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Debatte um Sexkaufverbot
Queere Linke kritisieren "unqualifizierte Bemerkungen" von Julia Klöckner
Die Linke queer findet, dass die Bundestagspräsidentin von Sexarbeit genauso wenig Ahnung habe wie von Regenbogenfahnen.

Die queeren Linken sind nicht begeistert von Julia Klöckners Vorschlägen (Bild: Deutscher Bundestag / Thomas Imo / photothek)
- 6. November 2025, 12:30h 2 Min.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Die Linke queer hat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) für ihre Forderung nach einem Sexkaufverbot in Deutschland scharf kritisiert. "Julia Klöckners PR-Strategie ist seit jeher, sich mit unqualifizierten Bemerkungen mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Von Sexarbeit hat sie offensichtlich genauso wenig Ahnung wie von Regenbogenfahnen", erklärten Daniel Bache und Maja Tegeler, die Bundessprecher*innen von Die Linke queer. "Sie vereint reaktionäre Vorstellungen von Körper, Geschlecht und Sexualität, egal ob es um Queerpolitik oder um Sexarbeit geht."
Klöckner hatte sich am Dienstag für das sogenannte nordische Modell ausgesprochen, das vorsieht, Kund*innen von Prostituierten zu bestrafen und Bordelle zu verbieten. Sie sprach dabei von Deutschland als "Puff Europas" (queer.de berichtete). Bereits zuvor hatte für Irritationen in der queeren Community gesorgt, dass sie das Hissen der Regenbogenfahne am Reichstagsgebäude zum CSD untersagte (queer.de berichtete).
"Uninformierter Diskurs"
Die Linke queer bezeichnete die Äußerung Klöckners als "uninformierten Diskurs", mit dem die Frage, wie die Lebenssituation von Sexarbeitenden verbessert werden kann, nicht gelöst werden könne. "Es wird Zeit, den Sexarbeits-Diskurs auf eine informierte Ebene zu heben. Dafür muss die Maxime 'Nothing about us without us' handlungsgebend sein, sprich: Sexarbeitende müssen in die Diskussion über Sexarbeit einbezogen werden", so Bache und Tegeler. "Die Sex Work Action Group hat beispielsweise einen alternativen Gesetzentwurf zur Reform des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes verfasst. Die Linke queer fordert Familienministerin Prien auf, die Expertise aus der Selbstorganisation von Sexarbeitenden in die angekündigte Expert*innenkommission einzubeziehen, da sie ihren Namen als solche sonst schlicht nicht verdient."
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat sich unterdessen gegenüber der "Rheinischen Post" ebenfalls für ein Sexkaufverbot ausgesprochen. "Deutschland darf nicht länger das Bordell Europas sein", so Warken.
Kritiker*innen des Nordischen Modells warnen, dass durch ein Sexkaufverbot Zugang zu Unterstützung und medizinischer Versorgung von Sexarbeitenden erschwert werde. Aufgrund des Verbotes von legalen Tätigkeitsorten würden Sexarbeitende dann in den Untergrund abgedrängt und seien vermehrt Gewalt ausgesetzt.
Auch die SPDqueer spricht sich etwa gegen ein Sexkaufverbot aus (queer.de berichtete). Allerdings sind auch vereinzelt Abgeordnete der SPD für das Nordische Modell. Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) warnte vor einem "De-facto-Arbeitsverbot" für seine Mitglieder (queer.de berichtete). (cw)













