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"Die Liebe gefeiert"
Berlin: Evangelische Pfarrerin vermählt in Polyhochzeit vier Männer
Eine schwule Vierer-Vermählung vom Sommer sorgt derzeit für Aufregung in der rechten Bubble. Die verantwortliche Pfarrerin fragt jedoch: "Was sollte Gott dagegen haben, dass es nun eben vier sind und nicht zwei?"
- 7. November 2025, 15:00h 4 Min.
Die Berliner Pfarrerin Lena Müller hatte im Juni bei einem Pop-up-Hochzeitsfestival eine Polyhochzeit mit vier Männern durchgeführt. Zwar veröffentlichte die Geistliche der queerfreundlichen Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) bereits im Sommer auf Instagram ein Foto der Hochzeit, allerdings hat das Event erst jetzt die Medien erreicht – und in rechten Kreisen ist man freilich entsetzt.
Über die Hochzeit hatte Müller auf Instagram geschrieben: "Am Freitagabend durfte ich mit Christopher und Gloria meine erste Polyhochzeit feiern. Vier junge Männer haben zueinander ja gesagt, mit uns die Liebe gefeiert und sich unter G*ttes bunten Segen gestellt."
"Man konnte sofort sehen, dass da ganz viel Liebe zwischen ihnen war"
Kürzlich sprach die "Feministin & Pfarrerin" (Eigenbeschreibung auf Instagram) gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Bezahlartikel) über die Feier – und erklärte über die Vierergruppe: "Man konnte sofort sehen, dass da ganz viel Liebe zwischen ihnen war. Deshalb waren wir uns im Team schnell einig: Was sollte Gott dagegen haben, dass es nun eben vier sind und nicht zwei?" Zwei der Männer seien Letten gewesen, einer Thailänder und ein weiterer Spanier.
Zwar sei die Vierer-Ehe nicht in das Kirchenbuch eingetragen worden, da Voraussetzung dafür eine standesamtliche Ehe sei – und diese ist in Deutschland bekanntlich nur unter zwei Personen möglich. Trotzdem sei die Konstellation eines Segens würdig gewesen, so die Pfarrerin.
"Sich allein auf die biblischen Vorbilder zu berufen, ist nicht zielführend"
Diese Art von Partnerschaft sei auch nicht gegen die Bibel gerichtet, davon ist Müller überzeugt: "Es gibt in der Bibel ganz unterschiedliche Beziehungskonstellationen. Manche halte ich für empfehlenswerter als andere. Im Alten Testament begegnen uns immer wieder Männer, die mehrere Frauen haben", erklärte sie etwa. "Die bürgerliche Kleinfamilie ist dagegen keine biblische Norm, und auch die heterosexuelle Liebesheirat, bei der die Frau genauso viel mitzureden hat wie der Mann, ist eine neuere Entwicklung. Deshalb würde ich sagen: Sich allein auf die biblischen Vorbilder zu berufen, ist nicht zielführend, sondern wir müssen uns heutige Beziehungen ansehen und sie im Sinne der Bibel deuten." Sie halte sich daher an eine Aussage im 1. Johannesbrief (4,16b), in dem es heiße: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."
Intern sei die Hochzeit kein Problem gewesen. Ihr Chef habe etwa gesagt: "Sowas hat mein Mentor vor 15 Jahren schon gemacht." Nur auf Social Media hätten "ein paar Menschen kommentiert, dass ich dafür in die Hölle komme". Tatsächlich gab es auf Instagram Kommentare wie "Das hat nichts mit Jesus zu tun" oder "Geisteskrank. Dekadenz im Endstadium".
Aufregung bei Springer und "Compact"
Auch in rechten Medien gab es zuletzt viel Kritik an der Feier. So begann die Berliner Boulevardzeitung "B.Z." aus dem Hause Axel Springer einen Artikel über das Event mit den Worten: "Polygamie (Vielehe) ist in Deutschland nicht legal, sondern verboten. Doch eine Berliner Pfarrerin hat vier Männer miteinander verheiratet!" Auch war der Autor am Ende bemüht mitzuteilen, dass die vier Ausländer damit rechtlich keinen Anspruch auf einen deutschen Pass haben: "Eine Einbürgerung ist laut Gesetz nicht möglich, wenn der Antragsteller in einer Vielehe lebt."
Noch aufgeregter war das rechtsextreme Magazin "Compact". In einen vor Queerfeindlichkeit triefenden Beitrag zeigt der Autor, dass er weniger die Polyamorie als Problem ansieht als die Tatsache, dass sich hier vier gleichgeschlechtliche Personen ein Ja-Wort gegeben haben. So heißt es in dem Artikel: "Anstatt die über Jahrhunderte geltende Vorstellung der Ehe zwischen Mann und Frau zu bewahren, überschreiten sie Grenzen, die selbst der Staat nicht zu übertreten wagt."
Übrigens: Die föderal organisierte evangelische Kirche in Deutschland ist sehr unterschiedlich darin, wem sie Hochzeitsfeiern gönnt. Während in Berlin die Polyhochzeit kein Problem war, dürfen im erzkonservativen Württemberg gleichgeschlechtliche Paare wegen ihrer sexuellen Orientierung bis heute nicht getraut werden, obwohl die Pfarrer*innen im Süden die gleiche Bibel lesen (queer.de berichtete). (dk)















