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Heimkino
Während draußen die Mauer fiel, wurde drinnen ein Tabu gebrochen
Zum 36. Jubiläum ist "Coming Out" – der erste und letzte queere Spielfilm der DDR, der am Tag des Mauerfalls Premiere feierte – in zwei aufwendig gestalteten Mediabook-Editionen neu erschienen.

Lehrer Philipp (Matthias Freihof) versucht seine Homosexualität zu verdrängen (Bild: cmv-Laservision)
- 9. November 2025, 10:29h 3 Min.
Heute vor 36 Jahren, am 9. November 1989 – dem Tag des Mauerfalls, feierte "Coming Out" in Ost-Berlin Premiere. Es war der erste und zugleich letzte Spielfilm der DDR, der offen die Geschichte eines schwulen Mannes erzählte. Während draußen die Grenzen fielen, vollzog sich im Kino ein anderes Aufbrechen: das Ringen um Identität, Liebe und Selbstbestimmung in einem Staat, der sich bereits seinem Ende näherte.
Philipp (Matthias Freihof) ist ein beliebter, engagierter Lehrer, der bei Schülerinnen wie Kolleginnen geschätzt wird. Er glaubt, sein Leben fest im Griff zu haben, erfüllt von Beruf und gesellschaftlicher Anerkennung. Seine Kollegin Tanja (Dagmar Manzel) teilt seine Hingabe zum Lehrerberuf. Zwischen beiden entwickelt sich eine enge Freundschaft, die für Tanja bald zur großen Liebe wird. Sie sieht in Philipp den Mann, mit dem sie ihr Leben teilen will – ohne zu ahnen, dass er mit sich selbst noch eine ganz andere Auseinandersetzung führen muss.
Ein außergewöhnliches Zeitdokument

"Coming Out" ist in zwei limitierten Mediabook-Varianten mit umfangreichen Booklets und jeder Menge Bonusmaterial erschienen
Ein zufälliges Wiedersehen mit seinem ehemaligen Schulfreund Jakob ruft in Philipp verdrängte Gefühle wach. Erinnerungen an eine jugendliche Zuneigung, die nie ausgesprochen werden durfte, brechen hervor. Verunsichert und aufgewühlt beginnt er, sich seiner eigenen Sehnsucht zu stellen. In einer queeren Kneipe begegnet er Matthias – und erlebt zum ersten Mal eine Liebe, die sich wahr und selbstverständlich anfühlt. Doch diese neue Beziehung hat Konsequenzen, nicht nur für sein Privatleben, sondern auch für seine berufliche Existenz in einem Umfeld, das von gesellschaftlichen Normen und stiller Homophobie geprägt ist.
"Coming Out" erzählt in leisen, eindringlichen Bildern von Selbstfindung, Mut und den schmerzhaften Schritten zur Freiheit. Regisseur Heiner Carow ("Die Legende von Paul und Paula") verknüpft das persönliche Erwachen seines Protagonisten mit der politischen Wendezeit. Dass der Film ausgerechnet am 9. November 1989 uraufgeführt wurde, verlieh ihm eine historische Symbolkraft: Während draußen in Berlin die Mauer fiel, wurde drinnen im Kino ein Tabu gebrochen.
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Gedreht wurde der Film größtenteils in authentischen Schauplätzen des Ostberliner queeren Lebens, darunter die legendäre Kneipe "Schoppenstube", ein Treffpunkt der schwulen Szene. Viele der Nebendarsteller*innen kamen tatsächlich aus dieser Community, was dem Film eine seltene Glaubwürdigkeit und Nähe verlieh.
"Coming Out" wurde zu einem späten, aber bedeutenden Meilenstein der DEFA-Geschichte. Er gewann 1990 den Silbernen Bären der Berlinale und gilt heute als eines der wichtigsten Werke queerer Filmgeschichte im deutschsprachigen Raum. In seiner ruhigen, unaufgeregten Art zeigt er die Zerrissenheit zwischen Anpassung und Authentizität, zwischen gesellschaftlichem Druck und persönlicher Wahrheit – Themen, die weit über die DDR hinausreichen.
Zum 36. Jubiläum neu erschienen
Zum 36. Jubiläum ist "Coming Out" in zwei aufwendig gestalteten Mediabook-Editionen neu erschienen. Die Veröffentlichung enthält den Film im Dual-Format mit Blu-ray und DVD auf zwei Discs sowie ein umfangreiches Booklet von Philip Zengel von der DEFA-Stiftung. Zum Bonusmaterial gehören der originale Kinotrailer, Interviews mit den Hauptdarsteller*innen Matthias Freihof und Dagmar Manzel, eine Bildergalerie, ein Programmtrailer sowie animierte und interaktive Menüs. Das Mediabook erscheint in zwei limitierten Varianten: Cover A (Amazon-Affiliate-Link ) ist auf 500 Exemplare begrenzt, Cover B (Amazon-Affiliate-Link ) auf 333 Stück.
36 Jahre nach seiner Premiere bleibt "Coming Out" ein außergewöhnliches Zeitdokument: ein Film, der nicht nur von der Befreiung eines Einzelnen erzählt, sondern auch von einem System, das im Moment seines Untergangs kurzzeitig Raum für eine bisher unerhörte Geschichte ließ. (dd/pm)
Coming Out. Drama. DDR 1989. Regie: Heiner Carow. Cast: Matthias Freihof, Dagmar Manzel, Dirk Kummer, Michael Gwisdek, Werner Dissel, Gudrun Ritter, Walfriede Schmitt, Axel Wandtke, Gudrun Okras. Laufzeit: 109 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Bonusmaterial: Original-Trailer, Interview mit Hauptdarsteller Matthias Freihof, Interview mit Hauptdarstellerin Dagmar Manzel, Bildergalerie, Programmtrailer. FSK 12. cmv-Laservision
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