassen sich alle fünf Staffeln von "Pee-wee's Playhouse" sehen, darunter auch die Folge, in der Pee-Wee einen Obstsalat heiratet. Und bei YouTube findet man – in exzellenter Qualität – "Pee-wee's Playhouse Christmas Special" aus dem Jahr 1988, in dem es (neben jeder Menge Fruitcake-Anspielungen) vor Gastauftritten von Stars wie Cher, Grace Jones, k.d. lang, Zsa Zsa Gabor, Oprah Winfrey oder Little Richard nur so wimmelt.

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